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Teisendorfer Tauschring gegründet

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Bei der Gründungsversammlung trafen sich (vorne von links) Frank Bechmann, Bettina Irlacher und Stefan Grüngäugl (alle gehören dem Organisations-Team an) sowie (hinten von links) Hermann Sandmeier, Nina und Martin Schmid, Monika Grünäugl, Sepp Irlacher, Tamara Kern und Gisela Bechmann. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf – In einer Zeit, in der kaum noch ein Großfamilien-Verbund funktioniert, sucht eine Gruppe von Teisendorfern eine neue Form zur Stärkung des gesellschaftlichen Miteinanders: Im Pfarrheim ist der »Teisendorfer Tauschring« gegründet worden. Bei der Selbsthilfe- und Nachbarschaftshilfe-Einrichtung werden Fähigkeiten und Sachwerte geldlos getauscht. Verrechnet wird mit einer internen Zeit-Währung, dem »Andreas-Taler«.


Auf den Namen kamen die Gründer wegen des heiligen Andreas im Gemeindewappen. Ideengeber Stefan Grünäugl aus Rückstetten sagte dazu: »Es ist sicher sinnvoll, mit einer kleinen Gruppe zu starten, um die anfallenden Organisationsarbeiten zu verteilen und Strukturen zu schaffen, die ein gesundes Wachstum des Tauschrings ermöglichen.« Grünäugl hat seit 15 Jahren Erfahrungen mit Tauschringen, die es unter anderem in Traunstein, Trostberg, Traunreut und Mühldorf gibt.

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Früher engagierte er sich in einer solchen Initiative in Ainring, die sich inzwischen aufgelöst hat. Aktuell macht er mit seiner Familie noch bei der Tauschbörse Traunstein mit. Da dort vielen die Entfernung zu Rückstetten zu groß war, beschloss die Familie Grünäugl, selber in Teisendorf etwas Ähnliches ins Leben zu rufen.

Neben Grünäugl erklärten sich Bettina Irlacher und Frank Bechmann bereit, im Organisations-Team mitzuwirken. Nina Schmid will sich um das Auf- und Zusperren des Raums kümmern. Der Teisendorfer Tauschring ist ein »Zusammenschluss nach BGB« (Bürgerliches Gesetzbuch), kein Verein. Das Organisations-Team betreut unter anderem die Buchführung, Mitgliederverwaltung und -werbung, den Internet- und Facebook-Auftritt oder Rundmails zu aktuellen Themen. Bei Bedarf soll sich das Team, das auch noch Zuwachs brauchen kann, alle vier Wochen treffen.

Vieles spricht nach Ansicht der Gründer für einen Tauschring: Er ermöglicht mehr Lebensqualität für jene, die nicht jede Dienstleistung auf dem freien Markt bezahlen können oder wollen. Der Gedanke von Recycling, Reparatur und Wiederverwertung wird gefördert, ebenso wie nachbarschaftliche Beziehungen. Neu zugezogene Mitbürger finden auf diese Weise leichter Kontakt. Ein Tauschring setzt bei den Fähigkeiten jedes Einzelnen an und nicht beim Mangel. Es gibt kein Gefälle zwischen Gebenden und Nehmenden. Bewohner, Projekte und Vereine werden zur Vernetzung auf lokaler Ebene angeregt. Das Wissen und die Erfahrung älterer Menschen können allen zugänglich gemacht werden – und außerdem macht Tauschen einfach Spaß.

Mitglieder können Einzelpersonen, Familien und Organisationen werden. Für den Verwaltungsaufwand wird ein jährlicher Mitgliedsbeitrag erhoben. Für jedes Mitglied wird ein »Andreas-Taler«-Konto eröffnet, das von einem Beauftragten im Organisations-Team geführt wird. Das Konto darf bis maximal 25 Andreas-Taler im Minus und 200 Andreas-Taler im Plus sein. Für jeweils 15 Minuten Arbeit wird auf den Mitgliedskosten der Tauschpartner ein »Andreas-Taler« verbucht.

23 Rubriken stehen zur Auswahl für die Tausch-Aktionen. Rund ums Haus drehen sich die Bereiche Haushalt, Reparaturen und Handwerk, Wohnung/Ferienwohnung oder Garten und Pflanzen. Unter den Punkt »Haustiere« fallen zum Beispiel das Gassigehen mit dem Hund, Stallhilfe oder Urlaubsbetreuung, unter den Punkt »Kleidung und Handarbeit« das Stopfen von Strümpfen, das Umnähen von Kleidung oder das Erneuern von Reißverschlüssen. In der Rubrik »Auto und Fahrrad« können Tauschpartner Anhänger verleihen, Autos von innen und außen pflegen, Fahrräder reparieren und vieles mehr. Kinderbetreuung gehört ebenso ins Programm des Tauschrings wie Pflege und Altenpflege oder Lebenshilfe und Beratung.

Geleistet werden können auch Sprach- oder Musikunterricht, Koch-, Grill- oder Backkurse oder Ernährungs- und Diätberatung. Wellness, Filmaufnahmen, Geschirrverleih, Entspannungsübungen, Reiseplanung, das Ausfüllen von Formularen, Hilfe bei Computer und Internet, Bergtourenberatung, Kuchen oder Torten backen – es gibt fast nichts, was nicht getauscht werden kann.

Nun hoffen die Gründer des Teisendorfer Tauschrings, dass viele Bürger mitmachen. Interessenten können sich an die Familie Grünäugl wenden unter Telefon 08666/69 48. vm