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Der Chiemgau-Impakt-Förderverein zur Erforschung des südostbayerischen Meteoritenkrater-Streufeldes bleibt unter bewährter Führung. Einstimmig wiedergewählt wurden unter anderen zweiter Vorsitzender Dr. Michael Rappenglück (von links), Vorsitzender Josef Konhäuser, vierter Vorsitzender Tom Bliemetsrieder, Schriftführer Hans-Peter Matheisl und Kassenwart Alfred Dufter. (Foto: Müller)

Förderverein Chiemgau-Impakt bleibt unter bewährter Führung

Traunstein – Erstmals seit drei Jahren hat der Forschungsförderverein Chiemgau-Impakt wieder eine Jahreshauptversammlung in Präsenz abhalten können. Bei den Neuwahlen im Gasthaus Aubräu bestätigten die Mitglieder den langjährigen Vorsitzenden Josef Konhäuser einstimmig für drei weitere Jahre im Amt. Ebenfalls geschlossen wiedergewählt wurden zweiter Vorsitzender Dr. Michael Rappenglück, dritter Vorsitzender Philipp Mayer und vierter Vorsitzender Tom Bliemetsrieder, Schriftführer Hans-Peter Matheisl und Kassier Alfred Dufter. Reinhardt Heybrock und Rosi Neumann bleiben Kassenprüfer. 


Zufrieden stellte Konhäuser fest, dass die Mitglieder dem Verein »trotz Corona-Pandemie treu geblieben sind«. Kassenwart Alfred Dufter konnte einen Überschuss vermelden, der sich vor allem aus den Mitgliedsbeiträgen speist. Zwar sei es den Forschern des 2004 ins Leben gerufenen CIRT (Chiemgau Impact Research Team) wegen der Pandemie in den letzten zwei Jahren nicht möglich gewesen, Geländeaktionen durchzuführen, doch sie hätten die Zeit genutzt, um das in den vergangenen 18 Forschungsjahren gesammelte Datenmaterial zu sichten und die Ergebnisse neu zu bewerten, betonte Konhäuser.

Im Vortrag »Eigentümliche Krater, ungewöhnliche Stoffe und geschockte Artefakte – faszinierende Relikte des Chiemgau-Kometen« präsentierten Astronom Dr. Michael Rappenglück und dessen Frau, die Historikerin Barbara Rappenglück die neuen Erkenntnisse – auch in Vertretung für den Geophysiker, Geologen und CIRT-Forscher Prof. Dr. Dr. Kord Ernstson. Barbara Rappenglück erinnerte eingangs daran, dass das 60 mal 30 Kilometer große, ellipsenförmige Kraterstreufeld zwischen Altötting und dem Chiemsee über 100 Krater aufweise, die zum Teil mehrere Hundert Meter Durchmesser hätten. Genaue Betrachtungen und Untersuchungen der charakteristischen Gesteinsveränderungen – hervorgerufen durch sogenannte »Schockmetamorphose« – und der im Boden aufgespürten ungewöhnlichen Minerale lieferten den wissenschaftlichen Nachweis für das verheerende kosmische Ereignis.

Mittlerweile habe die »intensive Verzahnung von geologischen und archäologischen Untersuchungen beziehungsweise Funden in Chieming-Stöttham und am Mühlbach östlich des Tüttensees« es erlaubt, die Katastrophe zwischen 900 und 600 vor Christus zu datieren, so Rappenglück.

Nie zuvor hatte man den Zeitraum dieses für die damalige keltische Bevölkerung sicher apokalyptischen Ereignisses mit enormer Druckwelle, verheerendem Feuersturm und gewaltiger Tsunami-Flutwelle (ein 900 mal 500 Meter großer Doppelkrater im Chiemsee zeuge davon) zeitlich enger eingrenzen können.

Prof. Dr. Dr. Ernstson habe sich in den letzten Jahren intensiv mit sehr kleinen terrassierten Kratern beschäftigt, berichtete Dr. Michael Rappenglück. Seit einiger Zeit kenne man derartige Krater vom Mond und vom Mars. Ihre Form erkläre sich aus der Schichtung von Gesteinen mit sehr unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften, die auf das einschlagende Objekt verschieden reagieren. Entsprechende Kraterformen wurden nun auch im Chiemgau entdeckt und mit geophysikalischen Methoden untersucht. Rappenglück berichtete zudem über die äußerst ungewöhnlichen und seltenen Minerale, die in Proben aus dem Chiemgau nachgewiesen wurden.

In einer Veröffentlichung im internationalen Fachjournal »Minerals« habe er die Entstehungsbedingungen dieser Minerale untersucht. »Eine Erzeugung durch den Menschen kann mit Sicherheit ausgeschlossen werden«, stellte Rappenglück klar. Dagegen bestätige sich, dass diese Minerale zum Teil extraterrestrischen Ursprungs und damit Bestandteile des Einschlags-Objekts seien. Zum Teil seien sie wohl auch während des Impakt-Ereignisses unter extremen Temperaturen und Drücken erzeugt worden, gab Rappenglück zu bedenken.

mmü

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