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Anschluss- und Benutzungsregelung für Fernwärme festgelegt

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Traunreut: Wohnbaugebiet Stocket: Anschluss- und Benutzungsregelung für Fernwärme festgelegt
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Das geplante Wohnbaugebiet Stocket am westlichen Ortsrand von Traunreut soll an die Fernwärme angeschlossen werden. Der Stadtrat hat jetzt mit großer Mehrheit beschlossen, dafür eine Anschluss- und Benutzungsregelung festzulegen. In dem Baugebiet sollen Einzel- und Doppelhäuser sowie drei Wohnblöcke entstehen. (Foto: Rasch)

Traunreut – Dass das geplante Wohnbaugebiet Stocket an die städtische Fernwärmeversorgung angeschlossen werden soll, ist längst beschlossene Sache. Jetzt wurde im Stadtrat dafür auch eine Anschluss- und Benutzungsregelung festgelegt. Diese gilt sowohl für die städtischen als auch für die privaten Grundstücke.


Um die Wirtschaftlichkeit herzustellen, wird neben dem üblichen Baukostenzuschuss und den Hausanschlusskosten auch noch ein Zusatzbetrag fällig. Je Gebäude ist im Durchschnitt mit einem Gesamtbetrag (Baukostenzuschuss, Hausanschlusskosten und Zusatzbeitrag) von rund 10.750 Euro netto zu rechnen. In diesem Betrag sind keine Fördermittel enthalten.

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Mit Ausnahme der Grünen trug der Stadtrat die Empfehlung der Stadtwerke beziehungsweise des Werkausschusses mit. Die Grünen sind der Ansicht, dass Bauwerber, die sich für ein Niedrigenergiehaus entscheiden, durch einen Benutzungszwang benachteiligt wären.

»Dem Anschlusszwang hätten wir noch zugestimmt, damit die Fernwärmeversorgung für Stocket generell möglich ist. Aber wenn ein Bauherr die ökologisch sinnvollste Lösung wählt und ein Passivhaus oder Positivenergiehaus baut, das mehr Energie erzeugt, wie es verbraucht, sollte er nicht damit bestraft werden, dass er ein Leben lang die Grundgebühren für die Fernwärme zahlen muss, obwohl er diese gar nicht nutzt«, sagte der Fraktionssprecher Martin Czepan dem Traunsteiner Tagblatt. Von der Gesamtkalkulation wäre dies nach Auffassung von Czepan kein Problem gewesen, zumal ihm Stadtbaumeister Thomas Gätzschmann bestätigt habe, dass nur etwa fünf Prozent der Bauherren sich für so ein Gebäude entscheiden würden.

Nach Angaben der Stadtwerke sei im Rahmen einer laufenden, sogenannten Wärmenetz-4.0-Studie auch untersucht worden, ob eine Versorgung des Neubaugebietes Stocket mit Fernwärme technisch sinnvoll und wirtschaftlich darstellbar ist. Das beauftragte Institut für Energietechnik (IfE) habe in einer ersten Bewertung die grundsätzlichen Möglichkeiten aufgezeigt und wirtschaftlich bewertet. Zum einen ergäben sich Synergien, wenn bereits bei der Erschließung des Neubaugebietes ein Fernwärmenetz verlegt würde. Zum anderen habe das Institut eine Verlegung von Kunststoffrohren, sogenannte PEX-Rohre, vorgeschlagen, die vermeintlich einfacher zu verlegen und kostengünstiger seien.

Eine Überprüfung habe jedoch ergeben, dass der Einsatz von PEX-Leistungen technisch sowie nach einer Bewertung der Gesamtkosten auch wirtschaftlich nicht sinnvoll sei, da das PEX-System nahezu gleichpreisig zu den bisher verwendeten KMR-System (kunststoffummanteltes Stahlrohr) sei. Außerdem gebe es noch zu wenig Erfahrungswerte in der Nutzung von PEX-Rohren und auch keine Firma in der Region, die diese Leitungen verlegen könne.

