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»Die Garanten für regionale Produkte«

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Der Vorsitzende Hans Grabner von der Erzeugergemeinschaft Schlachtvieh Traunstein bedankte sich bei Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (rechts) für die Festrede zum 40-jährigen Bestehen der EG mit regionalen Schmankerln. (Foto: Peter)

Teisendorf – Der Zusammenhalt in der Erzeugergemeinschaft Schlachtvieh Traunstein (EG) mache es möglich, das gesamte Fleischangebot in allen Sortimenten vermarkten zu können, sagte der Vorsitzende Hans Grabner bei der 40-Jahrfeier der EG im Festzelt in Holzhausen. Die Festrede hielt der Bayerische Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Helmut Brunner. Er hob hervor, dass die Mitglieder und die Vorstandschaft der Erzeugergemeinschaft die Garanten für regionale Produkte seien. Durchs Programm führten Pfarrvikar Korbinian Wirzberger und Bürgermeister Thomas Gasser. Für die musikalische Umrahmung sorgte die »Holzleitn Musi«.


Der EG gehören heute rund 2400 Bauern aus dem Raum Berchtesgaden bis Altötting und Traunstein bis Aschau an. Seit 1977 hat die EG für ihre Mitglieder gut 550 000 Großvieh und 207 000 Stück Kälber und Schweine vermarktet und dabei einen Umsatz von über 583 Millionen Euro erzielen können. Im Gründungsjahr wurden etwas über 3000 Stück Großvieh vermarktet. Zehn Jahre später waren es schon deutlich über 14 000 Stück und im Jahr 2016 bereits 19 400 Tiere. Der Bio-Anteil liegt aktuell bei rund zehn Prozent. Im letzten Jahr traten der EG wieder 24 Bauern bei. Im laufenden Jahr habe es bereits 30 weitere Neuzugänge gegeben. Das zeige, so Geschäftsführer Bernhard Reiter, wie die Bauern zur EG stehen würden. Gründungsvorsitzender war Sebastian Rosenegger aus Traunstein. Ihm folgte von 1978 bis 2011 Sebastian Röckenwagner aus Fridolfing und dann bis 2015 Josef Kaiser aus Traunstein.

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Haltung der Tiere ein Verkaufsargument

Die Haltung der Tiere sei ein Verkaufsargument und da sei es wichtig, dass das Fleisch auch überregional vermarktet werden könne, sagte Vorsitzender Hans Grabner. Die Landwirte müssten im engen Zusammenschluss auf die Märkte eingehen und für die Zukunft produzieren sowie sich den neuen Herausforderungen stellen, ohne dass sie die Tradition außer Acht ließen, meinte der Vorsitzende. Die Bauern würden sich nach den Worten von Grabner immer wieder Audits stellen und »haben ständig Kontrollen am Hof«. Wenn jeder Haustierhalter dieselben Anforderungen erfüllen würde, ginge es sicher vielen Katzen und Hunden besser, fügte Grabner kritisch an.

Die verschiedenen Grußwortredner hatten von der Erzeugergeminschaft ein Thema vorgegeben bekommen – und so sollte MdB Dr. Peter Ramsauer auf die Konzentration der Schlachtwirtschaft und des Einzelhandels eingehen. Es mache ihn sehr nachdenklich, wenn sich in einer Volkswirtschaft wie Deutschland der Lebensmitteleinzelhandel so stark konzentriere und nur noch von einer Handvoll Unternehmen bestimmt werde. Dies habe nicht nur Auswirkungen auf die Produzenten, sondern auch auf die Verbraucher, meinte Ramsauer. Die Gründung der EG vor 40 Jahren war nach den Worten von Ramsauer weitblickend, da nur durch solche Zusammenschlüsse der Bündelung auf der Abnehmerseite etwas entgegengewirkt werden kann.

Der Landrat Georg Grabner bekam die Schlagworte »Regionalität, Stellenwert der Landwirtschaft und Kulturlandschaft« für seine Ausführungen. Für ihn bietet eine starke heimische Landwirtschaft nicht nur die Möglichkeit, die Verbraucher mit Produkten mit kurzen Wegen zu versorgen, sondern fördere auch den Tourismus und erhöhe zugleich die Lebensqualität in der Region. In keinem Land schätze man Essen so wenig wie in Deutschland, fügte der Landrat ein. Jedoch solle sich keiner von vermeintlichen »Weltverbessern« ein schlechtes Gewissen bei der Ernährung einreden lassen. Es solle sich jeder nach seiner eigenen Fasson ausgewogen ernähren, fügte Grabner hinzu.

Dass politische Entscheidungen manchmal etwas länger dauerten, könne passieren. Doch beim Schlachthof Traunstein gab es bereits 1889 die ersten Planungen und 70 Jahre später kam es 1956 zu einem wirksamen Beschluss, sagte Ernst Harrecker, der als Stadtrat und aktiver Landwirt die Glückwünsche der Stadt Traunstein überbrachte und zum Schlachthof einige Worte verlieren sollte. Der Schlachthof Traunstein, der nach den Worten von Harrecker der einzige in Bayern ist, der sich fest in der Hand der Bauern befindet, ging letztlich 1965 an dem heutigen Standort in Betrieb. Nach dem der Schlachthof in die roten Zahlen rutschte, beschloss der Stadtrat im Oktober 2003 den Schlachthof an die Schlachthof Traunstein Betriebs GmbH, einem Zusammenschluss der beiden EGs Traunstein und Miesbach, zu verpachten, was ein Jahr danach vollzogen wurde.

Interessen der Mitglieder besser vertreten

Der Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands, Reinhard Lampoltshammer, sollte die Vorteile der landwirtschaftlichen Organisationen aufzeigen. Er meinte, dass diese gegründet wurden, um die Interessen der Mitglieder besser vertreten können. Für die Abnehmerseite sprach Erik Schöttl, Geschäftsführer der OSI Europe Foodworks GmbH. Er sagte, dass die Rohstoffsicherung durch die Bewirtschaftungsform der Höfe in der Region und der EG gesichert seien und die Bauern dabei die Nachhaltigkeit täglich lebten.

Die Mitglieder der EG seien auf dem absolut richtigen Weg, betonte dann auch Minister Helmut Brunner. Die nachhaltige Bewirtschaftung sei wirtschaftlich und Nachhaltigkeit politisch in aller Munde, da auch die anderen Wirtschaftsbereiche merkten, dass es ohne die Nachhaltigkeit dauerhaft nicht gehe, so der Minister. Der Bioboom halte an und die Regionalität, Natürlichkeit sowie Genuss seien die neuen Megatrends. Daher begrüßt Brunner die Vermarktungsoffensive im Bereich gentechnikfreies Rindfleisch der EG ausdrücklich. Die bayerischen Betriebe könnten wegen der Struktur und den hohen Standards keine Kostenführerschaft auf dem Weltmarkt haben. Doch müssten die strukturellen Nachteile zum Vorteil umgekehrt werden, meinte Brunner. Sein Ehrgeiz sei es, auch im Lebensmittelbereich mit der Qualität in der Champions League zu spielen und nicht nur mit der bayerischen Autoindustrie. Dazu gehöre es eben auch, die heimischen Verbraucher noch mehr von der Qualität der Produkte unserer Landwirtschaft zu überzeugen, hob der Minister hervor. MP

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