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Mit dem Heimatbuch ist ein großer Wurf gelungen

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Fast 800 Seiten und 1000 Bilder umfasst das neue Ruhpoldinger Heimatbuch. (Foto: Schick)

Ruhpolding – Nach eineinhalb Jahren intensiver Vorbereitung und geschichtlicher Detailarbeit ist das neue Ruhpoldinger Heimatbuch mit knapp 800 Seiten Umfang rechtzeitig vor Weihnachten fertiggestellt worden. Am Sonntag um 19 Uhr wird das gelungene Nachschlagewerk im Rahmen einer kleinen Feier im Hotel zur Post der Öffentlichkeit vorgestellt.


Herausgeber ist die Gemeinde Ruhpolding, verfasst wurde die Chronik von Helmut Müller sen. und Alois Auer mit Unterstützung eines Helferkreises. Der Einband ist in blauem Feinleinen gehalten, die Aufschrift sowie das Gemeindewappen in goldener Prägung aufgedruckt. Die grafische Gestaltung lag in den Händen von Andreas Plenk. Gedruckt wurde es in der Druckerei Miller in Traunstein.

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Sieht man vom 1998 erschienenen Nachdruck ab, ist die vorliegende Edition die dritte Ausgabe innerhalb von 90 Jahren. 1924 erschien die erste Chronik, die der damalige Kaplan und spätere Pfarrer von Großkarolinenfeld, Peter Bergmaier, verfasst hatte. 30 Jahre später überarbeitete der Geistliche das Heimatbuch in Zusammenarbeit mit Altbürgermeister Bartholomäus Schmucker und dessen Sohn Leonhard. 1983 gab es eine Neuauflage des damaligen Kurdirektors Alf Gall.

Die Neuauflage trägt eindeutig die Handschrift der Hauptprotagonisten Helmut Müller und Alois Auer. Bei ihnen liefen in den letzten Monaten die Fäden zusammen. Obwohl sie mit ihren eigenen Recherchen fast jede Minute eingespannt waren, musste nebenbei das weitere Material gesichtet, geprüft und den Hauptkapiteln zugeordnet werden.

Entstanden ist eine faszinierende Chronik, die alle Facetten von der frühzeitlichen bis zur aktuellsten Geschichte Ruhpoldings behandelt – mit teilweise sensationellen neuen Erkenntnissen. So stieß Helmut Müller bei seinen Nachforschungen auf eine Namensurkunde von 837, die erstmals den Namen eines Grafen »Hruotpald« bezeugt, also fast einhundert Jahre früher als die Pouchskeho- (Buschschachen) Urkunde von 924. Auch andere Urkunden wie die eines »Chunradus«, genannt der »Celler«, der wegen seiner Güter »im Misenpach« mit dem Domkapitel zu Salzburg im Streit lag, geben einen völlig neuen Blickwinkel auf die Vorzeit und ihre Beurteilung aus heutiger Sicht.

Ganz neu eingearbeitet wurde das nachdenklich stimmende Kapitel »Aufstieg und Herrschaft der NSDAP Ruhpolding«, das Gastautor Gerd Evers verfasst hat. Obwohl sich die Quellenlage zur politischen Entwicklung in der Gemeinde äußerst lückenhaft darstellte, reflektiert der Beitrag auf elf Seiten doch recht anschaulich die Geschehnisse in dieser unrühmlichen Epoche.

Erfreulicheren Fakten konnte sich Alois Auer widmen. Als mittlerweile pensionierter Geschäftsleiter der Gemeinde und akribischer Hüter des Gemeindearchivs beschäftigte er sich mit der Entwicklung der gemeindlichen Verwaltung, dem Leben und den Geschehnissen in der Gemeinde, der Eingemeindung gemeindefreier Gebiete (dadurch vergrößerte sich die kommunale Fläche von 2,7 auf 8,5 Hektar), der Wildbachverbauung sowie der Ortskernumfahrung. Als ehemaliger Skiclub-Vorsitzender ist ihm die Abhandlung über den Biathlonsport meisterhaft gelungen.

Zug um Zug wurden auch fast alle Teilbereiche überarbeitet, ergänzt und auf den neuesten Stand gebracht; unter anderem die Rubriken Tourismus, Sitten und Gebräuche im Wandel der Zeit oder Volksmusik und Gesang. Helmut Müller wird während der Präsentation, zu der alle Bürger willkommen sind, die geschichtliche Entwicklung des Dorfes Revue passieren lassen. ls

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