10.000 Einzelteile – Die neue Orgel ist in Traunstein angekommen

10.000 Einzelteile – Die neue Orgel ist in Traunstein angekommen
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Orgelbauer Markus Burghof von der Orgelbaufirma Klais aus Bonn entlädt einen der Windkanäle für die neue Orgel in St. Oswald. Mehr als 10 000 Bauteile wird er zusammensetzen, bis die Orgel fertig aufgebaut ist. Foto: Wannisch
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Kirchenmalerin und Restauratorin Iris Badstuber hat in der "Kinderkapelle" ihre Werkstatt aufgeschlagen. Foto: Wannisch
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Noch ist auf der Orgelempore viel Platz, in den nächsten Wochen wird dort die neue Orgel aufgebaut. Foto: Wannisch

Traunstein – Wenig deutet auf das hin, was in dem unscheinbaren schwarzen Lkw mit der Aufschrift »Batman-Trans« zur Stadtpfarrkirche St. Oswald transportiert wird. Holzgestänge, Werkzeugkisten, Maschinen – erst als Markus Burghof mit einem Holzteil, das an einen langen Hals erinnert, aus dem Lastwagen tritt, nimmt der Inhalt langsam Gestalt an: Die neue Orgel ist in Traunstein angekommen. Für Kirchenmusiker Manfred Müller ein ergreifender Moment: »Vor mehr als 20 Jahren haben wir den Verein Orgelfreunde St. Oswald gegründet, und jetzt ist sie da, die neue Orgel.«


Der lange Hals aus Holz, den Orgelbauer Burghof ausgeladen hat, ist einer der Windkanäle für die neue Orgel. Insgesamt vier Lastwagenladungen werden benötigt, bis die »Königin der Instrumente« vollständig aus der Werkshalle der Orgelbaufirma Klais aus Bonn in den Chiemgau transportiert ist. In mehr als 10.000 Einzelteilen – so ganz genau weiß es Burghof nicht – wird die Orgel angeliefert. Als Montageleiter für den technischen Aufbau ist es nun seine Aufgabe, die Einzelteile zu einem Gesamtinstrument zusammenzufügen.

Gefertigt sind die Teile aus Tannen-, Fichten- und Eichenholz. Die Orgel wird 43 Register haben, drei davon wurden laut Kirchenmusiker Müller aus der alten Orgel übernommen.

Zunächst werden die am Dienstag angelieferten Teile im Kirchenraum ausgebreitet. Ein erstes kleines Konzert beginnt, denn Burghof dirigiert die Helfer durch den hinteren Kirchenbereich, damit die Teile mit System abgelegt werden, sodass er auch später noch den Überblick hat. »Der Aufbau auf der Orgelempore beginnt mit dem Bodenrahmen, den wir in Position bringen und ins Wasser legen«, beschreibt Burghof die ersten Schritte.

Ins Wasser legen heißt, die Unebenheiten auf der Empore werden ausgeglichen, sodass die Orgel später mittig und gerade steht. Stück für Stück werden dann die Einzelteile zusammengefügt. Das wird rund fünf Wochen dauern.

Bis dahin sind dann auch die markantesten Teile der Orgel in Traunstein angekommen, die 2496 Orgelpfeifen. Um die kümmert sich dann der Intonateur. Jede einzelne Pfeife wird an den Kirchenraum angepasst, um den bestmöglichen Klang zu erreichen, und schließlich eingebaut; das dauert nochmals mehrere Wochen.

Wer übrigens denkt, die Orgel funktioniere rein mechanisch, der irrt. Laut Burghof hat sie einen Computer integriert, der verschiedene Voreinstellungen ermöglicht. Das biete dem Organisten bei einer Orgel dieser Größe Vorteile und erleichtere das Registrieren. »Früher hat das ein Registrant, ein Assistent des Organisten, gemacht, das übernimmt jetzt der Computer.« Zu viel Technik durfte es jedoch auch nicht sein, sodass bei einem Computerausfall die Orgel weiterhin rein mechanisch gespielt werden kann.

Hand in Hand mit dem Orgelbauer arbeiten Brigitte Schelle und Iris Badstuber. Die beiden Kirchenmalerinnen und Restauratorinnen haben in der »Kinderkapelle« ihre kleine Werkstatt aufgebaut. Sie kümmern sich um das Gehäuse der Orgel, das von der alten Orgel in weiten Teilen übernommen wird. »Vor allem im oberen Bereich stammt noch vieles aus dem 19. Jahrhundert, im Mittelbau kommen Ergänzungen dazu, da hier die Substanz nicht mehr so gut erhalten war«, sagt Badstuber. Derzeit kümmern sich die beiden um die Kappen, die Aufbauten ganz oben auf der Orgel. Nach der Reinigung werden kleine Beschädigungen gefestigt und dann ausgekittet. Schließlich soll das alte Gehäuse später in neuem Glanz erstrahlen.

Erstmals zu hören sein wird die neue, rund 1,1 Millionen Euro teure Orgel in St. Oswald am 15. Oktober, dann wird sie geweiht. Ein Kirchenkonzert soll folgen. Für Kirchenmusiker und Organist Manfred Müller eine spannende Herausforderung. »Mit 43 Registern ist das die größte Orgel, die ich in meiner Berufslaufbahn bisher gespielt habe, und zugleich die größte Orgel im Dekanat Traunstein.« Ein Vergleich macht das deutlich: Die Chororgel, die Müller derzeit in St. Oswald spielt, hat 61 Tasten, die neue Orgel wird mehr als 200 haben. Kirchgänger werden davon profitieren, schließlich bietet die »Königin der Instrumente« ganz neue Möglichkeiten für das Orgelspiel.

vew

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