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»Wir wollen den Unterbau nach oben bringen«

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Monika Gawenus, besser bekannt unter ihrem Mädchennamen Monika Pflug, hat ihre Arbeit in Inzell als Trainerin aufgenommen. (Foto: Wukits)

Mit flotten Schritten geht es für knapp ein Dutzend Kinder zum Aufwärmen am Rand der Eisbahn der Inzeller Max-Aicher-Arena. Angeführt werden sie von Monika Gawenus, besser bekannt unter ihrem Mädchennamen Monika Pflug. Die mittlerweile 64-Jährige ist 1972 überraschend Olympiasiegerin im Eisschnelllauf über die 1000 Meter in Sapporo geworden. Seit einigen Wochen trainiert sie die jungen Kufenflitzer des DEC Inzell. Die 16 Kinder sind zwischen sechs und sieben Jahre alt. Unterstützt wird sie vom ehemaligen Langstreckenspezialisten Moritz Geisreiter.


»Die Rückkehr nach Inzell ist schon länger geplant gewesen«, verrät Monika Gawenus, die zuletzt in Ottobrunn als Trainerin aktiv gewesen ist. Jetzt im Rentenalter ist sie wie der ehemalige 500-Meter-Olympiasieger Erhard Keller nach Inzell zurückgekommen. »Ich wollte mich in den Verein einbringen und bin auch so wieder schnell heimisch geworden«, freut sie sich.

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Vor allem die ältere Generation erinnert sich noch an ihre Erfolge und ihre jungen Sportler der Trainingsgruppe wissen ebenfalls, wem sie da vor sich haben. »Wir wollen den Unterbau nach oben bringen«, erklärt sie. Am Anfang sind die Anfänger auf Eishockey-Schlittschuhen unterwegs, diese bieten mehr Sicherheit auf dem Eis. Die Talentierteren dürfen gleich auf die langen Kufen. Geschult werden unter anderem die Technik, die Körperbeherrschung und die Motorik, dazu kommen allgemeine Übungen.

Monika Gawenus hat ein Gespür für Talente. Sie hat in Ottobrunn zum Beispiel Felix Motschmann entdeckt. Der junge Sportler zählt zu den größten Talenten im deutschen Eisschnelllauf. Ihn hat sie gleich nach Inzell mitgebracht. Was ihr in Inzell sofort aufgefallen ist, die Kinder zeigen mehr Respekt als die in München. »Die sind einfach aufmerksam und auch dankbar. Es sind einige sehr talentierte Mädchen und Buben dabei. Wir brauchen aber auch Geduld und müssen ihnen Zeit geben, sich zu entwickeln«, erklärt sie.

Monika Gawenus ist selbst vierfache Mutter. Zum Eisschnelllaufen ist übrigens keines ihrer Kinder gegangen. »Eine hat es kurz probiert. Allerdings hat sie den Rummel um sie als Tochter einer Olympiasiegerin und den daraus entstandenen Neid der Eltern der anderen Sportler nicht ertragen.«

Als Trainerin beschreibt sich Gawenus als nachsichtig. Da gibt es schon mal nach dem Training Gummibärchen oder einen Lutscher. »Ich kann aber auch laut werden, wenn es mit der Disziplin nicht klappt«, ergänzt sie.

Den Goldlauf von 1972 immer noch vor Augen

Immer noch gerne erinnert sie sich an ihre Goldmedaille bei den Spielen 1972 in Sapporo. Als knapp 18-Jährige sorgte sie damals über die 1000 Meter für die Sensation. »Für mich ist der Erfolg nicht ganz überraschend gekommen. Ich bin zuvor bei der Europameisterschaft schon Vierte geworden und hätte eine Medaille gewinnen können«, erinnert sie sich.

»Trotzdem bin ich unbedarft nach Japan, habe aber gewusst, dass ich schnell bin. Am Wettkampftag war ich ziemlich nervös und hatte deswegen Magenprobleme. Mein Ziel war es, unter die Top 5 zu kommen.« An den Wettkampf kann sie sich noch genau erinnern. »Beim Start hatte ich gleich einen Fehler in der Kurve und habe mich sehr über meinen Lauf geärgert.« Im Ziel musste sie zunächst lange warten, schließlich ist noch eine ganze Reihe von Konkurrentinnen am Start gewesen. Doch niemand ist mehr an die Zeit von 1:31,40 Minuten herangekommen. »Offensichtlich haben sich alle an dieser Zeit die Zähne ausgebissen«, sagt sie.

Nach der Rückkehr aus Japan ist ganz Inzell beim Empfang – zusammen mit dem 500-Meter-Olympiasieger Erhard Keller – kopfgestanden. Der legendäre Vater des Inzeller Eisschnelllaufens, Ludwig Schwabl, hatte einen großen Empfang organisiert. »Der Schwabl war so eine Art Ziehvater von mir.« Monika Gawenus hat nach 1972 noch an vier weiteren Olympischen Spielen teilgenommen. Nach den Spielen 1988 in Calgary hat sie ihre Karriere beendet.

»Ich bin nie wegen des Geldes gelaufen, wir waren auch so glücklich«, sagt sie rückblickend. Gerne wäre sie aber noch mit dem Klappschlittschuh gelaufen. Dieser hat das Eisschnelllaufen revolutioniert. »Das wäre mir mit meiner Technik sehr entgegengekommen«, ist sie sich sicher. Zu den heutigen sportlichen Problemen im deutschen Eisschnelllaufen hat sie ebenfalls eine klare Meinung. »Wir haben damals von der Wiedervereinigung profitiert. In dieser Zeit ist die Nachwuchsförderung stark vernachlässigt worden. Man hat sich auf den Lorbeeren ausgeruht«, meint sie enttäuscht. SHu