weather-image
15°

Neuer Rettungshubschrauber „Christoph 14“ mit modernster Technik in Dienst genommen

4.8
4.8
Bildtext einblenden
Mit der symbolischen Übergabe des Steuerknüppels an den Bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (links) legte Bundesinnenminister Horst Seehofer die Verantwortung für den neuen Traunsteiner Rettungshubschrauber in die Hände des Freistaats Bayern. (Fotos: Buthke)
Bildtext einblenden
Ein neuer Rettungshubschrauber mit Seilwinde wurde am Luftrettungszentrum „Christoph 14“ übergeben.

Traunstein – Neuer Zivilschutzrettungshubschrauber "Christoph 14" ist bei Festakt in den Dienst gestellt worden. Bundesinnenminister Horst Seehofer übergab symbolisch den Steuerknüppel an Staatsminister Joachim Herrmann.


Er ersetzt den Rettungshubschrauber EC136 T2i, der seit rund zehn Jahre am Luftrettungszentrum (LRZ) „Christoph 14“ des BRK in Traunstein stationiert war. Die Segnung des neuen Fluggeräts nahmen Dekan Georg Lindl und sein evangelischer Amtsbruder Dekan Peter Bertram vor.

Anzeige

BBK-Präsident Christoph Unger erklärte, die H135 sei eine von zwei Maschinen in Bayern, die das BBK in diesem Jahr zur Verstärkung beschafft habe und damit Teil des Ausstattungspotenzials, das der Bund den Ländern für den Katastrophen- und Zivilschutz zur Verfügung stelle. Der neue Rettungshubschrauber sei leistungsfähiger und flexibler und verfüge statt des Bergetaus am EC135 über eine Seilwinde.

Die Rettungshubschrauber hätten einen besonderen Auftrag für besondere Lagen. Im Zivilschutz gelte es, neben dem Transport von Verletzten Schadensstellen zu erkunden und zu überwachen, Bevölkerungsbewegungen zu beobachten oder zu lenken sowie radioaktive Strahlung zu messen. Für die beiden neuen Rettungshubschrauber in Traunstein und Kempten habe der Bund rund 15 Millionen Euro ausgegeben.

Mit der Indienststellung des neuen, leistungsstarken Rettungshubschraubers schreibe man die Erfolgsgeschichte der Luftrettung fort, stellte Bundesinnenminister Seehofer fest. Seine Anerkennung galten unter anderem dem BRK als Betreiber des LRZ Traunstein, dem Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Traunstein und der Bundespolizeifliegerstaffel Oberschleißheim. Für deren Piloten sei der Einsatz im Rettungsdienst ein wichtiger Gewinn für deren fliegerische Kompetenz.

Der Bund werde sich auch weiterhin das komplexe System der Luftrettung leisten und gemeinsam mit dem Freistaat Bayern weiterentwickeln, versprach Seehofer. Der Staat könne Unfälle und Katastrophen nicht vermeiden, wohl aber das Menschenmögliche an Hilfe leisten. In den vergangenen 42 Jahren habe „Christoph 14“ über 50.000 Einsätze geflogen. Hinter diesen beeindruckenden Zahlen stünden Menschen, die die Arbeit leisteten. Sie seien die Gewähr dafür, dass dieses in der Welt einzigartige System der Primärrettung so erfolgreich sei.

Bildtext einblenden
Mit der symbolischen Übergabe des Steuerknüppels wurde der neue Rettungshubschrauber H135 im Hangar des Klinikums Traunstein in den Dienst gestellt. Unser Foto zeigt von links BRK-Präsident Theo Zellner, Landrat Siegfried Walch, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, BBK-Präsident Christoph Unger, Bundesinnenminister Horst Seehofer und den Leiter der Bundespolizei Fliegergruppe, Vizepräsident Thomas Helbig.

