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Das Abenteuer eines Grenzgängers

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Atemberaubende Ausblicke bekam Wolfgang Lankes auf seinem Flug über Grönland geboten.
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Wolfgang Lankes in Grönland neben einem kleinen Eisberg.

Teisendorf – »Das ist schon verrückt, was wir gemacht haben«: Der Teisendorfer Wolfgang Lankes ist zusammen mit einem Flugkameraden aus Nürnberg mit dem Ultraleichtflugzeug nach Grönland und wieder zurück geflogen. Mit ihren beiden Maschinen absolvierten sie 62 Flugstunden in 25 Etappen und legten 11 300 Kilometer zurück. Der Lohn: eine unvergessliche Reise. Deshalb ist es mittlerweile fast nebensächlich, dass sie ihr eigentliches Ziel, die USA, nicht erreicht haben.


Schon als Bub erlag Wolfgang Lankes der Faszination Fliegen. Es fing mit Papierfliegern an, ging dann mit Modellflugzeugen weiter. Vom Drachenfliegen stieg der Teisendorfer letztlich auf Ultraleichtflugzeuge um. Vor drei Jahren erfüllte sich der heute 52-Jährige den Traum von der eigenen Maschine. Sein Flieger mit der Kennung D-MLWO hat eine Spannweite von neun Metern und fliegt bis zu 200 km/h schnell.

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»Ich habe das Flugzeug gebraucht gekauft«, erzählt Wolfgang Lankes. Seither schraubte der Maschinenbaumeister viel an seinem Flieger herum, »um die 500 Stunden«. Aber sein Flugzeug stand beileibe nicht nur in der Werkstatt. »Ich war damit schon in ganz Europa unterwegs, in Sizilien, in Schottland...«, sagt der Teisendorfer. Immer wieder habe er dabei »sehnsüchtig über den Teich geschaut«.

Einmal über den Atlantik, bis in die USA oder nach Kanada, zu fliegen, das sei schon lange eine große Sehnsucht von ihm gewesen. Vor rund einem Jahr nahm er es dann in Angriff, alles vorzubereiten. Die Route planen, Versicherungen abschließen, Einflugerlaubnisse einholen – das alles erforderte viel Organisationsarbeit. Der Plan: Vom Hangar in Grabenstätt aus sollte es über Frankreich, England, Island und Grönland in die USA gehen. Da wollte Wolfgang Lankes zuerst seine Schwester besuchen; sie lebt mit ihrer Familie in Bartlesville (Oklahoma). Von dort sollte es zum berühmten Fliegertreffen in Oshkosh (Wisconsin) gehen.

Doch dann kam es anders: In Sisimiut, der zweitgrößten Stadt Grönlands, ging es nach fünf Reisetagen zunächst nicht mehr weiter. An den beiden Ultraleichtflugzeugen traten kleinere technische Probleme auf; die Piloten entschieden sich – auch wegen der sehr widersprüchlichen Wetterprognosen – umzukehren. Ihr Abenteuer war damit aber noch lange nicht zu Ende: Weil das Wetter nicht mehr mitspielte, vergingen noch ein mal gut drei Wochen, bis Wolfgang Lankes daheim am Flugplatz in Grabenstätt landen konnte. Das war Anfang August.

Ein Flug über den großen Teich ist eine große fliegerische Herausforderung, wie der Teisendorfer erklärt: »Es sind lange Distanzen zu bewältigen, und dann ist der Atlantik eine unglaubliche Wetterküche.« Eine spezielle Ausrüstung ist unabdingbar: Wolfgang Lankes saß im Überlebensanzug in seinem Ultraleichtflugzeug, hatte ein zweites Funkgerät, ein Satellitentelefon und ein Dingi – ein kleines Boot – an Bord. Unverzichtbar war auch ein künstlicher Horizont; er ersetzt den natürlichen Horizont, wenn dieser nicht mehr sichtbar ist.

Vor allem beim Überfliegen der Eiskappe – dem »Highlight der Reise« – wäre der 52-Jährige ohne präzise Instrumente verloren gewesen. In 3500 Metern Höhe, bei zehn Grad Minus sei alles gleißend hell gewesen. »Da kannst du die Höhe nicht mehr einschätzen«, erinnert sich der Teisendorfer. »Da meinst du, du bist am Mond.«

Enorme mentale Belastung

Die nötige Technik ist das eine. Das andere ist die enorme mentale Belastung, mit der Wolfgang Lankes klarkommen musste. »Als Laie meint man: 'Der sitzt da eh nur drin.' Tatsächlich hat man ständig allerhand zu tun.« Von der Abgabe der Positionsmeldung bis zur Kontrolle des Benzinverbrauchs – ständig sei etwas zu erledigen. »Man muss permanent hoch konzentriert sein.«

Auch für Wolfgang Lankes Familie, den Sohn, die Eltern und die Lebenspartnerin, war seine Flugreise »nicht einfach«, wie der Pilot sagt. Nach jeder Etappe habe er sich darum zu Hause gemeldet, damit sie sich nicht allzu große Sorgen machen.

Als er in Grönland umdrehen habe müssen, sei das anfangs nicht leicht für ihn gewesen, gesteht Wolfgang Lankes. Inzwischen kann er ohne Bitterkeit zurückblicken »auf eine super schöne Erfahrung«. Gern erinnert er sich auch an seine letzten Flugkilometer und die Ankunft am Flugplatz in Grabenstätt. »Als ich über den Chiemsee geflogen bin, ist mir's Herz übergegangen«, erinnert sich der 52-Jährige. Und an seiner »Homebase« warteten ein Dutzend Leute mit einem Weißwurstfrühstück auf ihn. »Ich musste noch im Flugzeug das erste Bier trinken«, erinnert sich der Teisendorfer schmunzeln, »selbstverständlich ein Schönramer.« Die dortige Brauerei unterstützte sein Vorhaben als Sponsor.

Auf die Frage, ob er es noch einmal versuchen will, mit dem Ultraleichtflugzeug bis in die USA zu kommen, antwortet Wolfgang Lankes zögernd. Ein Freund habe zu ihm nach der Landung in Grabenstätt gesagt: »Woife, du bist ein Grenzgänger.« Und er selbst räumt ein, dass seine Reise zum Teil fliegerisch auch grenzwertig gewesen sei. Doch vielleicht ist es gerade das, was ihn reizt. »Wenn Gras über die Sache gewachsen ist, könnte es durchaus sein, dass ich noch einmal aufbreche«, lautet darum seine abschließende Antwort. san

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