Kundgebung auf dem Stadtplatz – »Es gibt auch eine andere Meinung als die der Querdenker«

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Rund 90 Menschen demonstrierten auf dem Stadtplatz. (Foto: Hobmaier)

Traunstein – Der Stadtplatz war am Samstag erneut Austragungsort für eine Kundgebung. Veranstalter waren die Grüne Jugend, die Bewegung »Fridays for Future«, die Friedensinitiative, die Jusos, der DGB und die Kreisverbände der ÖDP und der Linken. Sie wollten – wie Friedrich Bretz aus ihren Reihen im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt erläuterte – zeigen, dass es auch eine andere Meinung als die der »Querdenker« gebe. »Wir sehen die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus als absolut notwendig an.« Die Veranstaltung war ursprünglich als Gegendemo zu einer Kundgebung gedacht, die die »Querdenker« geplant, dann aber abgesagt hatten.


Der Traunreuter Dacian Ianc, der sich selbst als "Wissenschaftler, Pädagoge und Philosoph" bezeichnet, trat als Erster ans Mikrofon. Er erläuterte den Demokratiebegriff aus seiner Sicht und forderte, »dass sich die Wissenschaft nicht auf Grund der Coronasituation deformieren lassen darf«. »Der Redner war in der Vergangenheit bereits bei den Querdenkern aufgetreten und durfte auch bei uns ein Statement abgeben. Das zeigt meiner Meinung nach gut, dass wir tolerant gegenüber anderen Meinungen sind und den Dialog suchen«, so Friedrich Bretz.

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Von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes folgte auf der Bühne Thomas Lang-Nachtnebel. Er schilderte in seiner Rede, was der Naziterror 1945 hier in Traunstein und dem benachbarten Surberg angerichtet hatte, als 60 KZ-Häftlinge über den Stadtplatz getrieben und anschließend nahe Lauter ermordet wurden. »Um es klar zu sagen, es geht nicht um die Gleichsetzung heutiger Pandemieleugner oder 'Querdenker' mit Nazis. Das wäre falsch«, so Thomas Lang-Nachtnebel. Erforderlich sei vielmehr eine klare Trennung von der Kritik an den Coronamaßnahmen und der Verbreitung eines rechten Nährbodens.

Von den Traunsteiner Linken trat Leon Buchwald auf die Bühne. »Haben wir uns bereits an die 'Querdenker' gewöhnt?« Er sieht die Bewegung als omnipräsent. In seiner Ansprache warnte er davor, dass aus verbaler Gewalt schnell auch physische Gewalt werden könne. Er nannte dabei unter anderem den Mord an dem hessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke. »Ich stehe heute hier für Frieden und Freiheit und nicht gegen die 'Querdenker'«, so Leon Buchwald.

»Wir müssen aufpassen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt«, betonte Kreisrätin Manuela Pertl aus Oberwössen. Sie erzählte, dass auch ihr Großvater dem Naziregime zum Opfer gefallen und in einem KZ ermordet worden sei. Dabei habe es auch in der Geschichte immer wieder Widerstandsgruppen wie die Weiße Rose in München oder die Rote Kapelle in Berlin gegen die rechte Gewalt gegeben.

Während der Ansprache waren zwar vereinzelt Zwischenrufe von augenscheinlichen Anhängern der Querdenker-Bewegung am Stadtplatz zu vernehmen. Insgesamt hielten sich die Teilnehmer aber sehr gut an die Auflagen.

Die Traunsteiner Polizei, die von überörtlichen Kräften unterstützt wurde, zeigte sich mit dem Verlauf zufrieden. Dieselbe Bilanz zogen auch die Veranstalter. Gemäß ihren Angaben folgten rund 90 Teilnehmer dem Aufruf zur Kundgebung. »Eine Neuauflage ist erst einmal nicht geplant, weil wir keine unnötigen Infektionsketten auslösen möchten. Sollten wir jedoch wieder den Bedarf sehen, so schließen wir dies allerdings nicht aus«, lautete das abschließende Fazit von Friedrich Bretz. Hob

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