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Kaum Erinnerungen bei den Zeugen

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Reichlich Alkohol im Blut hatten die Beteiligten einer Diskoschlägerei am frühen 17. November 2012 in Traunreut. Zwei 20 und 29 Jahre alte »Akteure« landeten wegen vierfacher gefährlicher sowie wegen vorsätzlicher Körperverletzung im Frühjahr 2013 vor dem Amtsgericht Traunstein. Der 29-Jährige kam mit neun Monaten zur Bewährung davon, während der 20-Jährige mit dreieinhalb Jahren Jugendstrafe büßen sollte.


Staatsanwalt Christian Sattelberger legte Berufung ein. Jetzt beleuchtete die Jugendkammer Traunstein unter Vorsitz von Richter am Landgericht Stefan Barthel die Ereignisse in und vor der Diskothek »Ground Zero«. Weil wichtige Zeugen gestern nicht greifbar waren, wird die Verhandlung am 30. August um 14 Uhr und am 17. September um 9 Uhr fortgesetzt.

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Eines der späteren Opfer hatte zuvor in einem anderen Lokal Geburtstag gefeiert. Zum Abschluss zogen er und seine Freunde in das »Ground Zero«, wo der 20- und der 29-Jährige waren. Nach Bestellung einer Flasche Schnaps kam es zu verbalen Streitigkeiten und einer Rangelei, bei der Fäuste flogen. Ein Mann trug ein blaues Auge, eine angebrochene Nase, Kopf- und Nackenschmerzen davon. Das zweite Opfer erlitt Schmerzen und eine blutende Nase, das dritte »nur« Schmerzen nach Schlägen ins Gesicht.

Wann was genau in jenen Morgenstunden geschehen ist, konnte die Berufungskammer gestern nicht abschließend klären. Zum einen waren die Erinnerungen der Zeugen teils nicht die Besten. Das lag sowohl an der seither vergangenen Zeit als auch am Alkoholkonsum zur Tatzeit. Einer der Geschädigten hatte so intensiv »getankt«, dass »kein gehaltvolles Gespräch möglich war«. Das hielt das spätere Protokoll der Polizei anlässlich der Strafanzeige zweier Opfer fest. Der Zeuge widersprach nicht, als der Kammervorsitzende gestern von »wahrscheinlich mehr als zwei Promille« sprach. Ein anderes Opfer hatte 1,46 Promille Alkohol im Blut, eine an der Schlägerei unbeteiligte junge Frau 1,88 Promille. Zum Zweiten konnte das Gericht gestern wichtige Zeugen nicht vernehmen. Einer lag im Krankenhaus, ein anderer weilte in Urlaub, der frühere mitangeklagte 29-Jährige hatte seinen Wohnsitz nach Italien verlegt.

Der einschlägig vorbestrafte 20-Jährige, dem Verteidiger Wolfgang Stinglwagner aus Altötting zur Seite steht, stellte sich gestern selbst als »Opfer« dar: »Ich bin unschuldig.« Er habe damals keinen Alkohol getrunken gehabt, sei nicht aggressiv geworden und habe nicht zugeschlagen. Seit acht Monaten sitzt der Bauhelfer jetzt in Untersuchungshaft.

Michaela Traud als Vertreterin der Jugendgerichtshilfe berichtete von schwierigen Familienverhältnissen des 20-Jährigen, von zeitweise starkem Alkoholkonsum, mehrfachem Schulwechsel ohne Schulabschluss und Berufsausbildung, von Gelegenheitsjobs, von sozialpädagogischer Betreuung, aber auch von Aussicht auf einen Arbeitsplatz. Der 20-Jährige habe nach eigenen Worten »in seiner Jugend keine Disziplin erfahren«. Durch aggressives Verhalten habe er Anerkennung gesucht. »Er ist bereit, an sich zu arbeiten«, betonte Michaela Traud. Sie bescheinigte erhebliche Reifeverzögerungen und empfahl Anwendung von Jugendstrafrecht. Wegen der Vorstrafe komme nur eine Jugendstrafe ohne Bewährung in Betracht. kd