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Gibt es für Radfahrer bald eine alternative Route durch Oderberg?

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Eine alternative Routenführung des Fahrradverkehrs über die Oderberger Straße in Richtung Gewerbegebiet mit Anschluss an den Geh- und Radweg nach Traunwalchen könnte nach Ansicht eines Experten die Verkehrssicherheit der Radfahrer erhöhen. (Foto: Rasch)

Traunreut – Eine alternative Routenführung für den Fahrradverkehr zwischen Traunwalchen und Traunreut könnte ein Lösungsansatz sein, um der gefährlichen Einmündung in die Sonnenstraße in Oderberg zu entgegnen. Zu diesem Ergebnis ist ein Verkehrsplaner gekommen, der von der Stadt beauftragt wurde, ein Handlungskonzept zu erarbeiten. Dieses wurde in der jüngsten Stadtratssitzung vorgestellt. Neben einer alternativen Routenführung stehen vier weitere Alternativen im Raum. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.


Seit über zwei Jahren wird im Stadtrat über eine Lösung diskutiert, um die Gefahrenquelle entlang des Gehwegs an der Ortsdurchfahrt Oderberg, der auch von Radfahrern genutzt werden kann, bei der Einmündung in die Sonnenstraße zu beseitigen. Zuletzt hatte der Stadtrat einen im Sommer 2015 gefassten Beschluss revidiert, bei der Einmündung in die Sonnenstraße eine Umlaufsperre zu installieren, um damit eine Vollsperrung der Einbahnstraße zu erreichen. Hintergrund waren Einsprüche der Anlieger und nicht zuletzt die Tatsache, dass im Bereich von Oderberg mehrere teilweise zusammenhängende Verkehrsprobleme bestehen.

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Daraufhin hat der Stadtrat beschlossen, einen Gutachter für ein Verkehrskonzept zu beauftragen. Dieses Verkehrskonzept sollte die Radwegsituation zwischen Traunreut und Traunwalchen beinhalten, die Problematik der Bushaltestellen und die Siemens Straße in Traunwalchen. Der mit dem Konzept beauftragte Verkehrsplaner Uli Glöckl von der Transver GmbH München hat fünf Lösungsansätze erarbeitet und dem Stadtrat vorgestellt.

Sperrung der Sonnenstraße als ungeeignet angesehen

In den Lösungsansätzen wurden Vor- und Nachteile gegenübergestellt und ein Fazit gezogen. Demnach wären eine Führung des Radverkehrs auf der Fahrbahn ebenso »ungeeignet« wie eine Sperrung der Sonnenstraße für den Verkehr oder eine Verbesserung der Sichtbedingungen. »Bedingt ungeeignet« wäre eine bauliche Anpassung der Einfahrt zur Sonnenstraße. Für »ratsam« wird eine alternative Routenführung des Radverkehrs gehalten.

Die neue Route aus Richtung Traunreut kommend würde in Oderberg über die Oderberger Straße in Richtung Gewerbegebiet führen und dort auf den neu ausgebauten Radweg entlang der Kreisstraße in Richtung Traunwalchen anknüpfen. Die Radfahrer aus Richtung Traunwalchen könnten vom Kreisverkehr aus entlang des Geh- und Radwegs ungehindert in die Oderberger Straße und weiter auf dem bestehenden Geh- und Radweg Richtung Traunreut gelangen. Nach Auffassung des Planers würde die weitgehend höhengleiche Alternativroute nur unwesentlich länger sein, und nicht als Umweg wahrgenommen werden, sondern als andere Route. Dadurch könnte der »Brennpunkt« in der Ortsdurchfahrt Oderberg quasi umfahren werden. Eine Umlaufsperre an der Einmündung in die Oderbergerstraße würde das Geschwindigkeitsniveau der Radfahrer senken und eine Querungsanlage an der Siemensstraße in Traunwalchen würde die Attraktivität der alternativen Route erhöhen.

Eine weitere Umlaufsperre für Radfahrer regt Glöckl auch vor der Einmündung in die Sonnenstraße an, um auch dort die Geschwindigkeit der Radfahrer zu senken. Sollte sich der Stadtrat für diese Lösung entscheiden, würden lediglich Baukosten für eine zusätzliche Beleuchtung sowie für die Querungsanlage und die Umlaufsperren anfallen. Ebenfalls als »ratsam« wird die Verlegung der Bushaltestellen in Oderberg gesehen.

Grüne wollen einen abschließbaren Pfosten

Die Grünenfraktion begrüßt eine Alternativroute. »Wir empfehlen mit Absprache der Verkehrsinitiative Traunwalchen-Oderberg grundsätzlich eine Umleitung«, sagte Martin Czepan. Unter anderem fordern die Grünen aber auch, den Radverkehr anstatt mit Umlaufsperren durch andere bauliche Mittel zu bremsen und den Autoverkehr in Traunwalchen auf 50 Stundenkilometer zu beschränken. Des Weiteren regen sie an, an der Einfahrt in die Sonnenstraße für den normalen Autoverkehr einen abschließbaren Pfosten anzubringen.

Auch Ernst Biermaier (FW) begrüßte eine Routenänderung. »Eine Änderung der Wegführung wäre die sinnvollste Lösung. Alles andere kostet nur Geld.« Das Gefahrenpotenzial werde reduziert und auch bei der Höhengleichheit mache es keinen großen Unterschied aus, so Biermaier. Sein Fraktionskollege Alfred Wildmann appellierte an die Vernunft der Radfahrer. »Vielleicht sagt dem Radfahrer die Vernunft, dass er einen bisserl längeren Weg auf sich nimmt.« Die Bürgerliste hingegen steht dem Vorschlag skeptisch gegenüber. »Wir bezweifeln, ob die neue Routenführung der ganz große Brüller ist«, sagte Fraktionssprecher Sepp Winkler. Die Bürgerliste vermutet, dass die Radfahrer weiterhin die kürzeste Verbindung suchen und die Alternativstrecke nicht angenommen werde.

Verkehrsreferent Roger Gorzel (Bürgerliste) forderte eine umgehende Schließung der Sonnenstraße mittels einer Umlaufsperre. Er erinnerte daran, dass erst kürzlich verbotenerweise ein Paketfahrer aus der Sonnenstraße gefahren sei und mit einer Fahrradfahrerin kollidierte. Die Frau sei erfreulicherweise nicht verletzt worden. Um die Option auszuschließen, dass die Radfahrer trotzdem entlang der Robert-Bosch-Straße fahren, sollte in der Konsequenz der Geh- und Fahrradweg als reiner Gehweg gewidmet werden.

Auf Vorschlag des Bürgermeisters einigte sich das Gremium, die Lösungsvorschläge in den Fraktionen zu beraten und dann eine endgültige Entscheidung zu treffen. Hans Kneffel (CSU) regte an, die Verlegung der Bushaltestelle als separates Thema auszukoppeln. ga