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Olympia 2022 erhitzt Gemüter in Reit im Winkl

Reit im Winkl. Nicht viel war bisher nach außen gedrungen, wie der traditionsreiche Wintersportort Reit im Winkl sich bei einer Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022 in München, Berchtesgaden und dem Chiemgau verhalten werde. Zunächst war die Rede davon, die Langlaufwettbewerbe am Ort durchführen zu dürfen. Entsprechende Gespräche mit Grundstücksbesitzern in Blindau waren dem Vernehmen nach auch bereits positiv verlaufen. Aber dies war bald schon wieder vom Tisch, nachdem Reit im Winkl von offizieller Seite vom Tableau der Austragungsorte gestrichen worden war. Nun befasste sich der Gemeinderat mit dem Thema.

Auf diesem Bild ist im Hintergrund der Ortsteil Blindau zu sehen, hier waren die Langlaufwettbewerbe geplant, die jetzt für Ruhpolding vorgesehen sind.

Bedenken gegen das Olympische Komitee

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Es entbrannte eine kontrovers geführte Diskussion. Mehrheitlich stimmten die Räte zwar zugunsten einer Unterstützung dieser Bewerbung, es wurde aber fraktionsübergreifend auch heftige Kritik laut. Anstoß nahm Gemeinderat Wolfgang Hechtl (früher Neue Liste, jetzt parteilos) beispielsweise an den veranschlagten Kosten für den Chiemgau Tourismus für die kommenden drei Jahre. Diese seien zwar auf 395 000 Euro »gedeckelt«, aber wer sage, dass das reiche, wer zahle denn höchstwahrscheinlich auftretende Mehrkosten? »Die Olympiabewerbung von 1986 war schließlich zehnmal teurer als geplant«, betonte Hechtl. Diesen Gedanken nahm auch Andreas Mühlberger (Freie Wähler) auf: »Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir gegen den Mitbewerber Oslo eine Chance haben und damit ist dieses Geld umsonst ausgegeben.« Laut und energisch vorgetragen wurden aber auch grundlegende Bedenken gegen das Olympische Komitee: »Sobald wir als Ausrichter feststehen, werden wir faktisch enteignet und entmachtet«, sagte Mühlberger. Selbst Landespolitiker würden hier keinen Einfluss mehr geltend machen können.

In die Kritik der Räte mischte sich sowohl die Sorge vor der Ohnmacht gegen das weltweit operierende IOC, wie auch die Gefahr, dass Reit im Winkl verpflichtet werden könnte, Flächen zur Verfügung zu stellen. In den Raum gestellt wurden aber auch mögliche wirtschaftliche Nachteile – etwa, weil während der Spiele die Zufahrt nach Reit im Winkl über Ruhpolding nur noch sehr erschwert möglich sein werde.

Gemeinderat Michael Neumaier (Freie Wähler) wollte sich bei der Grundfrage, ob sich Bürgermeister Josef Heigenhauser bei Verhandlungen sich als Befürworter der Bewerbung positionieren soll, nicht festlegen. Er schlug vor, doch das Ergebnis des Bürgerentscheides abzuwarten, »dann sehen wir ja, was die Bürger wollen und können uns danach richten«. Diesem Vorschlag trat der Zweite Bürgermeister Andreas Heigenhauser (CSU) entgegen: »Wir sind ein weithin bekannter Wintersportort, wir sollten hier ein ganz klares Pro für Olympia geben.«

Michael Neumaier stellte daraufhin den Antrag, den Bürgerentscheid abzuwarten, der Bürgermeister solle sich öffentlich in dieser Frage bis dahin »neutral« verhalten. Diesen Antrag lehnten acht Gemeinderäte ab, nur sechs befürworteten ihn.

Wenig objektiv fand Gemeinderat Georg Speicher (Freie Wähler) die »Amtliche Abstimmungsbenachrichtigung« zum Bürgerentscheid. »Hier werden alle möglichen Vorteile solcher Winterspiele aufgeführt, über mögliche Nachteile und Risiken ist dagegen nichts zu erfahren.« Anstoß nahm er auch an einer Werbefläche, welche die Initiative »OlympiJa 2022« im Bereich des ehemaligen Grenzübergangs aufstellen will, auch dieser Antrag war Bestandteil des Tagesordnungspunktes. Eine einseitige Befürwortung, ohne dass die Gegner ihre Sichtweise bekunden, finde er unausgewogen.

Befürworter und Gegner dürfen Werbefläche aufstellen

Bürgermeister Josef Heigenhauser, der um Zustimmung der Räte bemüht war, konterte der Reihe nach die vielen Einwände. Fünf der Gemeinderäte votierten am Ende gegen den Antrag. Neun Räte dagegen gaben dem Bürgermeister ihre Zustimmung dafür, dass Heigenhauser bei den zeitnah folgenden Sitzungen als Befürworter der Bewerbung für die Winterolympiade 2022 in dieser Region auftreten soll. Platz fand im Beschluss auch noch, dass auch den Bewerbungsgegnern das Recht zugestanden wird, ebenfalls ein Plakat gleicher Größe aufstellen zu dürfen, um dadurch auf ihre Bedenken hinzuweisen. ost