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Am Digitalfunk Tetra scheiden sich die Geister

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Pro und Contra Tetra-Funk: Auf dem Podium diskutierten Gerhard Schusser (von rechts) vom Polizeipräsidium Süd, Roland Jungnickel als Vorsitzender des Bezirksverbands Oberbayern der Piratenpartei, Moderator Christoph Schmid, Kerstin Landau von der Bürgerinitiative »Tetrafunkfreies Seeon Pittenhart« und Tetra-Kritiker Reinhard Lohmann. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein. Für die Bayerische Staatsregierung steht die Einführung der neuen Digitalfunktechnik für Sicherheit und schnelle Hilfe für die Bürger des Landes. Knapp eine halbe Million Helfer von Feuerwehr, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, THW, Zoll sowie die Polizei soll mit dem Digitalfunk kommunizieren. Gegner warnen vor den Gesundheitsgefahren der neuen Technik und ausufernden Kosten.


Über drei Stunden diskutierte im Sailer-Keller ein fünfköpfiges Podium über das Thema Digitalfunk. Auf Einladung der Piratenpartei waren rund 50 Interessierte gekommen, um sich zu der in vielen Gemeinden und Städten in der Region schwelenden Thematik zu informieren und mit den Experten zu diskutieren.

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Gerhard Schusser, Einführungsverantwortlicher für den Digitalfunk in der Region beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd machte deutlich, dass der Zug für einen Stopp der Einführung von Tetra (terrestrial trunked radio), dem Standard für den Digitalen Bündelfunk abgefahren sei: »Beim Aufbau ist es nicht eine Frage ob, sondern eine Frage, wann er da ist.« Er betonte, dass es mit dem derzeit noch in Benutzung stehenden analogen Funk enorme Probleme und des öfteren Sicherheitsrisiken beispielsweise für Polizisten gäbe.

»Der Tetrafunk ist gefährlich«

Kerstin Landau von der Bürgerinitiative »Tetrafunkfreies Seeon Pittenhart« sagte, dass es in Bayern viele Gemeinden gäbe, die sich gegen die Einführung des BOS-Netzes (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) stemmen. Sie kritisierte massiv die festgesetzten Grenzwerte, Studien würden durch Lobbyisten finanziert und würden entsprechend positiv ausfallen.

Sie machte deutlich, dass es für die Nutzung der Funknetze keine langfristigen Betrachtungen der möglichen Gesundheitsgefahren gäbe. Für sie sei der Tetrafunk gefährlich, die Aufrüstung des bestehenden Analogfunks die bessere Alternative.

Roland Jungnickel, Vorsitzender des Bezirksverbands Oberbayern der Piraten machte trotz seiner Kritik und Vorbehalte deutlich, dass er den Digitalfunk als alternativlos ansehe. Der Funkausbilder beim THW München betonte: »Es dauert schon viel zu lange, wir brauchen den Digitalfunk schon seit Jahren.« Er kritisierte massiv das behördliche Vorgehen, nachdem man die Bürger in den Entscheidungs- beziehungsweise Umsetzungsprozess des BOS-Netzes nicht eingebunden habe. Der – nach eigener Aussage – neben Behördenvertreter Schusser einzige Befürworter des BOS-Netzes auf dem Podium machte deutlich, dass viele gerade durch Studien über Grenzwerte im Internet verunsichert würden.

Technikspezialist und Tetra-Kritiker, Reinhard Lohmann aus Miesbach sagte aus, dass ihn die Technik beziehungsweise die künftigen Geräte nicht überzeugen. Man brauche keine inzwischen veraltete Technik. »Wir schaffen ein reines Sprechfunkgerät für ein Heiden Geld an.«

»Verzögerungen gefährden Menschenleben«

Nach einem zögerlichen Beginn diskutierten die Anwesenden mit den Podiumsteilnehmern. Kritisch äußerte sich ein Teilnehmer über die Art und Weise und den Inhalt der Veranstaltung. Man brauche den Digitalfunk ohnehin in jedem Fall. Piraten-Beisitzer und Moderator des Abends, Christoph Schmid, wies die Kritik zu der Veranstaltung zurück; die Diskussion zu dem Thema mache Sinn. Martin Schön aus Berchtesgaden fragte, warum man den BOS-Funk nicht als »offenes System« konzipiert habe.

Walter Ponath, Kreisvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei forderte »dringend die Einführung des digitalen Funks«. Es sei »allerhöchste Zeit« betonte er und fügte hinzu: »Verzögerungen gefährden Menschenleben.« Christiane von Festenberg von der Bürgerinitiative »Funkbewusstsein im Inntal« prangerte das Milliardengeschäft der Industrie mit der bundesweiten Ausrüstung mit digitalen Geräten an und betonte ihre kritische Haltung zur Handynutzung. Den anwesenden Piratenmitgliedern rief sie zu: »Fordert ein Moratorium.« Herbert Fial, Grünen-Stadtrat in Laufen wies auf örtliche Probleme in der Standortsuche für Funkmasten hin, die seiner Meinung nach zu Nahe an Kinder- beziehungsweise Jugendeinrichtungen geplant seien. awi