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Tradition und Brauchtum an Neujahr

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In den meisten Familien werden Neujahrstraditionen über Jahrzehnte, ja oft über Generationen hinweg gepflegt. Das ist im Chiemgau und im Rupertiwinkel nicht anders als in anderen Regionen des Landes. Am besten lassen sich diese Traditionen am Essen festmachen: Bei den einen gibt es zum Beispiel jedes Jahr Schweinswürstl, bei anderen Schweinsbraten mit Süßkraut und woanders vielleicht eine Ente.


Beliebt ist auch der Neujahrskarpfen. Dazu gehört, dass der Hausvater eine der Fischschuppen unter seinen Teller legt. Anschließend muss man die Schuppe das ganze Jahr über in der Geldbörse aufbewahren, was einen prall gefüllten Geldbeutel garantieren soll.

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Manche pflegen auch den Brauch, am Neujahrstag Linsensuppe zu essen, damit das Kleingeld im neuen Jahr nie ausgehen möge. In anderen Gegenden spricht man dies dem Verzehr von Sauerkraut zu. In den vielen ländlichen Bereichen der Alpenregion ist das »Räuchern«, das Begehen der Wohn- und Arbeitsräume und Ställe mit gesegnetem Weihrauch, üblich, um die Dämonen zu vertreiben. Ein weiterer Brauch ist das Neujahrsanschießen, das noch heute im Berchtesgadener Land und im Rupertiwinkel gepflegt wird.

Mit Neujahr sind auch die unterschiedlichsten Facetten des Aberglaubens verbunden. So bemüht sich zum Beispiel die Hausfrau seit jeher, über Neujahr keine Wäsche zum Trocknen hängen zu lassen, da dies Unglück und viel Arbeit im kommenden Jahr mit sich bringen soll.

Heimatschriftstellerin beschreibt alten Brauch

Früher, so berichten die Heimatschriftstellerin Franziska Hager (1874 – 1960) gab es im Chiemgau einen Neujahrsbrauch, von dem heute nur noch die wenigsten wissen: das Krageln. Die Trägerin des Traunsteiner Ehrenrings berichtet in dem Buch »Drudenhax und Hallelujawasser«, in dem sie Volksbräuche im Jahreslauf beschreibt, darüber wie folgt:

»Bei der ersten Begegnung, daheim in den vier Wänden und draußen im Dorf, kam es darauf an, als erster zu sprechen und den Glückwunsch zu sagen. Dabei gab es eine Art, die heute nicht mehr denkbar wäre. Sie stammt aus der Zeit, da jeder im Dorf jeden kannte; in der die Gemeinschaft so klein war, dass jeder jeden grüßte. (...) Es war damals im Chiemgau der Brauch, den anderen, dem man Glück wünschte, zu krageln. Der Glücksbringer schlich sich an. Mit den Händen umschloss er, von hinten kommend, den Hals des anderen und drückte zu. Drosseln bedeutete Glück und Kraft.« Dabei sagte der Kragler: »Was gibst mir, wenn i dir Glück wünsch?« -K.O.-