Kein Mobilfunk-Vorsorgekonzept für Teisendorf

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Funkmasten stehen auf einem Gebäude in Teisendorf. Auf einem der Masten hat ein Storchenpaar in diesem Jahr sein Nest gebaut. (Foto: Konnert)

Teisendorf – Der Markt lässt kein Mobilfunk-Vorsorgekonzept für Teisendorf erstellen. Mit zwölf zu fünf Stimmen hat der Gemeinderat den Bürgerantrag abgelehnt, den die Bürgerinitiative »Gesundes Teisendorf« eingereicht hat. Da die Baugenehmigung für den neuen Funkmasten in Oberteisendorf noch nicht erteilt sei, könne man eventuell noch überprüfen, ob dieser Standort geeignet sei, so Bürgermeister Thomas Gasser. Da dies aber nicht Thema des Antrags war, wurde darüber nicht weiter abgestimmt.


Den Bürgerantrag zur Konzepterstellung hatten 178 Bürger der Marktgemeinde unterschrieben – womit die in der Gemeindeordnung festgehaltene Forderung, dass ein Prozent der Einwohner die Initiative unterstützen muss, deutlich erfüllt war. Konkreter Anlass für die Initiative ist der geplante Bau eines Funkmastens am Sportplatz Oberteisendorf, den viele Anwohner ablehnen. Der Bau- und Umweltausschuss hat in seiner Maisitzung den Antrag geprüft und seine Rechtmäßigkeit festgestellt. Die weiteren Entscheidungen zum Antrag mussten nun vom Gemeinderat gefasst werden.

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Nach Ansicht der Antragsteller hat die Gemeinde das Recht, die maximale Funkbelastung festzulegen, und die Pflicht, das Vorsorgeprinzip durchzusetzen. Unter anderem wird in dem Bürgerantrag gefordert, geeignete Standorte für Funkmasten auszuweisen und diese auch im Flächennutzungsplan einzutragen. Sensible Bereiche wie Schulen, Kindergärten, Seniorenheime und Wohnheime für Behinderte sollten besondere Berücksichtigung finden. Die Gemeinde solle nur dann eigene Grundstücke für Sendeanlagen zur Verfügung stellen, wenn die Standorte vertraglich gesichert zu einer Verminderung der Strahlenbelastung beitragen, die Sendeleistung keine Indoorversorgung bewirkt, der Einsatz von Sendefrequenzen über 2,6 Gigahertz ausgeschlossen wird und der Betreiber die Gemeinde von der Haftung ausschließt.

Zu der Sitzung hatte Bürgermeister Thomas Gasser den Baubiologen Manfred Hofmeister aus Marzoll eingeladen, ein Spezialist im Bereich baubiologischer Messtechnik sowie gesundes Wohnen und Arbeiten. In seinem Vortrag zum Thema »Elektrosmog-Mobilfunk (5G)« ging Hofmeister zuerst auf Begrifflichkeiten wie Elektrosmog, Elektrostress, elektrische und elektromagnetische Felder, Frequenzen und ähnliches ein. Der Elektrosmog könne, so Hofmeister, das Nervensystem, den Hormonhaushalt, die Chromosomen und Zellen beeinflussen und auch stören. Eine zu lange und zu starke Elektrosmogbelastung könne zu verschiedenen Krankheiten führen.

Hofmeister führte weiter aus, wie man sich selbst helfen kann und welche Möglichkeiten es zur Reduzierung der Belastung gibt. Man müsse zwischen den offiziellen Grenzwerten unterscheiden, die nur auf Kurzzeitbelastungen ausgerichtet sind, und den Vorsorgewerten, die Wissenschaftler empfehlen und die die Langzeitbelastung im Auge haben. Letztere seien deutlich niedriger und berücksichtigten neben der Belastung durch Erwärmung auch andere biologische Effekte auf den Organismus.

Das beste Vorsorgeprinzip sei es, die Exposition zu verringern. Hier könne jeder auch selbst vieles tun, wie beispielsweise den Wlan-Router nicht in die Schlafräume stellen, das Handy nicht direkt an den Kopf halten, es nachts nie unter das Kopfkissen oder nah an den Körper legen, Endgeräte nicht am Körper tragen und vieles mehr. Auch Abschirmungen der Wohnungen durch bauliche Maßnahmen seien möglich, bedürften aber einer fachlichen Begleitung.

Die Kommune sieht Hofmeister im Zweispalt zwischen der Bereitstellung einer guten Versorgung und der möglichen Reduktion der Strahlungsdichte durch eine gute Standortwahl. Sein Rat sei es, nochmal zu prüfen, ob der Standort in Oberteisendorf geeignet ist und ob man ihn zur Versorgung mit Internet in der Kommune wirklich braucht.

Bei den anschließenden Fragen, die die Gemeinderäte dem Referenten stellten, zeigte sich rasch, dass schnelle und sichere Antworten und Lösungen zu diesem Themenkomplex schwierig sind und viele Unsicherheiten bleiben, die auch durch ein Vorsorgekonzept nicht abschließend beantwortet werden können. So wäre unter Umständen das Nachrüsten bestehender Masten sinnvoll, bevor neue Masten errichtet werden – allerdings nur, wenn diese Masten außerhalb bewohnter Gebiete stehen. Andernfalls würde sich durch Aufrüstung die Strahlenbelastung der Anwohner erhöhen.

kon

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