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In Bergregionen sind Neubaumaßnahmen schwer realisierbar

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Der Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbands, Anton Kreitmair, stellte sich den Fragen der heimischen Bauern. (Foto: M. Peter)

Palling – Beim Diskussionsabend in Palling stellte sich der Bezirkspräsident von Oberbayern des Bayerischen Bauernverbands, Anton Kreitmair, den Fragen der Ortsobmänner. Dabei ging es vor allem um die aktuelle Situation auf dem Markt, die Erbschaftssteuer und das Dauerthema Flächenverbrauch.


Nach der kurzen Begrüßung durch Kreisobmann Sebastian Siglreithmayer gab der Präsident ein kurzes Impulsreferat. Neben der aktuellen Marktsituation ging er auf das Thema Erbschaftssteuer, das durch die momentane Agrarkrise in den Hintergrund gerückt sei, ein. Denn mit einer Steueränderung könne wesentlich mehr Betriebskapital entzogen werden, das mit den Erträgen aus der Bewirtschaftung nicht mehr ausgeglichen werden könne. Dies zwinge die Hofnachfolger zum Verkauf von Flächen, meinte Kreitmair.

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Der Flächenverbrauch stellt ein Problem dar

Zum Dauerthema Flächenverbrauch stellte Hans Poller, der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft im Bauernverband, die Frage, ob dazu nicht verstärkt die Staats- und Kommunalwälder genutzt werden sollten, um die wertvollen landwirtschaftlichen Flächen zu schonen.

Bei der Ausweisung von Ausgleichsflächen gebe es bereits seit einigen Jahren Möglichkeiten, neue Wege zu gehen, sagte Anton Kreitmair. Doch bei der Umsetzung gebe es noch Luft nach oben.

Die Darstellung, dass Biobewirtschaftung das Gute und die herkömmliche Landwirtschaft das Schlechte sei, kritisierte der Ortsobmann von Traunwalchen, Frank Janetzky.

Der Bio-Bereich sei ein Wachstumsmarkt und jeder könne sich daran beteiligen, so Kreitmair. Doch dürfe nicht übersehen werden, dass es sich bei beiden Produktionsweisen um landwirtschaftliche Produkte in hervorragender Qualität handle. Mittlerweile sei es jedoch schon so weit, dass nicht nur die Bauern aus der herkömmlichen Landwirtschaft nicht mehr bauen könnten, sondern auch die Biobauern nicht mehr, weil die Tierhaltung allgemein sehr stark in Verruf gebracht worden sei.

Die schlechten Preise in den verschiedenen Landwirtschaftssparten, die Preispolitik sowie die Forderungen im Lebensmittelhandel wurden ebenso angesprochen. Der Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbands stellte die rhetorische Frage, ob es auf Dauer wirklich sinnvoll sei, wenn alles immer billiger werde. Der Verbraucher kaufe die Lebensmittel zu den Preisen, zu denen er sie angeboten bekomme, und setze auch gerne auf Sonderangebote. Das werde sich auch nicht ändern, fügte der Präsident an. Doch in diesen Zusammenhang könne er dann die Kritik und Diskussionen über die Exporte aus der Landwirtschaft nicht verstehen, bei denen sie auf anderen Märkten mit den Produkten höhere Preise erlösen. Deutschland exportiere eben in allen Bereichen hochwertige Produkte. »Warum nicht auch Lebensmittel?«, fragte er.

Josef Huber, Ortsobmann von Pittenhart, kritisierte, dass Landwirte von »selbsternannten Umwelt- und Tierschützern« oft als Umweltzerstörer und Tierquäler dargestellt würden. Hier müsse wieder mehr Sachlichkeit her und massiv gegen diese Strömungen vorgegangen werden, meinte er.

Dazu konnte Kreitmair berichten, dass bereits eine Organisation unter der Beteiligung landwirtschaftlicher Gruppen gegründet worden sei, die sich um die Imagearbeit kümmern werde.

Übersees Ortsobmann Josef Schmid meinte, dass es bei dem vorhandenen Arbeitsanfall in den landwirtschaftlichen Betrieben oft nicht einfach sei, noch ein Ehrenamt mit dem erforderlichen Zeitaufwand auszuüben. Dem stimmte Kreitmair zu. Doch gab er zugleich zu bedenken, dass bei einer eventuellen ständigen Arbeitsüberlastung die Abläufe geprüft werden sollten.

Beschränkungen und Bestimmungen

Die landwirtschaftlichen Betriebe im südlichen Landkreis seien meist sehr klein und stünden oft schon mit dem Rücken zur Wand, sagte der stellvertretende Ortsobmann von Reit im Winkl, Franz Mühlberger. Dazu kämen die Beschränkungen durch die verschiedenen Schutzbestimmungen wie FFH und Natura 2000, und Forderungen, wie dem Verbot der Anbindehaltung. Das führe in der Summe dazu, dass in diesen Betrieben das Licht ausgehen werde, so Franz Mühlberger. Und wenn die Lichter in den Betrieben in den Bergregionen ausgingen, würde in der Folge die Kulturlandschaft verloren gehen und die Tourismusbranche der Landwirtschaft folgen. Dazu meinte Kreitmair, wer neu baue, solle die moderne Technik in der Tierhaltung mit Laufstall nutzen. Doch gerade in den Dörfern und in den Bergregionen seien Neubaumaßnahmen nur schwer realisierbar. Wer dort die Anbindehaltung habe, solle diese auch behalten können.

Im Weiteren wurden noch die Investitionsförderung, Gewässerschutz mit Randstreifen und die Soforthilfen für die Milchviehhalter angesprochen. MP