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»Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung«

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Nach dem Pflanzen wurden die beiden Eichen gut gewässert. Mit dabei waren (von rechts) Matthias Schmid, Dr. Michael Elsen, Gretl Gineiger, Bürgermeister Klaus Ritter und Dr. Birgit Löffler. (Foto: Mix)

Traunreut – Es gibt in Traunreut bereits sechs Eichen, die zusammen mit einer Stele zu Ehren von Joseph Beuys gepflanzt wurden. Nummer sieben und acht stehen nun auf dem Rathausplatz. Als Abschluss der Maßnahme »Sanierung Rathausplatz« wurden die zwei ungarischen Eichen unter tatkräftiger Beteiligung der Bevölkerung gepflanzt und werden künftig von zwei kristallinen, Millionen Jahre alten Basaltsteinen bewacht.


Joseph Beuys, einer der wichtigsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts, hat in Kassel zur Documenta in den Jahren 1982 bis 1987 unter dem Titel »Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung« 7000 Eichen mit 7000 Basaltsteinen gesetzt und damit die unansehnliche, vom Krieg zerstörte Stadt ein großes Stück lebenswerter gemacht. Viele Pflanzungen sind seitdem seinem Beispiel entsprechend nicht nur in Deutschland vorgenommen worden. Neben jedem jungen Baum steht eine Stele als stabiler Wächter.

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Zeichen für Leben und Beständigkeit

Während der Baum ein Symbol des Lebens ist und ständig wächst, stellt der Stein die Beständigkeit dar, bleibt für immer, wie er ist. Dr. Birgit Löffler, Leiterin des Traunreuter Museums DASMAXIMUM nannte die Pflanzungen, die in Kooperation mit der Stiftung DASMAXIMUM durchgeführt werden, »ein Symbol für die Hoffnung auf eine lebendige, friedliche Zukunft« und »ein positives Zeichen für nachfolgende Generationen«.

Durch die Stiftung von Heiner Friedrich wurden die vorläufig letzten großen Basaltsäulen aus dem mittlerweile unter Naturschutz stehenden Steinbruch an der Landsburg bei Kassel erworben und werden nach und nach in Traunreut und auch in anderen Städten der Region aufgestellt. Wie Dr. Löffler im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt betonte, gibt es auch danach noch Möglichkeiten, aus einem anderen Steinbruch Basaltsteine zu erwerben, sodass das Projekt Eichenpflanzungen zu Ehren von Joseph Beuys noch lange weitergehen kann. Es gebe bereits einige Anfragen von interessierten Gemeinden aus der Region, die ebenfalls eine Eiche mit Stele haben wollen.

Wie Bürgermeister Klaus Ritter erläuterte, sollen im nächsten Jahr als Abschluss der Baumaßnahme an der Nansenstraße nochmals zwei Eichen gepflanzt werden und es ist geplant, an allen Traunreuter Schulen weitere Pflanzungen vorzunehmen. Bisher stehen schon je ein Baum und eine Stele am Johannes-Heidenhain-Gymnasium, beim Museum DASMAXIMUM, am Wilhelm Löhe Zentrum, bei der Jugendsiedlung, der Lebenshilfe sowie am Weg zwischen Rathaus und katholischer Kirche.

Die für den Rathausplatz ausgewählten ungarischen Eichen sind sehr klimatolerant und halten auch größere Hitze aus. Der Zeitpunkt der Pflanzung ist jetzt noch gut geeignet, wie Stadtgärtnermeister Robert Kratzer erläuterte. Die beste Zeit, um junge Bäume zu pflanzen, sei der Herbst, und zwar solange, wie der Boden noch frostfrei ist. Die jetzt noch lockere Erde kann fest um den Wurzelballen gedrückt werden und bietet ihm sicheren Schutz. Die Bäume sind derzeit in ihrer Ruhephase und beginnen dann mit der Winter-Sonnenwende kurz vor Weihnachten wieder damit, Wasser und Kraft für das neuerliche Austreiben zu sammeln.

Nachdem die beiden Stelen am Freitag am südlichen Ende des Rathausplatzes so aufgestellt wurden, dass sie sich ganz leicht zueinander neigen und quasi ein Tor bilden, wurden die Eichen eingesetzt und die Pflanzlöcher von zahlreichen Helfern mit Erde wieder angefüllt. Anschließend wurden Gießkannen verteilt, um die jungen Bäume ausreichend zu wässern. Bürgermeister Klaus Ritter, Stadträte und Mitarbeiter der Verwaltung, Vertreter der beteiligten Baufirma und des Ingenieurbüros sowie interessierte Bürger packten dabei tatkräftig mit an. mix