Daraufhin haben die Stadtwerke auf Grundlage der Kosten für ein Fernwärmenetz ermittelt, unter welchen Konditionen der Betrieb eines Fernwärme-Netzes wirtschaftlich darstellbar ist. Dabei seien identische Preise wie im übrigen Stadtgebiet angesetzt worden. Die Werkleitung wies jedoch darauf hin, dass aufgrund der derzeitigen Situation noch nicht klar sei, ob für eine Fernwärmeversorgung zum Zeitpunkt der Erschließung des Neubaugebiets Fördermittel bereitstünden.

Bei den Berechnungen wurde auch deutlich, dass der Betrieb nur mit zusätzlichen Kundenbeiträgen wirtschaftlich ist. Diese zusätzlichen Zahlungen seien jedoch in hohem Maße von den Fördermitteln abhängig, hieß es. Bei den Berechnungen wurde ein Anschlussgrad von 95 Prozent angesetzt, zumal einige Grundstücke nicht in absehbarer Zeit bebaut werden. Davon ausgehend, dass keine Fördermittel akquiriert werden können, haben die Stadtwerke vorgeschlagen, für jedes Gebäude im Durchschnitt einen Nettobetrag von 10.750 Euro einzufordern. Sobald die Stadtwerke Fördermittel erhalten und die Kosten für die Herstellung des Fernwärmenetzes gedeckt sind, könne ein entsprechender Anteil an die Eigentümer zurückbezahlt werden.

Auch wenn die reinen Energiekosten bei einer Fernwärmeversorgung höher seien als Strom- oder Erdgaskosten, liege der Vorteil bei der Fernwärme bei einem sehr hohen regenerativen Erzeugungsmix und einem unschlagbaren Primärenergiefaktor von 0,2, also deutlich geringeren CO2-Emissionen, erklärte Werkleiter Frank Wachsmuth. Entscheidend seien ohnehin die jährlichen Gesamtkosten. Im Vergleich zu den günstigeren Systemen, der Luft-Wasser-Wärmepumpe und der Gas-Brennwertheizung mit Solarthermie, sei die Fernwärme aus Geothermie ohne Förderung jährlich noch um circa 370 beziehungsweise 430 Euro brutto teurer. Aber bereits bei einer Förderung von 144.000 Euro sinke der jährliche Mehraufwand auf etwa 300 Euro beziehungsweise 360 Euro brutto. Bei einer Förderung von 391.000 Euro auf nur noch 120 Euro beziehungsweise 180 Euro brutto.

»Dieser Mehraufwand sollte uns die Fernwärme, die überwiegend aus Geothermie und Biomasse erzeugt wird, wert sein«, sagte Wachsmuth. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe hingegen arbeite ab bestimmten negativen Luft-Temperaturen nur noch mit Strom und könne keine Umweltwärme mehr nutzen.

Abschließend teilte die Werkleitung mit, dass neben der Stadt Traunreut die beiden privaten Grundstücksbesitzer ihr Interesse an einer Fernwärmeversorgung bekundet hätten. Es sei auch offensichtlich, dass eine Fernwärmeversorgung umso effizienter werde und mit weniger Kosten verbunden wäre, je höher der Anschlussgrad sei. Deshalb schlug die Werkleitung vor, mit den privaten Grundstücksbesitzern im städtebaulichen Vertrag eine Anschluss- und Benutzungsregelung aufzunehmen. Die Anschluss- und Benutzungsregelung der Stadt sollte privatrechtlich geregelt werden. Ebenso seien die Zusatzbeiträge zu fixieren, deren Höhe noch endgültig bestimmt werden müsse.

In dem Plangebiet sollen Bauplätze für Einzel- und Doppelhäuser und Geschoßbauten mit insgesamt rund 100 Wohneinheiten ausgewiesen werden. Mit der Vergabe der städtischen Grundstücke ist aber voraussichtlich nicht vor Jahresende zu rechnen. Wie mehrfach berichtet, muss auf Grund der Eigentumsverhältnisse ein aufwändiges Umlegungsverfahren durchlaufen werden. Außer­dem müssen noch die Vergabekriterien festgelegt werden. Nach dem Willen des Stadtrats soll ein Teil der städtischen Grundstücke im sogenannten Einheimischen Modell angeboten werden. ga


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