weather-image
-2°

Gesundheitsamt: Hauptgründe für Infektionen im Landkreis sind private Treffen

3.8
3.8
Traunstein: Hauptgründe für Corona-Infektionen im Landkreis sind private Treffen
Bildtext einblenden
Noch sind die Kapazitäten an der Teststation in Seiboldsdorf nicht ausgereizt. Doch der Andrang ist groß, weshalb die Betriebszeiten ausgeweitet werden sollen.

Auch im Landkreis Traunstein stehen die Ampeln auf Corona-Rot: Binnen weniger Tage wurden im Landkreis Traunstein zwei Corona-Inzidenz-Werte gerissen, die mit bedeutenden Einschnitten für die Bevölkerung einhergehen. Zunächst am Dienstag der Wert von 35 Infizierten pro 100.000 Einwohner, am Donnerstag dann die 50erLinie. Doch was bedeuten diese Zahlen und wie beurteilen Experten die Entwicklung in der Region. Das Traunsteiner Tagblatt hat im Gesundheitsamt und beim Klinikum Traunstein nachgefragt.


»Die Ampel steht auf Rot. Aufgrund der Überschreitung des Schwellenwerts von 50 Infizierten auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen ist für den Landkreis Traunstein ab sofort erhöhte Vorsicht geboten«, betont Dr. Wolfgang Krämer, Leiter des Gesundheitsamts Traunstein. Das aktuelle Infektionsgeschehen macht sich auch im Traunsteiner Klinikum bemerkbar. Noch bewertet man die Lage als »stabil«, wie Klinik-Pressesprecherin Sabine Segerer-Utz mitteilt.

Anzeige

Die Zahl der Neuinfektionen im Landkreis liegt aktuell im zweistelligen Bereich, die Zahl der Infizierten im Krankenhaus ist aber immer noch vergleichsweise niedrig. Woran das liegt, begründet Dr. Wolfgang Krämer vom Gesundheitsamt Traunstein so: »Aufgrund der steigenden Infektionszahlen innerhalb jüngerer Altersgruppen liegen derzeit noch vergleichsweise wenige schwerwiegende Erkrankungen vor. Außerdem ist das Immunsystem in den Sommermonaten stärker und weniger angreifbar.«

Ähnlich beschreibt Sabine Segerer-Utz die Situation: »Wir wissen, dass das Alter ein großer Risikofaktor ist. Aktuell sind aber vor allem junge Leute, die das Virus aus dem Urlaub mitgebracht haben, betroffen, die weniger stark erkranken oder nicht stationär behandelt werden müssen.« Doch dies könne sich jederzeit ändern, wenn die Infektionen wieder in Bereiche hineingetragen werden, wo besonders vulnerable Menschen leben, etwa in Alten- oder Pflegeheimen.

Dass es allerdings nur die ganz Jungen treffe, sei nicht ganz richtig, sagt der Chef des Gesundheitsamts, denn die Altersspanne der Infizierten liege überwiegend zwischen zehn und 60 Jahren.

Das Klinikum Traunstein sieht sich aber im Vergleich zum Frühjahr gut gerüstet für die nächste »Corona-Welle«. »Wir sind gut eingespielt und vorbereitet«, sagt Segerer-Utz. Auch habe man aus der heiklen Situation im Frühjahr gelernt. So seien die Beschaffung von Schutzmaterial gesichert, die Mitarbeiter geschult und die Hygienekonzepte stehen. Auch habe sich eine Eskalationsstruktur für die klinische Versorgung etabliert und die Krisenstäbe und -struktur seien abgestimmt. »Die Klinik ist vorbereitet, die Ausprägung der Welle ist jedoch nicht abschätzbar«, betont die Klinik-Sprecherin.

Keine Cluster sondern diffuses Geschehen

Was die aktuelle Lage von der im Sommer unterschiedet, ist, dass »aktuell das Infektionsgeschehen keinem bestimmten Cluster oder örtlichen 'Hotspot' zuzuordnen, sondern diffus ist«, betont Krämer. Das Infektionsgeschehen hat sich von einzelnen lokalen Ausbrüchen in die Fläche verlagert. Dies mache auch die Nachverfolgung der Kontakte problematischer. Allerdings seien die Contact-Tracer des Gesundheitsamts derzeit noch nicht am Ende ihrer Kapazitäten.

