Auf den Spuren von Bob Dylan

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Als Überraschung des Abends erschien Claudia Koreck auf der Bühne und präsentierte zusammen mit Wolfgang Niedecken (rechts) und Mike Herting eine fulminante Version von »Knockin' On Heaven's Door«. (Foto: Heel)

»Solche Texte wie der Typ mit der Sonnenbrille möchte ich auch schreiben und singen«, sagte sich der 1951 in Köln geborene Wolfgang Niedecken, damals Bass-Gitarrist einer Schülerband, nachdem er Bob Dylans »Like A Rolling Stone« gehört hatte.

Also drückte er sein Instrument einem Bandkollegen in die Hand und schwang sich kurzerhand zum Sänger auf. Das Ergebnis ist bekannt: Heute zählt der Musiker, Maler und Autor mit seiner 1976 gegründeten Kölschrock-Band BAP zu den populärsten Rockmusikern Deutschlands. Die Nähe zu Dylan, die Auseinandersetzung mit dessen Werk, hat ihn dabei immer begleitet. So hat er zahlreiche Coverversionen von Dylan-Songs veröffentlicht oder Dylans Buch »Chronicles« als Hörbuch eingelesen.

Im Klosterhof des Kulturforums Traunstein hat Wolfgang Niedecken nun vor rund 270 Besuchern eine Lesung aus seinem kürzlich erschienenen Buch »Wolfgang Niedecken über Bob Dylan« gehalten, begleitet von einem alten Freund, dem WDR-Big-Band-Arrangeur und Pianisten Mike Herting. Ein Buch, entstanden als Dreingabe der fünfteiligen, 2017 gedrehten ARTE-Produktion »Bob Dylans Amerika«, zu der Niedecken zusammen mit dem österreichischen Dokumentarfilmer Hannes Rossacher wochenlang auf den Spuren von Dylan quer durch die USA gereist ist, von Washington D. C. über New Orleans, San Francisco und Chicago bis nach Woodstock. Eine Spurensuche, bei der Niedecken, entspannt und mit wohlklingender Stimme, meist recht kurze Passagen präsentierte, jeweils gefolgt von einem besonders präg-nanten Dylan-Song. Dabei kam auch viel Autobiografisches zur Sprache, etwa, wie er während seiner Zeit beim Zivildienst auf die Idee gekommen sei, Songs auf Kölsch zu schreiben, oder seine Eindrücke vom Auftritt des Meisters in der Dortmunder Westfalenhalle, als Dylan im Juni 1978 erstmals eine Deutschland-Tournee unternommen hatte.

Die vielleicht spannendste Amerika-Episode war dann die Schilderung ihres Besuchs in Woodstock, wo ihnen das gelungen ist, wovon unzählige Dylan-Fans träumen: Die Besichtigung des Hauses, in dem einst die legendären Basement-Tapes entstanden sind. Die beste Pointe hatte dagegen seine Beschreibung eines Ausflugs in das Inselgewirr jenseits der Fluttore von New Orleans: Hier trafen sie auf einen erst grantigen Krabbenfischer, auf dessen Grundstück mal eine Berühmtheit kampiert und mit ihm einen Joint geraucht hatte, nämlich Paul McCartney. Ausgerüstet mit Gitarre und Mundharmonika, ließ Niedecken dazu Songs wie »The Times They Are A-Changin'«, »One More Cup Of Coffee« oder »Man In The Long Black Coat« erklingen, so eindringlich wie unverwechselbar interpretiert, wobei die Übergänge vom englischen zum eingekölschten Text nahezu fließend waren. Mit »Forever Young« neigte sich der Auftritt dann dem Ende zu, gekrönt von der Überraschung des Abends, als unvermutet Claudia Koreck auf der Bühne erschien und zusammen mit Niedecken und Mike Herting eine fulminante Version von »Knockin' On Heaven's Door« zum Besten gab. Eine Wucht und ein Beweis mehr dafür, dass die Songs von Bob Dylan einfach unwiderstehlich sind.

Wolfgang Schweiger

Das Buch »Wolfgang Nied- ecken über Bob Dylan« ist erschienen in der KiWi-Musikbibliothek und umfasst 228 Seiten.

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