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»Im richtigen Leben ankommen« als neues Ziel

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Er freut sich jetzt auf mehr Zeit für die Familie und auf seine künftige Trainerkarriere: Andi Birnbacher. (Foto: Wukits)

Es war der Donnerstag, der 10. März bei der Biathlon-Weltmeisterschaft in Oslo, auf dem Programm stand damals das Einzelrennen der Herren. An diesem Tag bestritt der Schlechinger Andi Birnbacher sein letztes Rennen in seiner Karriere. Zwei Tage zuvor hatte er offiziell angekündigt, dass nach der WM Schluss mit dem Leistungssport sein werde.


Nach 17 Jahren Profisport, davon 15 im Weltcup, hat der 34-Jährige Langlaufbretter und Flinte an den Nagel gehängt. Klar, dass Birnbacher an diesem Nachmittag den berühmten letzten Schuss im Stehendanschlag noch einmal ins Schwarze versenkte. Am Ende stand der neunte Platz, ein toller Erfolg für den von Magenproblemen gebeutelten »Birnei.« Wegen dieser Probleme verzichtete er auf einen weiteren Einsatz im Massenstart zum Schluss der Titelkämpfe.

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In Gedanken noch bei der vergangenen Saison

Jetzt, drei Wochen nach seinem Rücktritt genießt Birnbacher in seinem schmucken neuen Heim in Schleching den sportlichen Ruhestand im Kreise seiner Frau Anna und den Kindern Moritz und Louis. »Natürlich kreisen die Gedanken noch über der vergangenen Saison und den vielen Wettkämpfen. Trotzdem versuche ich, langsam im richtigen Leben anzukommen und keinen Leistungsdruck mehr zu haben. Ich kann jetzt machen, wozu ich Lust habe«, sagt er lächelnd.

Den letzten Weltcup im fernen Russland in Khanty-Mansiyk verfolgte er entspannt am Fernseher in seinem Wohnzimmer mit Blick auf die Schlechinger Berge. »Das war wie eine Befreiung, ich stehe nicht am Start. Das hat mir ganz gut getaugt.« Obwohl er in Khanty 2001 dreimaliger Junioren-Weltmeister geworden war.

Den Gedanken, mit dem Leistungssport aufzuhören, hatte er bereits den gesamten Winter mit sich getragen. »Ich habe gemerkt, es wird unglaublich schwierig, nach vorne zukommen. Mein Anspruch war es, immer wieder auf das Podest zulaufen. Da haben mir läuferisch ein bis zwei Prozent dazu gefehlt. Irgendwann ist mir klar geworden, dass ich mir eine weitere Saison mit dem harten Training nicht mehr vorstellen kann.« So reifte der Entschluss in Birnbacher immer mehr.

Nun musste er nur noch den idealen Zeitpunkt für die Bekanntgabe seiner Entscheidung finden. »Da schien mir Oslo der perfekte Ort zu sein. Schließlich habe ich dort mein erstes Weltcuprennen gewonnen.« Über seinen Entschluss informierte er als erstes seine Familie »Die haben sich alle darüber gefreut, dass ich mehr Zeit vor allem für meine beiden kleine Söhne Moritz (2 Monate) und Louis (3 Jahre) habe.«

Zweimal Vierter bei der WM in Ruhpolding

Auf seine Karriere blickt der Schlechinger positiv zurück. »Man lernt viel Disziplin und Ehrgeiz. Das verlernt man nicht, auch jetzt nicht, wenn ein neuer Lebensabschnitt beginnt.« Besonders freut sich Birnbacher darüber, dass er fünfzehn Jahre ununterbrochen im Weltcup dabei war und immer unter den Top-Athleten zu finden war. »Was mir nachhängt, sind die beiden vierten Plätze bei der WM 2012 in Ruhpolding. Vor der besten Kulisse überhaupt war ich in absoluter Topform. Beim Einzel und beim Massenstart habe ich jeweils den letzten Schuss nicht getroffen. Sonst wäre ich Weltmeister geworden. Das wird mir mein ganzes Leben nachhängen«, gibt er zu.

Trotzdem hielten sich bei ihm Pech und Glück die Waage. »Für mich passt das«, formuliert er es knapp. Deswegen bleiben ihm auch zwei Rennen besonders im Gedächtnis. »Die waren knapp an dem, was man einen perfekten Wettkampf nennt.« 2011 in Hochfilzen als er von Platz 19 aus den Verfolgungslauf gewann und dabei im Zielsprint knapp vor Ole Einar Björndalen blieb. Ein weiterer Höhepunkt war ein Jahr später der Massenstart in Antholz. Hier kam Birnbacher vor Anton Schipulin (Russland) und dem Franzosen Martin Fourcade in einem spannenden Finish als Erster ins Ziel.

In Antholz wurde er 2007 auch Vizeweltmeister in der Verfolgung hinter seinem Spezi Michi Greis. Gefreut hat sich Birnbacher auch über die vielen positiven Reaktionen nach seinem Rücktritt. »Ich glaube, ich habe vieles richtig gemacht. Ich bin immer auf dem Boden geblieben und habe versucht, mit jedermann respektvoll und ehrlich umzugehen.«

Der künftige Trainer kennt alle Tricks

Dem Biathlon wird Andi Birnbacher weiter erhalten bleiben. Im Oktober beginnt er mit einer Trainerausbildung in Köln. Im Sommer will er deswegen am heimischen Stützpunkt in Ruhpolding bereits in das »Geschäft« hinein schnuppern und erste Erfahrungen sammeln. »Was man selber erlebt hat, das kann man nirgendwo lernen, es ist schön, das alles weitergeben zu dürfen. Ich kenne natürlich auch die Tricks und ich werde mich da nicht an der Nase herumführen lassen«, warnt er schon mal seine zukünftigen Schützlinge.

Sein Sportlerleben würde er auf alle Fälle noch einmal so gestalten. »Manchen Fehler möchte ich allerdings nicht mehr machen«, gibt er zu. »Aber das gehört auch zum Leben dazu, schließlich ist kein Mensch perfekt.« Rückblickend ist Andi Birnbacher vielen Menschen dankbar, die ihm seine sportliche Karriere ermöglicht haben. Namen will er keine nennen. »Da vergisst man leicht einen. Natürlich sind die Familie, Trainer, Ärzte, Physiotherapeuten und Techniker vorrangig zu nennen. Das muss alles passen.«

Genauso wie es jetzt beim »Birnei« im Leben nach dem Sport passt, mit seiner Frau und den zwei kleinen Söhnen. Zum Glücklichsein braucht es eben nicht immer Titel und Medaillen. SHu