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»Derzeit keine Kapazitäten« im Bauamt für Ortsumfahrung Chieming

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Chieming: "Derzeit keine Kapazitäten" im Bauamt für Ortsumfahrung St2096
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Starker Verkehr, eine 90-Grad-Kurve und viele querende Fußgänger: Die Ortsdurchfahrt Chieming soll eine rund 4,4 Kilometer lange Umgehungsstrecke bekommen. Kostenpunkt: 11,5 Millionen Euro. (Foto: OBB/StBA Traunstein)

Traunstein/Landkreis – Für die Ortsumfahrung Chieming (Staatsstraße 2096) laufen im Staatlichen Bauamt Traunstein aus Kapazitätsgründen aktuell noch keine Planungen. »Wir haben derzeit keine Kapazitäten. Das ist ärgerlich, weil es für die Variante 2 eigentlich ein klares 12:5-Votum in der Gemeinde gibt«, berichtete Leitender Baudirektor Christian Rehm in einem Gespräch mit dem heimischen CSU-Bundestagsabgeordneten Dr. Peter Ramsauer.


Seit über 25 Jahren stimmen sich das Staatliche Bauamt Traunstein und der Bundestagsabgeordnete regelmäßig über den Planungsstand der Bauprojekte und anstehende Maßnahmen in der Region ab. Nun traf sich erneut die Leitung des Bauamts mit dem früheren Bundesverkehrsminister zur jährlichen Verkehrs- und Straßenbaukonferenz.

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Ramsauer betonte, für ihn sei der Dialog sehr wichtig, da er laufend im Gespräch mit betroffenen Bürgern stehe und viele Nöte, Sorgen und Probleme in Sachen Verkehrssituation in der Region in seinem Büro zusammenliefen. Auch der leitende Baudirektor Christian Rehm schätzt den regelmäßigen Gesprächsaustausch sehr.

Von »läuft problemlos« bis »verfahrene Situation«

Bei dem in der Öffentlichkeit sehr kontrovers diskutierten Thema der Entlastungsspanne Seebruck (Staatsstraße 2095) läuft derzeit die Raumempfindlichkeitsanalyse. Ergebnisse dürften in rund einem dreiviertel Jahr feststehen, so Baudirektor Rehm. Diese habe den Zweck, konfliktarme Korridore zu ermitteln, die für eine mögliche Trassenführung geeignet sind. Es gebe daher zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Vorfestlegungen über den möglichen Verlauf der zukünftigen Umgehung.

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Foto: StBA Traunstein

Das Bild zeigt die durch Seebruck verlaufende Staatsstraße, die zur Entlastung des Ortskerns zwischen der Reimer Kurve und auf Höhe des Campingplatzes Kupferschmiede in den Norden verlegt werden soll. Die etwa 1,4 Kilometer lange Entlastungsspange ist mit rund 15 Millionen Euro veranschlagt.

Längere Diskussionen gab es auch um die von Peter Ramsauer eingebrachte Verkehrssituation in Eisenärzt. Hier stünden aber die potenziellen Kosten den Wünschen der verkehrsgeplagten Anwohner entgegen, wie es von Seiten der Bauamtsvertreter hieß.

Beim noch offenen Ausbau der B307 Marquartstein-Donau gebe es, so Rehm weiter, unterschiedliche Sichtweisen von den betroffenen Gemeinden. Man plane für die künftig sieben Meter breite Bundesstraße möglichst bestandsorientiert. Allerdings nehme der gewünschte Geh- und Radweg weitere Flächen in Anspruch. Man hoffe, dass hier auch – gerade auf Marquartsteiner Seite – die Einsicht reife, dass ein verkehrssicherer Ausbau alternativlos sei. »Aber soweit es geht, wollen wir auf die Wünsche der Gemeinden eingehen«, betonte Rehm.

Für den Kreisverkehr auf der Kreuzung der B305 mit der St 2098 bei Hinterpoint südlich Ruhpolding erarbeite man derzeit die Vorentwurfsunterlagen.

Ortsumgehungen Trostberg, Tacherting und Matzing

Die Trostberger Ortsumfahrung im Zuge der B299 auf Höhe von Mögling müsse, so der Leitende Baudirekter, noch fertig geplant werden. Sorgen mache ihm der Einschnitt in die Möglinger Hangleite und die damit verbundenen Eingriffe in die Natur. Daher sei eine Aufteilung der großen Maßnahme in zwei für sich verkehrswirksame Teilabschnitte eine diskussionswürdige Option, bevor man in das Planfeststellungsverfahren übergehe. Eine zeitnahe Realisierung der Umfahrung sei insbesondere für die Bevölkerung wünschenswert.