»Wir können noch alle Kontakte nachverfolgen, allerdings mit einem erhöhten Arbeitsaufkommen. Hatte im April 2020 ein Indexfall im Schnitt zwei bis drei Kontaktpersonen, so hat er jetzt oft um die 50. Das heißt, anstatt von drei Telefonaten führt man pro Indexfall nun um die 50. Zusätzlich zu dieser Information müssen Dokumentationen erstellt werden und Quarantäneschreiben versandt werden«, beschreibt Krämer die aktuelle Situation bei der Kontaktnachverfolgung. Wichtig ist es, diese Kontaktpersonen zeitnah zu informieren. »Das gelingt uns aktuell in ein bis zwei Tagen«, sagt Krämer. Man sei bemüht, Kontaktpersonen so schnell wie möglich zu informieren.

Was sind derzeit in der Region die Hauptursachen für Infektionen? Diese Frage lasse sich laut des Chefs des Gesundheitsamts nicht auf ein Ereignis reduzieren: »Als Hauptursachen gelten insbesondere private und familiäre Feiern und Zusammenkünfte, Aufenthalte in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Rosenheim sowie Reiserückkehrer.«

Und was kann man tun, um die Verbreitung des Virus einzudämmen? Maske tragen, empfiehlt Dr. Krämer und appelliert daher an die Landkreis-Bevölkerung: »Nehmen Sie die Maßnahmen ernst! Halten Sie Abstand und tragen Sie eine Maske, wenn Sie Abstände nicht einhalten können! Sie schützen damit sich selbst und Ihre Mitmenschen!« Denn eine generelle Maskenpflicht sei Krämers Ansicht nach das geeignete Mittel zur Bekämpfung der Pandemie, falls Abstände nicht eingehalten werden können, die Belüftung unzureichend ist oder die Aufenthaltsdauer verhältnismäßig lang ist.

Auch wer um »5 vor 4« kommt, wird noch getestet – Großer Andrang im Covid-19-Testzentrum in Seiboldsdorf

Zu langen Warteschlangen und erheblichen Staus kam es in den vergangenen Tagen rund um das Testzentrum in Seiboldsdorf. Wie sehr das Testzentrum derzeit ausgelastet ist, beschreibt Michael Reithmeier, Sprecher des Landkreises, so: »Aktuell sind noch ausreichend Kapazitäten vorhanden. Jedoch stellen wir fest, dass sich Staus und längere Wartezeiten vor allem zu Beginn der Öffnungszeiten und an Montagen ereignen. Am Nachmittag sinkt die Zahl der Testungen. Die Verkehrslage ist dadurch schnell mal überlastet.« Zudem strapazierten die derzeitigen Straßensperrungen im Anfahrtsbereich (Blaue Wand Straße) die Situation zusätzlich.

Durchschnittlich werden pro Tag 220 bis 250 Tests vorgenommen. Abgewiesen werden müsse aber niemand. »Auch wenn jemand um '5 vor 4' kommt, wird er noch getestet«, beruhigt Reithmeier. Daher empfiehlt das Landratsamt, die gesamte Betriebszeit des Testzentrums, das montags bis freitags von 12 bis 16 Uhr geöffnet hat, zu nutzen, nicht nur die Mittagszeit.

Allerdings gebe es aufgrund des erhöhten Andrangs am Landratsamt Überlegungen, die Testzeiten auszuweiten. »Wir wollen damit den Andrang auf das Testzentrum entzerren und die Testbereitschaft in der Bevölkerung durch ein größeres Zeitfenster weiter erhöhen«, sagt Reithmeier. Konkrete Maßnahmen müssen aber derzeit noch abgeklärt werden, etwa mit dem Roten Kreuz, das derzeit die Abstriche nehme, sowie mit den Anliegern. »Reihentests werden bereits jetzt außerhalb der regulären Testzeiten vorgenommen, damit es hier nicht zu einem zusätzlichen Andrang kommt«, heißt es aus dem Landratsamt.

Auf das Ergebnis des Abstrichs müsse man derzeit weiterhin nur 24 bis 48 Stunden warten. Wie hoch dabei die Positivrate bei den in Seiboldsdorf genommenen Abstrichen ist, darüber kann man im Gesundheitsamt keine konkrete Aussage treffen. »Das Gesundheitsamt wird nur über positive Fälle des eigenen Landkreises informiert. Hat ein im Landkreis Getesteter seinen Hauptwohnsitz in einem anderen Landkreis, so wird das Testergebnis an das Gesundheitsamt im Heimatlandkreis gemeldet. Wir gehen von einer Positivrate von etwa einem Prozent aus«, sagt Reithmeier auf Nachfrage unserer Zeitung. vew

Mehr aus der Stadt Traunstein