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Rund 150 Menschen beteiligten sich am 3. Traunsteiner Christopher Street Day (CSD), um für die Gleichbehandlung »queerer Menschen« einzutreten. Im Stadtpark sowie auf dem Stadtplatz traten zahlreiche Redner ans Mikrofon und eine Parade führte durch mehrere Straßen Traunsteins. (Foto: Hobmaier)

Bunter CSD in Traunstein wirbt für Toleranz

Traunstein – »Traunstein ist bunt, laut und fröhlich. Aber auch politisch!« Mit diesen Worten hatten die Veranstalter für den dritten Christopher Street Day in Traunstein geworben und genau das war er: Bunt, laut, fröhlich und politisch. Am Samstagnachmittag zogen rund 150 größtenteils junge Menschen durch die Stadt und forderten in ihren Parolen und Reden vor allem eines: Toleranz. 


Die bunte Veranstaltung mit ernstem Hintergrund, die jährlich in vielen Städten der Welt gefeiert wird, hat sich inzwischen auch in Traunstein etabliert. Neben zahlreichen politischen Statements zogen die Teilnehmer vom Stadtpark in die Innenstadt, um bei der Abschlusskundgebung am Stadtplatz auf das queere Leben aufmerksam zu machen, Forderungen für eine tolerante Gesellschaft aufzustellen und auf Diskriminierungen hinzuweisen.

Zum Auftakt trafen sich die Teilnehmer im Stadtpark. Neben Phoebe Wenta aus Traunstein und Luca Barakat aus Marquartstein, die als Hauptorganisatoren auftraten, beteiligten sich 13 Gruppierungen und Vereinigungen am Traunsteiner CSD: neben der SPD, den Jusos, den Grünen, der grünen Jugend, den Linken, der Linksjugend, den AF-Dirndln, der Henastoibande, der evangelischen Kirche, der »Fridays For Future«-Bewegung, »Wir für den Wald«, der Hosi Salzburg sowie Volf Chiemgau und dem Organisationsteam waren zahlreiche Helfer in die Vorbereitungen eingebunden.

Für die Grünen trat Walburga Mörtl-Körner ans Rednerpult und zeigte sich zufrieden mit dem, was in den letzten Jahrzehnten erreicht worden sei, mahnte aber auch, dass es noch viele Missstände in der Gesellschaft gegenüber queeren Menschen gebe. Daniela Baumann von der SPD aus Trostberg erinnerte an die ersten CSDs in den 70er Jahren und freute sich über die positive Entwicklung. Sie kam ebenfalls zum Schluss, dass es noch viele Missstände gebe und nannte hier unter anderem das Beispiel Polen, indem queere Menschen kaum Möglichkeiten zur Entfaltung hätten.

Der Landtagsabgeordnete Martin Hagen (FDP) mahnte: »Liebe ist Liebe!« und stellte fest, dass es derartige Veranstaltungen immer noch brauche, auch wenn es hierzulande mittlerweile seit fünf Jahren die Ehe für Alle gebe. »So lange Schwule und Lesben zum Beispiel bei einer WM in Katar Angst haben müssen, wenn sie ins Stadion gehen wollen, kann von einer toleranten Welt nicht gesprochen werden.«

Neben den politischen Vertretern nutzten auch die Organisatoren selbst die Möglichkeit, vor den Teilnehmern zu sprechen. Martin Thoma sagte beispielsweise, »queeres Leben ist kein Randthema mehr und Queerfeindlichkeit muss geächtet werden«. Luca Baraka sagte, »Queerfeindlichkeit ist rechtsextrem« und stellte fest, dass Anfeindungen immer noch an der Tagesordnung seien. Die Gruppe »AntiFanten« aus Rosenheim verwies in einem kurzen Sketch auf die Probleme und den häufig fehlenden Respekt auf sozialen Datingplattformen. In einer weiteren Parodie prangerten die Veranstalter Vorurteile wie, »dass ich schwul bin, ist nur eine Phase und das geht schon wieder vorbei« an. Zwischen den Redebeiträgen gab es immer wieder Musik, zum Beispiel ein Gitarrensolo von Phoebe Wenta.

Der Demonstrationszug führte die Teilnehmer vom Stadtpark auf den Stadtplatz, wo die Abschlusskundgebung der rund dreistündigen Veranstaltung stattfand. Religionslehrer Michael Brinkschröder von »OutInChurch« sagte, »wir alle sind Abbilder Gottes« und trotz der vielen Probleme in der Katholischen Kirche seien auch immer wieder Erfolge zu verzeichnen. So gebe es künftig als Pilotprojekt in der Erzdiözese München und Freising ein sogenanntes »Regenbogenpastoral«. Leon Buchwald von den Linken forderte ebenso wie die Vorredner Toleranz und Aufgeschlossenheit für »queere Lebensformen«. Phoebe Wenta schilderte in bewegenden Worten, wie sie selbst zum Opfer sexueller Belästigung und Übergriffigkeit wurde und forderte dazu auf, hier nicht zu schweigen, sondern Hilfe, beispielsweise durch den Weißen Ring, in Anspruch zu nehmen. Den musikalischen Abschluss bildete Martina Wenta mit »Gstanzl« zum CSD in Traunstein.

Vertreter der Salzburger Hosi nutzten den CSD in Traunstein, um auf die anstehende »Pride Week Salzburg« sowie den »CSD Salzburg«, die in der kommenden Woche stattfinden, hinzuweisen.

Die Beamten der Traunsteiner Polizei zeigten sich mit dem Ablauf zufrieden und auch Luca Barakat zog am Ende ein positives Fazit. »Beim ersten CSD waren es 80, vergangenes Jahr 120 und heuer bereits 150 Teilnehmer, die dabei waren und friedlich diese wichtigen Statements auf die Straßen Traunsteins getragen haben.«

hob

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