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Bei der Haidforst-Genossenschaft rumort es weiter

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Auch die Stadt Traunstein trägt Mit-Verantwortung für die Wohnbau-Genossenschaft Haidforst. (Screenshot Google Maps)

Traunstein – Die Gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft Haidforst kommt nicht zu Ruhe: Zum Jahresende dringen immer mehr Details über fragwürdige Dinge an die Öffentlichkeit. Von Seiten der Staatsanwaltschaft gibt es allerdings nichts Neues. »Es ist richtig, dass eine anonyme Anzeigen eingegangen ist. Die Ermittlungen laufen, mehr ist derzeit nicht dazu zu sagen«, teilte Björn Pfeifer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Traunstein, mit. Ob der Verdacht der Korruption, Veruntreuung oder Vorteilsnahme vorliegt, wollte Pfeifer nicht sagen.


Einigen Genossenschafts-Mitgliedern stößt sauer auf, dass sich seit der jüngsten Mitgliederversammlung am 10. November offenbar nichts geändert hat. Wie der Vorstand damals versprach, werde man sich um die vielen Leerstandswohnungen intensiv kümmern. Man werde dazu einen Geschäftsführer einstellen und zusätzlich zum 1. Dezember auch einen Bautechniker, der das Problem mit den leer stehenden Wohnungen intensiv angehen werde.

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Abriss und Neubau geplant?

Doch es gibt derzeit keinen Geschäftsführer und keinen Bautechniker, dafür soll es aber ein städtebauliches Konzept geben – erstellt von einem Planungsbüro. Dieses soll vorsehen, dass mehrere Häuser in Haidforst abgerissen werden, um anschließend dort neu zu bauen. Viele befürchten, dass bei Neubau das finanziell schwächere Klientel, für das die Wohnbau GmbH laut Satzung zuständig ist, nicht mehr bedient werden kann, denn die Quadratmeterpreise könnten um fast das Doppelte steigen.

Der erste Schritt zur Verwirklichung des Plans soll nach Ansicht von Kritikern die Schließung des Haidforst-Bauhofs mit Personalentlassung zum 31. März dieses Jahres gewesen sein. Das Grundstück des Bauhofs ist für Neubau fest eingeplant – allein hier sollen 21 Wohnungen und 13 Garagen entstehen. Die Pläne liegen im Traunsteiner Rathaus, gelten aber noch als geheim. Doch sie wurden Journalisten zugespielt.

Auf eine Anfrage bei der Stadt, wie die Pläne von Haidforst aussehen, hier müsste die Stadt ja involviert sein, teilte Oberbürgermeister Christian Kegel mit: »Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an die Wohnbau-Genossenschaft. Sicherlich informiert sie zu gegebener Zeit über ihre Planungen (spätestens wenn Baugenehmigungen notwendig werden) und die Stadt weiß um die Bedeutung einer solchen Genossenschaft und um die Bedeutung bezahlbaren Wohnraums«. Dennoch sei die Stadt zunächst »auch nicht mehr als ein Genosse und die Genossenschaft ist eigenständig. Sie gehört den Genossinnen und Genossen, und nicht der Stadt.«

Dass die Pläne im Rathaus liegen, deutet nach Ansicht von Kritikern allerdings doch auf eine enge Verbindung von Kommune und Genossenschaft hin. Eine sechsstellige Summe sollen die Pläne gekostet haben, bei einem Haidforst-Anlagevermögen von über elf Millionen Euro allein an Grundstücken und Wohnbauten ein eher kleiner Posten. Mehrere Wohnbau-Konferenzen sollen auch schon stattgefunden haben.

Ehemaliger Mitarbeiter wurde beobachtet

Viele Mitglieder monieren die Verschwendung von Geldern bei Haidforst. So fällt vor allem ein Posten von mehreren tausend Euro auf, der an ein Detektivbüro in München überwiesen worden sein soll. Dieses hatte die Aufgabe, einen »Maulwurf« innerhalb der Firma aufzuspüren. Der Vorstandsvorsitzende bestätigte laut Zeugenaussagen den Vorgang bereits bei einer Infoveranstaltung am 7. Juli im Gasthaus Haidforst vor rund 70 Mitgliedern. Damals sei von 17 000 Euro gesprochen worden, was der Vorstandsvorsitzende laut übereinstimmenden Angaben von Versammlungsteilnehmern jedoch nicht bestätigt habe. Auf unsere Anfrage, ob tatsächlich ein ehemaliger Mitarbeiter ausspioniert wurde und ob die behaupteten 17 000 Euro stimmen, teilte der Vorstandsvorsitzende gestern in einer schriftlichen Stellungnahme mit: »Im Rahmen der Sachverhaltsaufklärung für eine arbeitsgerichtliche Auseinandersetzung erfolgte auf anwaltlichen Rat die Beauftragung einer Detektei. Das von Ihnen behauptete Entgelt wurde nicht vereinbart oder bezahlt. Weitere Auskünfte kann die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Haidforst eG mit Rücksicht auf den Datenschutz hierzu nicht erteilen.«

