weather-image
21°

»Ein echtes Fußballfest – nicht nur, weil wir gewonnen haben«

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Knapp 2000 Fußballfans verfolgten die Vorbereitungspartie zwischen dem Traditionsclub 1860 München und dem Premier-League-Club Stoke City in Reit im Winkl. (Foto: Ostermaier)

Nach 90 Spielminuten hätte man das Ergebnis eigentlich gar nicht wissen müssen – ein Blick in die Gesichter der bayerischen und englischen Spieler hätte auch gereicht, um das Resultat zu erahnen: Enttäuschung bei den Fußballern des Premier-League-Clubs Stoke City und Freude bei den Akteuren von 1860 München. 2:0 hatte der überlegene Zweitligist aus München das britische Team von Trainer Mark Hughes bezwungen und dabei eine überzeugende Vorstellung geboten.


Rund 2000 Fußballfans wollten sich dieses »Gala-Testspiel« nicht entgehen lassen; sicherlich eines der Glanzlichter in der 41-jährigen Vereinsgeschichte des gastgebenden FC Reit im Winkl. Stoke City absolviert derzeit ein zwölftägiges Trainingslager in Reit im Winkl und auch wenn die Funktionäre mit mehrtägigen Aufenthalten großer Mannschaften eine gewisse Erfahrung haben – Bayer Leverkusen war bereits hier und auch Schachtar Donezk – die Vorarbeiten und die Organisation »gehen schon an unsere Grenzen«, wie dies ein Vorstandsmitglied formulierte.

Anzeige

Das unterschiedliche Stimmungsbild beider Mannschaften spiegelte sich nach dem Freundschaftsspiel auch in den Äußerungen der beiden Trainer wider. So fand ein aufgekratzter Ricardo Moniz, der in diesem Sommer einen Zweijahresvertrag als Trainer bei den »Löwen« unterschrieben hat, nur lobende Worte für die Sechziger. »Meine Mannschaft hat hervorragend gespielt. Wir haben den Gegner stets im Griff gehabt und kaum Chancen zugelassen.« Und auch bei der Frage nach der sportlichen Perspektive seiner »Löwen« in der bevorstehenden Zweitliga-Saison fand er eine schnelle, sehr kurze und optimistische Antwort: »Aufsteigen!«

»Das war erst unser zweites Testspiel. Bis zum Saisonstart am 16. August bleibt noch genügend Zeit für Korrekturen«, bewertete der frühere Bayern-Spieler Mark Hughes die enttäuschende Vorstellung seiner »Potters« routiniert. Auch in der nächsten Vorbereitungspartie morgen in Kufstein gegen Schalke 04 wolle er daran festhalten, in beiden Spielhälften zwei fast komplett unterschiedliche Mannschaften zum Einsatz zu bringen.

In der Begegnung gegen 1860 München zeigten diese beiden verschiedenen Aufstellungen weitgehend das gleiche Bild: Sie kamen kaum zu zwingenden Tormöglichkeiten und immer wieder fanden sich große Lücken in der Verteidigung. In jeder Halbzeit kassierten die Engländer ein Gegentor; zunächst durch Daniel Adlung in der 25. Minute und in der 52. Minute durch Bobby Wood.

»Wir haben 1860 keinesfalls unterschätzt. Aber die haben ein Superspiel abgeliefert«, kommentierte Robert Huth, der seit 2009 für Stoke City aufläuft, die Leistung der »Löwen« und fand überdies viel Lob für den Gastgeber, den FC Reit im Winkl: »Alles ist wirklich bestens organisiert, der Platz ist hervorragend, ich würde gerne wieder für ein Trainingslager hierherkommen«, so der 19-fache deutsche Nationalspieler, der in der zweiten Halbzeit zum Einsatz kam.

Positive Eindrücke konnte auch Gerhard Poschner – seit April Sportkoordinator bei den Sechzigern – gewinnen, auch wenn er sich nach dem Spiel eher zurückhaltend zeigte: Stereotyp antwortete er in Bezug auf die Form seiner Mannschaft, auf das Spiel gegen die Engländer und das Ergebnis mit freundlicher Bestimmtheit stets mit: »Es war in Ordnung.« Für den FC Reit im Winkl war die Ausrichtung dieses Testspiels dagegen weit mehr: So war die Begegnung dieser beiden hochklassigen Mannschaften auf heimischem Platz für die Fußballanhänger in dieser Region »ein echtes Fußballfest«, so einer der zahlreichen 1860-Fans nach dem Abpfiff, »nicht nur, weil wir verdient gewonnen haben.« ost