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Politik und Spritzgebäck

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Spritzgebäck macht man am besten zu zweit: Susanne Ramsauer drückt den Teig in den Fleischwolf und ihr Mann, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, dreht geduldig das Holzbrett und fängt die Teigschlange auf. (Foto: Augustin)

Weihnachten, das bedeutet für den Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer »absolute Zeitsouveränität« und »die Gewissheit, dass ich zwei Wochen absolute Ruhe habe«. Naja, ganz so absolut ist die Ruhe als Bundesminister freilich nie, »der eigene Laden (Anm. der Redaktion: das Ministerium) läuft weiter«. Aber nur in Notsituationen unterbricht der 59-Jährige seinen Weihnachtsurlaub. Ansonsten widmet er sich in erster Linie seinem Fünf-Mäderl-Haus oder stapft mit den Langlaufskiern querfeldein durch den Schnee. Auf diese Weise erholt sich der Minister vom anstrengenden Politikalltag in Berlin.


Leger gekleidet, mit einer Tasse heißem Punsch in der Hand, sitzt er in der Küche seines Familiensitzes in Traunwalchen und plaudert über Weihnachtsrituale. Von den vielen Fotos auf dem Kühlschrank im Hintergrund lächeln seine vier Töchter herunter. Frau Susanne portioniert schon mal den Platzerlteig, muss allerdings auf der Hut sein: »Als Teig schmeckt das optimal und im gebackenen Zustand büßt es im Geschmack nicht viel ein«, begründet Peter Ramsauer sein Faible für Spritzgebäck, während er immer wieder auf die Küchenplatte greift, um sich ein Stück Teig zu stibitzen. Das Rezept stammt von seiner Mutter, erzählt der Minister und zeigt den handgeschriebenen Zettel.

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Lametta und Spritzgebäck – diese zwei Dinge gehören für Ramsauer zu Weihnachten: »Aber seit ich verheiratet bin, gibt es kein Lametta mehr.« Susanne Ramsauer schmunzelt: »Verchromtes Sauerkraut sag ich dazu.« Die Aufgabenverteilung an Weihnachten ist klar: Frau Ramsauer ist für das Christbaumschmücken zuständig – »Christbaumputzen« verbessert die gebürtige Fränkin. Und wie es bei ihr zu Hause Brauch war, kommen an den Baum nur Strohsterne, Holzengerl und Wachsschmuck, »keine Kugeln, kein Lametta«. »Ich muss das Ding am Vorabend reinschleppen«, schildert Peter Ramsauer seinen Part. Zuvor hat die Familie den Baum für gewöhnlich gemeinsam im eigenen Wald ausgesucht. Das Aufstellen ist wiederum Sache des Bundesbauministers, »während fünf Frauen drumrumstehen und warten, dass der Baum umfällt und den Vater begräbt«, neckt Susanne Ramsauer ihren Mann.

Aber zurück in die Küche: Wenn schon kein Lametta, dann zumindest Spritzgebäck. »Und das geht am besten zu zweit«, so Ramsauer, bindet sich die Kochschürze um und gesellt sich zu seiner Frau an den Fleischwolf. Sie drückt den Teig in die Maschine, er hält geduldig das Holzbrett und fängt die Teigschlange auf.

»Plätzchenbacken war die Domäne meiner Schwiegermutter«, erzählt Susanne Ramsauer. »Die hat mindestens 15 Sorten gemacht.« Heute sei die Auswahl im Hause Ramsauer überschaubarer. »Ich mach Plätzchen, die relativ schnell gehen.« Die Töchter backen dann auch noch zwei, drei Sorten. Und Peter Ramsauer hilft, wenn er denn da ist. Als gelernter Müllermeister ist er geübt in diesen Dingen. Er schneidet den Teigstrang in kürzere Stücke und formt »S« auf dem Blech. Seine Frau wirft noch einen prüfenden Blick darauf, ehe das Blech in den Ofen wandert. Ramsauer setzt sich wieder an den Tisch und nimmt noch einen Schluck Punsch.

»Extrem überschaubar« sei der Geschenkeaufwand in der Familie, erzählt der Minister. Er äußere nie einen Wunsch – sehr zum Missfallen seiner Frau – zeigte aber stolz das Geschenk vom letzten Jahr: Eine Hülle für sein Mobiltelefon mit einem Bild seiner vier Töchter auf der Rückseite. Auch ansonsten wird bei Ramsauers am Heiligen Abend kein großes Trara veranstaltet. Zu Essen gibt es – nach fränkischer Tradition – Nürnberger Rostbratwürstel. Und vor der Bescherung versammelt sich die Familie um den Baum, Ramsauer setzt sich ans Klavier und die Mädls singen bzw. spielen mit. »Kaminholz klauben und einheizen« seien überdies seine festen Aufgaben zum Fest. Susanne Ramsauer aber schiebt nach: Endlich mal für die Familie Zeit haben und da sein, das sei die Hauptsache.

Der Minister wirft einen Blick auf den Kalender über dem Küchentisch: »Am 20. Dezember ist in Berlin Schluss, bis Heilig Drei Könige. Das sind über zwei Wochen.« Dann geht der Politikbetrieb mit der Klausurtagung in Wildbad Kreuth weiter. Welche Rolle der noch amtierende Minister dabei einnehmen wird, sagt er nicht. »Die drei Parteivorsitzenden haben das so verabredet.« Auch will er nicht kommentieren, dass jüngst in einem Artikel berichtet wurde, er bleibe Bundesverkehrsminister. »Das sind die Wochen der Kaffeesatzleserei.« Dann muss er aber auch schon wieder weitermachen. Seine Frau steht am Fleischwolf und wartet. Ramsauer steckt sich noch ein Stück rohen Teig in den Mund, ehe er sich mit dem Holzbrett wieder an die Küchenplatte stellt. ka