Der Bayerische Innenminister Herrmann wies darauf hin, dass in Traunstein schon sehr früh Luftrettungsgeschichte geschrieben worden sei. Zwar sei in Traunstein nicht der erste Rettungshubschrauber stationiert gewesen, aber es habe hier den ersten Hangar mit Landeplatz auf einem Dach gegeben. Mit dem H135, einem bayerischen Produkt aus Donauwörth, schlage man nun ein neues Kapitel auf. Man sei auf einem guten Weg bei dem, was in der Luftrettung geleistet werde, meinte er mit Blick auf die neue Rettungswinde mit Trage. Die Zusammenarbeit zwischen Bundespolizei und Bergwacht werde im Zentrum für Sicherheit und Ausbildung, Sicherheitsunterweisung und Simulatortraining Luftrettung für Ergänzende Besatzungsmitglieder der Bergwacht in Bad Tölz geübt. In diesem Zusammenhang betonte Herrmann die gute Gemeinschaftsleistung und das hervorragende Zusammenwirken aller Beteiligten.

Der Verbandsvorsitzende des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung, Landrat Siegfried Walch, sagte, die Luftrettung sei ein fester Bestandteil des Rettungsdienstes in Bayern. Walch wies auf die besondere Bedeutung und Herausforderung des neuen Rettungshubschraubers bei den zunehmenden hochalpinen Einsätzen hin. Dazu brauche man die technischen Voraussetzungen. Dies sei in anderen Teilen der Welt nicht selbstverständlich. Wichtig für den Rettungsdienst sei, dass die Einsatzkräfte bestens ausgerüstet seien. Ebenso freute sich Walch, dass für den Rettungshubschrauber auch ein hochmoderner Inkubator gespendet worden sei, der für die ganz kleinen Patienten eine wichtige Einrichtung sei.

Bildtext einblenden
Dekan Georg Lindl (rechts) und sein evangelischer Amtsbruder Dekan Peter Bertram nahmen die Segnung des neuen Rettungshubschraubers vor.

Der Landrat erzählte auch von schwarzen Tagen in der Traunsteiner Luftrettung. Er erinnerte an den 23. März 1983, als „Christoph 14“ bei Schneesturm in der Nähe von Teisendorf abstürzte und alle drei Besatzungsmitglieder starben. Dies mache immer wieder bewusst, dass haupt- und ehrenamtliche Einsatzkräfte ein großes Risiko eingingen, so Walch. Im entscheidenden Augenblick gehe es oft um Minuten oder Sekunden. Deshalb sei es wichtig, dass man am Ort verlässliche Partner habe wie das BRK, die Bergwacht, die Wasserwacht, die Feuerwehren, die Polizei und die Integrierte Leitstelle. Als Bürger könne man froh sein, dass der persönliche Einsatz und die technische Ausstattung vorhanden seien.

Die Indienststellung sei eine Botschaft besonders an die Freizeitgesellschaft, dass Schutz und Hilfe noch effizienter geworden seien, unterstrich BRK-Präsident Theo Zellner. Die Bevölkerung nehme den Rettungshubschrauber in der Luft zwar wahr, drehe sich aber oft weg und sei froh, dass so etwas da sei. Dies sei der Feind der Wertschätzung, meinte er. Deshalb brach Zellner eine Lanze für diejenigen, die im Rettungsdienst an der Front stehen. Die Piloten der Bundespolizei, die Notfallsanitäter des BRK und die Notärzte der Kliniken Südostbayern AG seien froh, dass sie mit dem H135 Effizientes an die Hand bekämen. Sie würden ihren Dienst mit Leidenschaft und Ausbildungswillen versehen und dabei nicht wegschauen. Traunstein biete seit 1976 Zivilschutz auf höchstem Niveau. Rettung aus der Luft komme schnell und kompetent. Alle Einsätze würden im Auftrag des Zweckverbands in einem Radius von 60 Kilometern, auch grenzüberschreitend nach Österreich, geschehen.

Der Zivilschutz und die Katastrophenhilfe sei in Gänze auch auf das Ehrenamt aufgebaut. Deshalb müsse man aufpassen, dass man dem Ehrenamt besonders von Seiten der Politik die gebührende Anerkennung und den notwendigen Raum gebe. Zellner wies dabei auf eine bedenkenswerte Kommerzialisierung im Rettungsdienst hin. Marktmechanismen könnten jedoch nicht die Säule des Rettungsdienstes sein, betonte er. Bjr