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Der leitende Baudirektor Christian Rehm (rechts) und die verantwortliche Planerin Bernadette Wallner (Zweite von Links) informierten den heimischen Bundestagsabgeordneten Peter Ramsauer (2. v. r.) und seine Wahlkreisleiterin Marlene Weber (links) über den aktuellen Stand in Sachen Verkehrsplanung.

Für die Ortsumfahrung Tacherting (ebenfalls B299) lasse man derzeit die Vorentwurfsunterlagen erarbeiten.

Bei der angestrebten Ortsumgehung Nunhausen-Matzing seien bisher nur Voruntersuchungen durchgeführt worden. Man wolle mit der neuen Trassenführung die höhengleichen Bahnübergänge beseitigen, wie Bernadette Wallner als verantwortliche Planerin im Amt betonte. »Schnell wird es nicht gehen, aber wir wollen es zum Erfolg führen«, gab sich Rehm zuversichtlich.

Deutsche Alpenstraße in schlechtem Zustand

Der Zustand der in den 1930er Jahren erbauten Alpenstraße sei in vielen Teilen erschreckend, wie Rehm ausführte. Viele Bauwerke würden an den Grenzen ihrer Lebensdauer ankommen. Georisiken, Naturschutzgebiete und fehlende Schutzwälder würden die Situation zusätzlich erschweren. Sanierungsarbeiten wären eigentlich unter Vollsperrung möglich, was über Jahre lange Umleitungen zur Folge hätte. Das Bauamt sei daher derzeit dabei, die baulichen, verkehrlichen und naturschutzfachlichen Anforderungen in einem Konzept zusammenzuführen und Lösungen zu entwickeln.

Konkrete Planungen gibt es bereits für den Abschnitt zwischen dem Knotenpunkt B305 / St 2101 »Wegscheid« und Schneizlreuth. Hier soll in den nächsten Jahren unter anderem eine 480 Meter lange Galerie im Bereich Weinkaser errichtet werden. Damit soll der Abschnitt vor Naturgefahren gesichert und die baufälligen Stützmauern erneuert werden. Investitionen im unteren dreistelligen Millionenbereich werden für die Sanierung der Deutschen Alpenstraße in den nächsten zehn Jahren fällig.

B20-Ausbau nördlich von Tittmoning

Für den Ausbau der Bundesstraße 20 nördlich von Tittmoning werden aktuell die Vorentwurfsunterlagen erarbeitet. Das Projekt bringe aber erhebliche Eingriffe in private Grundstücke mit sich, wie Planungsverantwortlicher Martin Bambach erläuterte.

Beim Projekt »Brücke DB Strass« mit Verlegung auf der B304 befinde man sich im Planfeststellungsverfahren.

Ortsumfahrung Obing ein Vorzeigeprojekt

Bei den Arbeiten in Obing befinde man sich bereits weiter als ursprünglich geplant; die Verkehrsfreigabe wird für Mitte des kommenden Jahres erwartet. »Läuft problemlos, eine der angenehmen Maßnahmen«, so das Fazit im Bauamt. Auch Ramsauer freute sich über die Entwicklung: »Das ist ein Vorzeigeprojekt. Bei dem ist man schneller als mit dem Aubergtunnel.« Dort sei man nach aktuellem Stand wohl bis Ende des nächsten Jahres fertig. Nach dem Probebetrieb soll die Strecke im Frühjahr 2021 freigegeben werden.

Beim Bauabschnitt 2 der Ortsumfahrung Altenmarkt soll im ersten Halbjahr 2020 der Antrag auf Planfeststellung gestellt werden. »Die in Bau befindlichen Maßnahmen machen mir am wenigsten Sorgen«, so der Amtsvorstand. Das Bauen sei im Allgemeinen nicht das Problem – vielmehr das Planungsrecht zu schaffen sei oft mit endlosen und kostenintensiven Verzögerungen verbunden, wie er am Beispiel einiger aktueller Projekte aufzeigte. Auch beim Aubergtunnel habe es jahrelange Verzögerungen gegeben. Manche Änderungen lägen in der Natur der Sache, vereinzelt gebe es aber regelrechte Torpedierungen von oft unbedingt notwendigen Kleinprojekten. »Das ist die Entwicklung in unserer Gesellschaft.«

red/fb