Für Empörung hat auch eine 28-seitige Studie des Verbandes bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW) vom November 2016 gesorgt, die von Haidforst in Auftrag gegeben wurde. Sie sollte die Wirtschaftlichkeit des Bauhofs untersuchen. Zu dieser Zeit waren am Bauhof vier Mitarbeiter beschäftigt, die Hausmeistertätigkeiten und Instandhaltungsaufgaben für 465 Wohnungen, 196 Garagen und Tiefgaragenstellplätze und 181 Kfz-Stellplätze übernahmen.

Ergebnis: Sobald Handwerker von Fremdfirmen dieselbe Arbeit innerhalb der Zeit von etwa 60 Prozent der Zeit der Bauhof-Mitarbeiter ausführen, könnte Haidforst bei der Fremdvergabe von Handwerkerleistungen insgesamt Kosteneinsparungen realisieren.

»Alles Schwachsinn, hier wurde mit Taschenspielertricks gearbeitet, die Zahlen wurden beschönigt«, sagte ein Gutachter gegenüber der Redaktion. Bei der Berechnung des Stundenlohnes für die Bauhofmitarbeiter seien Materialkosten mit eingerechnet worden, was deren Stundensatz natürlich nach oben schiebe. Seiner Beurteilung nach sei der Bauhof rentabler als Fremdvergabe. Genossen monierten heuer wiederholt den fehlenden Service. »Die ständigen Firmenwechsel haben bei uns für Verwirrung und Unzufriedenheit gesorgt«, sagte ein Mieter.

Vorwurf der Bevorzugung zurückgewiesen

Beschwerden über Haidforst-Verantwortliche kommen aber auch aus der Stephanstraße. Angeblich sei gegenüber Mietern erklärt worden, eine Renovierung der Haidforst-Häuser sei hier unrentabel, es lohne sich nicht, Geld in die Hand zu nehmen. Doch zwei der vier dortigen Genossenschafts-Häuser wurden saniert, in einem davon wohnt der Vorstandsvorsitzende. Dass hier ein Zusammenhang besteht, diesen Vorwurf weist der Vorstandsvorsitzende in seiner schriftlichen Stellungnahme zurück: »In der Stephanstrasse gehören die Häuser Nr. 15 bis 29 der Genossenschaft. Jedes der vier Häuser verfügt über 2 Eingänge (Hausnummern). Die Häuser wurden im Jahre 1967 bzw. 1969 errichtet.« Weiter teilte der Vorstandsvorsitzende mit, dass bis zum Auslaufen der Bindungsfrist es sich um sogenannte Postdarlehenswohnungen handelte. Dies bedeute auch, dass jede Renovierung/Sanierung von der Post geprüft und genehmigt werden musste.

Die Entscheidung im Jahr 2009 zur Sanierung der 40 Jahre alten Heizzentrale (inkl. Wärmedämmung) der beiden Anwesen mit den Hausnummern 15 bis 21 (16 Wohnungen) »erfolgte nach technischer Begutachtung durch eine Drittfirma, die ergab, dass diese Häuser den höchsten Energieverbrauch der Genossenschaft haben. Die Sanierung wurde von der Post wegen des daraus resultierenden Einsparpotenzials ausdrücklich befürwortet und dann umgesetzt. Die Kosten dieser Maßnahme betrugen ca. 600 000 j.« Der Vorwurf einer Bevorzugung sei »objektiv unhaltbar«.

Weiter teilte der Vorstandsvorsitzende mit, eine Sanierung der Heizung der Häuser Nr. 23 bis 29 stand bisher nicht an, »weil in diesen Objekten eine funktionierende und (noch) wirtschaftliche Heizung vorhanden sei (Warmluftöfen mit zentraler Ölversorgung)«. Die meisten Wohnungen der Haidforst-Häuser an der Stephanstraße seien unsaniert, »auch die Wohnung des Vorstandsvorsitzenden«. Sie würden seit Ablauf der Bindungsfrist jeweils beim Mieterwechsel umfassend saniert. kk/m

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