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Betrug nach tödlichem Flugunfall

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Wegen Betrugs und Urkundenfälschung wurde ein 54-Jähriger zu einer siebenmonatigen Freiheitsstrafe mit Bewährung verurteilt.

Traunstein – Den 54 Jahre alten Inhaber einer Flugzeugcharterfirma im Landkreis Traunstein verurteilte das Amtsgericht Traunstein mit Richterin Sandra Sauer am Dienstag wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu einer siebenmonatigen Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Als Auflage muss der Berufspilot 4000 Euro an die Bergwacht Ramsau zahlen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte nach einem tödlichen Flugunfall in Österreich den mit dem später Verunglückten abgeschlossenen Chartervertrag für ein Ultraleichtflugzeug nachträglich verändert hatte. Der Grund: Er wollte Schadensersatz von den Erben des Getöteten kassieren.


Ein 47-jähriger Pilot aus einer Chiemsee-Gemeinde hatte das Ultraleichtflugzeug vom Typ Pioneer 200 gechartert. Er unternahm am 5. Mai 2011 zusammen mit einer 60-jährigen Frau einen Trip nach Österreich. Der Flug endete kurz vor 11 Uhr im Salzburger Pinzgau. Das kleine Flugzeug verlor offensichtlich zwischen Hochfilzen und Leogang stark an Höhe, streifte mehrere Baumwipfel und die Oberleitung einer Bahnlinie. Die Pioneer 200 geriet in Brand und stürzte ab. Beide Insassen kamen dabei ums Leben.

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Angeklagter wollte 30 000 Euro von den Erben

Der Inhaber des Charterservices erhob Ende 2012 Klage zum Landgericht Traunstein und forderte von den Erben des verstorbenen Piloten Schadensersatz in Höhe von 30 000 Euro mit der Begründung, der Absturz sei auf einen Pilotenfehler zurückzuführen. Die Erben müssten für den Schaden aufkommen, weil das Flugzeug nicht Vollkasko versichert gewesen sei und dies der 47-Jährige gewusst habe. Als Beweis legte der 54-Jährige die Kopie einer Ergänzung zu den Charterbedingungen vor. Darin hieß es, dieses spezielle Flugzeug sei ab März 2009 nicht mehr Vollkasko versichert. Dass er diese Ergänzung kannte, hatte der 47-Jährige angeblich am 26. Februar 2009 schriftlich bestätigt. Das Landgericht lehnte in dem Zivilprozess einen Schadensersatz ab. Auf einen Hinweis des Oberlandesgerichts München hin, das sich auf die präsentierte Bestätigung berief, zahlten die Erbinnen jedoch per Vergleich 13 000 Euro an den 54-Jährigen.

Genau um diese Urkunde drehte sich der jetzige Strafprozess vor dem Amtsgericht. Richterin Sandra Sauer hörte mehr als ein Dutzend Zeugen an, darunter frühere Flugschüler des 54-Jährigen und Charterkunden. Sie gingen durchwegs davon aus, im Schadensfall versichert zu sein mit einer gewissen Selbstbeteiligung. Einer der Zeugen hatte sogar 2008 einen Unfall, für den die Versicherung einsprang. Dass ein Fluggerät nicht oder nicht mehr versichert war – das hätte man ihnen ausdrücklich sagen müssen, antworteten sie auf Fragen des Gerichts. Ohne Versicherung hätten sie das besagte Flugzeug wohl nicht gechartert, hieß es fast ausnahmslos.

Verteidiger beantragte Freispruch

Der Angeklagte beteuerte in dem Verfahren, er habe die ihm zur Last gelegten Taten nicht begangen. Der 47-Jährige sei informiert gewesen. Das nahm Staatsanwalt Dr. Christian Liegl dem 54-Jährigen nicht ab. Eine Freiheitsstrafe von neun Monaten mit Bewährung sei der Schuld angemessen. Der Verteidiger, Gerhard Weh aus Freising, beantragte im Schlussantrag Freispruch für seinen Mandanten.

Im Urteil hob Richterin Sandra Sauer heraus, der Angeklagte müsse für seine Flugzeuge keine Vollkasko-Versicherungen abschließen. Wenn er sie aber im Chartervertrag anbiete, müssten sie vorhanden sein. Im vorliegenden Fall mit dem tödlich verunglückten Piloten habe der Vertrag die Versicherung enthalten. Somit müsse der Angeklagte auch für den Schaden haften. Der 54-Jährige habe sich der Urkundenfälschung und des Betrugs schuldig gemacht.

Ursprünglich saß ein zweiter Mann mit auf der Anklagebank (wir berichteten). Er soll in dem Zivilprozess vor dem Landgericht falsch ausgesagt haben. Das Gericht hatte das Verfahren gegen den 35-jährigen Flugschüler jedoch am ersten Tag abgetrennt. Der Grund: Der Angeklagte konnte dem Prozess offensichtlich nicht folgen. Frau Sauer hielt einen Verteidiger für unbedingt erforderlich. Ein neuer Verhandlungstermin steht noch nicht fest. kd

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