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Das große Aufräumen nach der großen Flut

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Von der Gescheuerwand sah man das Hochwasser, wie es sich Richtung Raiten, Unterwössen und Marquartstein erstreckte. (Foto: Zaiser)

»Insgesamt hat sich die Lage deutlich entspannt«, meldete das Landratsamt Traunstein gestern Vormittag. Auch der Deutsche Wetterdienst habe für den Landkreis Entwarnung gegeben. Allerdings erreichte der Chiemsee in Seebruck die höchstmögliche Meldestufe 4. Den am Vortag ausgerufenen Katastrophenalarm konnte der Landkreis zunächst nicht zurücknehmen. Während das Technische Hilfswerk bereits im Einsatz sei, habe man die Bundeswehr bisher nicht zu Hilfe gerufen, bestätigte Landratsamts-Sprecherin Carina Jaksch gestern auf Anfrage. Die heimischen Hilfskräfte – am Sonntag seien einmal bis zu 2250 Helfer im Einsatz gewesen – hätten ausgereicht.


Noch am Sonntagabend sanken nach Angaben des Landratsamts im südlichen Landkreis Traunstein die Pegelstände kontinuierlich. In Inzell mussten die Veranstalter den zweiten Tag des HiRock-Festivals absagen. Aufgrund der Straßensperrungen konnten die Bands nicht anreisen. Teilweise überflutet wurde am Samstagabend ein Campingplatz in Inzell. Dort mussten Camper auf Notbetten im Aufenthaltsgebäude untergebracht werden.

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Evakuierte Marquartsteiner durften zurück in die Häuser

Bei Marquartstein wurden am Sonntag Öd, Grenzmühle und Freiweidacher Straße evakuiert. Die Hochwasserlage habe sich bis Montagnachmittag beruhigt, berichtete unsere Mitarbeiterin Christiane Giesen. Die Alte Achenbrücke, deren von Baumstämmen beschädigtes Geländer notdürftig geflickt wurde, sei wieder freigegeben, ebenso die Bundesstraße nach Unterwössen. Die alte Staatsstraße Richtung Raiten in Schleching sei allerdings nach wie vor gesperrt. Die evakuierten Bewohner aus Öd und Freiweidach durften in ihre Häuser zurück.

Aus vielen Häusern nahe der Tiroler Achen wurde gestern Nachmittag Wasser aus Kellern gepumpt. Besonders schlimm hat es zum Beispiel das alte Kupferschmid-Haus der Bäckerei Menter an der Alten Dorfstraße erwischt und das danebenliegende alte Sattler-Haus an der Freiweidacher Straße. »Wir sind am Ende«, erzählt eine Bewohnerin, die zwei Nächte lang und tagsüber fast ohne Unterbrechung mit Eimern Wasser aus ihrem Keller und dem von Nachbarn geschöpft hat. Wie Geschäftsleiter Florian Stephan bekannt gab, wird die Gemeinde ab dem heutigen Dienstagnachmittag Container für Sperrmüll am Wertstoffhof aufstellen.

Achen-Damm brach nördlich von Almau

Evakuiert wurden am Sonntag auch die 50 Bewohner des Asylbewerberheims in Grassau. Ein Teil des Achendamms auf der Ostseite der Tiroler Achen zwischen Grassau und Übersee brach am Sonntag gegen 10 Uhr nördlich von Almau. Das führte nach Angaben unseres Mitarbeiters Olaf Gruß aus Grassau zur Entlastung des westlichen Damms und damit von Übersee.

Gestern waren die Feuerwehren im Achental mit der Trennung von Öl-Wasser-Gemischen beschäftigt, die durch Kellerüberflutungen entstanden sind. »Das Schlimmste ist überstanden, der Damm der Tiroler Achen hat gehalten. Das Wasser stand bis kurz vor der Dammkrone, es war knapp«, sagte Schlechings Bürgermeister Josef Loferer im Gespräch mit Mitarbeiterin Barbara Reichenbach. Schleching war am Sonntag von der Außenwelt abgeschnitten und habe mit Hilfe der örtlichen Feuerwehr und Bergwacht alles selbst geregelt. Felder und Wiesen standen in Ettenhausen mehr als einen Meter unter Wasser. Deshalb mussten Pferde in höher gelegene Stallungen gebracht werden.

