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Zu viele Beschlüsse hinter verschlossenen Türen

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Seeon-Seebruck. Nach dem Rechenschaftsbericht des scheidenden Bürgermeisters Konrad Glück sprach sich Peter Lämmerhirdt in der Seebrucker Bürgerversammlung beim Hafenwirt für mehr Bürgerbeteiligung und Transparenz aus. So sei es schon ziemlich bedenklich, dass 2013 zwei Drittel der 156 Gemeinderats-Beschlüsse in nichtöffentlicher Sitzung gefallen seien. »Es ist meiner Meinung nach falsch, brisante Themen erst intern zu lösen«, betonte Lämmerhirdt, der sich in dieser Sache durch ein Antwortschreiben des Bayerischen Ministerpräsidenten bestätigt fühlt.


»Auch in den verbleibenden zwei, drei Sitzungen werde ich das im Gemeinderat so machen, wie ich es für richtig halte, dazu brauche ich keinen Ministerpräsidenten und keinen Rechtsanwalt«, erwiderte Glück, der nach 24 Jahren im Amt nicht mehr kandidiert. Wie das dann in Zukunft gehandhabt werde, sei seinem Nachfolger überlassen, da werde er sich nicht mehr einmischen, so der Rathaus-Chef.

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Insbesondere für ältere, nicht mehr so mobile Menschen wäre es von Vorteil, wenn diese auch in den Ortsteilen Seeon und Truchtlaching gemeindliche Anlaufstellen hätten, bemängelte Lämmerhirdt die beschlossene Verwaltungszusammenlegung. Jetzt eine neue Standortdebatte zu eröffnen, bringe nichts, da der Gemeinderat mit großer Mehrheit für den Rathaus-Standort Seebruck gestimmt habe. Die Neubau-Änderungsvorschläge werden den Bürgern wohl im Mai vorgestellt, beantwortete Glück die Frage einer Bürgerin. Bereits in der nächsten Gemeinderatssitzung werde man darüber beraten und mit dem Änderungsprozess beginnen.

»Die Entwicklung in Seebruck macht mich sehr nachdenklich«, betonte Landwirt Matthias Untermayer, der in Stöffling »Urlaub auf dem Bauernhof« anbietet. Exemplarisch nannte er die Schließung zahlreicher Geschäfte und Gastronomie-Betriebe. Wie sich das Umfeld entwickle, betreffe nicht nur den Tourismus, sondern auch die Einheimischen.

»Nicht zum Lachen, sondern eher zum Weinen ist es dann«, wenn die Aufstellung von Hundetoiletten und die neue Beschilderung in der Reimer-Kurve als großartige Errungenschaften verkauft würden, meinte Untermayer und schob hinter, dass dies kein Vorwurf an den Bürgermeister sei. Er hoffe aber, dass in der nächsten Wahlperiode »wieder mehr Schwung in den Gemeinderat reinkommt«. An die Bürger appellierte Untermayer, sich nicht nur dann zu engagieren, wenn sie etwas am eigenen Gartenzaun betreffe.

Er habe einst als Gemeinderat im Gremium ein »Dorfkonzept« mit Verbesserungsvorschlägen präsentiert, dies sei aber auf wenig Resonanz gestoßen, bedauerte der Seebrucker Hotelier Peter Stocker. Die Eigentümerin des derzeit geschlossenen Hotels und Gasthofs Post, Andrea Altendorfer, fügte an, dass am 1. April ein neuer Pächter wiedereröffne. »Als riesigen Fehler, den die Gemeinde gemacht hat«, bezeichnete es Dritter Bürgermeister Rudolf Mayer aus Seebruck, dass das Café Kaltner nicht in irgendeiner Form erhalten werden konnte.

Der Aufstellungsbeschluss »Sondergebiet Hotel« habe vor etwa 15 Jahren im Gremium mit 8:8-Stimmen keine Mehrheit gefunden. Verantwortlich dafür seien aber nicht die damaligen Seebrucker Räte und auch nicht Bürgermeister Glück, denn die hätten alle dafür gestimmt, so Mayer, der seit 18 Jahren Gemeinderat ist. Franz Heistracher mahnte an, dass der bei Gästen und Einheimischen beliebte Latschenweg im Bereich Straßham/Burgham »hergerichtet gehört«.

Am Ende der »historischen Bürgerversammlung« bedankte sich Zweiter Bürgermeister Hans Huber unter Applaus beim scheidenden Bürgermeister für dessen 24-jährige Arbeit an der Spitze der Einheitsgemeinde. Das Zusammenspiel zwischen Gemeindeoberhaupt, Gemeinderat und Verwaltung sei »immer ganz hervorragend« gewesen.

Glück meinte, dass er sich stets »als Bürgermeister aller drei Ortsteile« gesehen habe und bat auch in den verbleibenden Wochen um konstruktive Zusammenarbeit. In puncto »aktive Bürgerbeteiligung« appellierte er an die Bürger, am 16. März zur Wahl zu gehen. Der Gemeinderat arbeite stets für die Bürger und setze sich für deren Interessen ein. mmü