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Olympia-Teilnahme mit dem »besten Freund«?

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Stolze Reiterin mit glücklichen Eltern: Charlotte Rummenigge (auf ihrem Wallach Fidelio) wurde auf Gut Ising mit dem Goldenen Reitabzeichen geehrt – und darüber freuten sich auch Martina und Karl-Heinz Rummenigge. (Foto: Wukits)

Große Auszeichnung – hohe Ziele: Vor der Grand Prix Kür im Rahmen des Chiemsee-Pferdefestivals wurde Charlotte Rummenigge mit dem Goldenen Reitabzeichen geehrt. »Das ist eine hochwertige Sache«, freute sich die 24-Jährige. Denn für das Abzeichen sind mehrere Podestplätze bei S*-Prüfungen in der Dressur nötig.


Doch sie peilt noch mehr an: Der Weg soll dahin führen, auch einmal an den höchstwertigen Wettkämpfen (GP de Dressage, GP Kür und GP Special) der S***-Kategorie erfolgreich teilzunehmen – oder sogar bei Olympia.

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Den ersten Schritt in diese Richtung hat sie erfolgreich bewältigt. In dieser Saison ging sie erstmals in S***-Wettbewerben des Piaffe-Förderpreises an den Start – und wurde in Ising Vierte und Fünfte. In der ersten Prüfung wäre sogar noch mehr drin gewesen: »Ich bin sehr zufrieden. Nur bei den Pirouetten hat es nicht ganz geklappt. Das lag aber an mir, Fidelio war gut drauf«, lobt sie ihren zwölfjährigen Wallach.

Mama Martina als stete Begleiterin

Unterstützt wird die junge Sportlerin von ihren Eltern. Sowohl Martina als auch Karl-Heinz Rummenigge waren bei der Ehrung anwesend. Obwohl ihr Vater als Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München einen vollen Terminkalender hat, »ist er dabei, so oft es geht.« Ihre Mutter Martina ist schon lange eine stete Begleiterin bei Turnieren.

»Sie hat sogar extra den Lkw-Führerschein gemacht, um mich beim Fahren entlasten zu können«, berichtet Charlotte Rummenigge. Ihre Mutter kümmert sich vor Ort auch teilweise um die Pferde, und »sie kann mir inzwischen schon vor dem offiziellen Ergebnis fast exakt sagen, wie viele Punkte oder Prozentpunkte ich erreicht habe«, lobt die 24-Jährige den Sachverstand ihrer Mutter.

Eine besondere Verbindung hat Charlotte Rummenigge auch zu ihrem Pferd Fidelio. »Das ist so ein liebes, tolles Pferd, wie ein bester Freund«, schwärmt sie. Letztlich begann mit ihm auch ihre Erfolgsgeschichte.

»Dann hat er mich mit seinen großen Augen angeschaut«

Als 15-Jährige startete sie unter Anleitung von Trainer Stefan Münch allmählich »durch« und verbuchte erste Erfolge. 2011 fand sie Fidelio. »Stefan war sofort begeistert, ich war mir erst etwas unsicher«, erinnert sie sich. »Aber dann hat mich Fidel mit seinen schönen großen Augen angeschaut ...«

»Seine Gangarten waren schon immer herausragend, und er wollte immer schon gerne arbeiten. Aber im Kopf war er früher noch nicht so easy«, beschreibt sie ihren mittlerweile zwölfjährigen Weggefährten.

Freunde behandelt man gut. Daher bekommt Fidelio täglich drei bis vier Stunden Koppelgang, auch bei der Turnierplanung nimmt Charlotte Rummenigge Rücksicht. Und weil »wir heuer viel unterwegs waren«, bekam Fidelio zuletzt sechs Wochen Wettkampfpause. Zwei Wochen hatte er ganz »frei«, danach wurde dosiert geübt. Wichtig sei auch: »Wenn man weiß, dass Fidel etwas für ihn Schweres schon ganz ordentlich hinbekommen hat, dann sind die Noten nicht so entscheidend.«

In Aachen »war ich deutlich nervöser als er«

Doch auch diese stimmen: Erstmals trat das Duo heuer sogar beim CHIO in Aachen an. »Das war früher mein ganz großes Ziel, das ist schon irre, dass ich das erreicht habe.« Auch wenn »ich deutlich nervöser als sonst war.«

Dabei gehört es eigentlich zu ihren Stärken, »dass ich bei Wettkämpfen eine positive Anspannung habe und auf dem Parcours richtig Gas geben kann.« Steigerungsmöglichkeiten sieht Charlotte Rummenigge vor allem »in der Abstimmung mit dem Pferd. Da kann man immer was verbessern.«

Um neue Impulse zu setzen, trainierte sie zuletzt für gut ein Jahr bei Ex-Bundestrainer Johnny Hilberath in Bremen. Stefan Münch – der weiterhin ihre vier Nachwuchsspferde betreut – »hat ein sehr gutes Händchen für die Pferde«, schwärmt sie. Nun erfolgte bei Hilberath der »Feinschliff«. »Stefan ist eher ruhig und lässt einen gern probieren – Johnny ist schon sehr dicht an der Lektion dran und kommentiert fast ständig.« Das brachte ihr weitere Fortschritte.

In den vergangenen Wochen trainierte Rummenigge bei Benjamin Werndl. Der ältere Bruder von Jessica von Bredow-Werndl »kennt beide Trainer und ist eine gute Kombination daraus.«

Rummenigges Fernziel ist es, vielleicht sogar 2020 bei den Olympischen Spielen antreten zu können. »Fidel kann sich da schon dahin entwickeln. Aber man darf das nicht zu verkrampft sehen«, betont sie. Schon die Ehrung auf Gut Ising war ein großer Erfolg, der ihre Mutter Martina zu Freudentränen rührte. Vielleicht gibt es ja 2020 in Tokio noch mehr Freudentränen bei Martina Rummenigge ... Walter Hohler