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Italienische Verhältnisse drohen: Bestattungen gestalten sich problematisch

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Traunstein: Bestattungen in Corona-Zeit problematisch – Standesämter müssen geöffnet bleiben
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Foto: Symbolbild, pixabay

Traunstein – »Es drohen italienische Verhältnisse, und zwar nicht, weil wir die Kapazitäten nicht haben, sondern weil Engpässe in der Arbeit von Standesämtern zu befürchten sind«, warnt Thomas Engmann, Geschäftsführer der Feuerbestattung Südostbayern.


In Traunstein wurden bisher vier an den Folgen des Coronavirus' Verstorbene eingeäschert, »von denen wir es wissen«. Dabei sei der Betrieb von den Hygienestandards her vergleichbar mit einer Klinik. Einzige unmittelbare Änderung sei, dass jetzt keine Angehörigen mehr dabei sein dürfen, wenn der Sarg dem Feuer übergeben wird.

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Das Problem sei eher grundsätzlicher Natur: Generell stelle man bayernweit eine Steigerung der Mortalität fest und – besonders seit Inkrafttreten der neuesten Bestimmungen für Beerdigungen vergangene Woche – eine deutliche Steigerung der Nachfrage nach Feuerbestattungen. »Bestattungen im engsten Kreis, das wollen viele Menschen nicht. Aber Leichen kann man nicht unbegrenzt lagern, Urnen schon«, so Engmann.

Üblicherweise stellt der Hausarzt den Tod fest und stellt auch den Totenschein aus. Ist dieser von Polizei und Staatsanwaltschaft freigegeben, gehen die Unterlagen zum Standesamt, das mit Stempel und Nummer den Tod des Verstorbenen bestätigt und registriert. Dann gehen die Unterlagen wieder zum Bestatter und von ihm zum Krematorium. Erst dann darf der Leichnam eingeäschert werden. In der Regel geschehe das binnen 48 Stunden nach dem Tod – wenn alle Unterlagen da sind, inklusive der Willenserklärung des Verstorbenen oder seiner Angehörigen zur Feuerbestattung.

Nun hätten etliche Gemeinden – die Feuerbestattung Südostbayern ist zuständig für 15 Landkreise und äschert im Normalbetrieb rund 180 Leichen pro Woche ein – ihre Rathäuser komplett geschlossen, inklusive der Standesämter.

»In manchen Gemeinden ist das Standesamt nur halbtags besetzt. Wird dann die Standesbeamtin krank, geht da nichts weiter. Da droht eine Katastrophe wie in Italien. Und das, obwohl wir genug Kapazitäten hätten, aber die Behörden mit der Arbeit nicht nachkommen. Das ist systemrelevant«, so Engmann.

In der Stadt Traunstein war »das Standesamt in den letzten Tagen stets vollständig besetzt«, so Pressesprecherin Agnes Giesbrecht. Daher sei es auch zu keinem Verzug gekommen. Seit Ende vergangener Woche wurde nur der persönliche Kontakt mit den Bestattern unterbunden. »Die notwendigen Dokumente werden auf dem Postweg ausgetauscht. Dadurch entstehende Verzögerungen sind minimal und verhindern keinesfalls eine zeitnahe Feuerbestattung.«

Er selbst sei nicht unmittelbar von dem Problem betroffen, aber einige Gemeinden ließen zurzeit gar keine Erdbestattungen mehr zu, sagt Engmann weiter. Und er wisse von Gemeinden in Bayern, »da braucht man dringend eine andere Lösung. Will man italienische Zustände verhindern, muss man in der Krise die standesamtliche Registrierung aussetzen oder dafür sorgen, dass sie rund um die Uhr möglich ist.«

Am Montag erst habe die Regierung von Oberbayern verfügt, dass alle Standesämter offen zu halten seien, so Engmann. »Das Problem ist dort angekommen. Aber man wird sich da schon nochmal Gedanken machen müssen, ob die Bayerische Bestattungsverordnung an jeder Stelle für einen Katastrophenfall gewappnet ist.« coho

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