Die Hängebrücke am Klobenstein ist stark beschädigt, besonders die Seilverspannungen, das Geländer und die Bretter des Übergangs sind teilweise weggerissen. Die Bundesstraße 305 bei Raiten, von der nur noch die Kreuzung Raiten-Nord aus dem Wasser schaute, ist gereinigt. Die Zufahrt nach Unterwössen ist offen, die Strecke über Donau nach Marquartstein war zunächst noch gesperrt.

In Raiten mussten Familien evakuiert werden und fanden bei Nachbarn Unterkunft. Den Dorfplatz am Raitener Bach mit der Hammerschmiede, der bis über einen Meter unter Wasser stand, hat die Dorfgemeinschaft bereits wieder aufgeräumt. Der Raitener Bach drang bis ins Erdgeschoß der Häuser und verursachte dort unheimliches Knarzen.

Nur noch Kleinigkeiten erinnerten dagegen nach Angaben von Mitarbeiter Ludwig Flug gestern Mittag in Unterwössen an die Überflutungen. Rund 50 Einsätze hatten die Feuerwehren Unter- und Oberwössen, um Keller leer zu pumpen. Beide Wehren halfen im deutlich schwerer betroffenen Marquartstein.

Campingplätze an den Seen wurden überflutet

In Seebruck hatte die Feuerwehr am Sonntag alle Hände voll zu tun, das Seehotel Wassermann zu retten. Die Zufahrt zum Segelhafen war nicht mehr möglich. Der Minigolfplatz stand vorübergehend unter Wasser. In Chieming erwischte das Wasser die Campingplätze »Möwenplatz« und »Sport-Ecke«. Einige Dauercamper konnten ihr Hab und Gut nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen. Am Waginger See war der Campingplatz in Tettenhausen in der ersten Reihe überflutet, das Gebäude der Gaststätte war nur über einen provisorischen Steg zu erreichen. Auch der Campingplatz Schwanensee stand unter Wasser.

Bei Fridolfing und Tittmoning stiegen die Pegel zunächst weiter. Der Salzachdamm im Bereich der Schrebergärten in Tittmoning war auf rund 100 Meter überflutet. Die Deichverteidigung wurde aufgegeben und der Ortsteil Ettenau evakuiert.

In Fridolfing-Pietling machte die Götzinger Ache Probleme. Ein einzeln stehendes Anwesen wurde von der Umwelt abgeschnitten. Die Götzinger Ache drohte die Ortsteile von Kelchham bis Seebach zu überfluten. Die Götzinger Ache drohte auch den Ort Fridolfing sowie einige Ortsteile zu überfluten. Bis zum Vormittag entspannte sich die Lage hier dann völlig, wie das Landratsamt meldete. Auch in Tittmoning fiel der Pegelstand. Erste Aufräumarbeiten seien im Gang. Entgegen anderslautenden Meldungen habe es dort keinen Deichbruch gegeben, sondern es wurde die Krone überspült.

Entwarnung gab der örtliche Einsatzleiter Heinrich Walhutter aus Freilassing: Die Lage habe sich über Nacht soweit entspannt, dass die Bewohner in ihre Häuser zurück können.

Die Chiemsee-Schiffe bleiben in den Häfen

Das Hochwasser sorgt auch am Chiemsee für Stillstand. Weil die Anlegestellen überflutet sind, ist die Chiemsee-Schifffahrt eingestellt. Schon am gestrigen Montag ging nichts mehr, und auch am heutigen Dienstag laufen die Chiemsee-Schiffe nicht aus. Die Chiemsee-Bahn zwischen Prien und dem Hafen in Stock fährt ebenfalls nicht. Es gibt Schienenersatzverkehr.