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Ein geheimnisvolles Taufbecken

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Johann Wilhelm von Mallinckrodt, der in den 50er Jahren noch auf der Burg das heutige Staatliche Landschulheim Marquartstein besuchte, besitzt ein bronzenes Taufbecken, das von Marquartstein aus in den Besitz des Komponisten Richard Strauss gelangte und heute wieder im Chiemgau ist. (Foto: Giesen)

Siegsdorf. Eine große bronzene Taufschale, um die sich noch viele Geheimnisse ranken, weist einen Weg von Marquartstein (wo vielleicht keineswegs ihre erste Station war) über Holland nach Siegsdorf auf. Anlässlich der Übereignung einer wertvollen Marienfigur an die katholische Kirche in Marquartstein durch die hier lebende Schauspielerin Elisabeth Wiedemann vor etwa einem Jahr erinnerte sich Hans von Mallinckrodt an einen wertvollen Gegenstand mit einer interessanten Geschichte, der gleichsam durch Zufall in den Besitz der Familie von Mallinckrodt in Siegsdorf geriet.


Wie Hans von Mallinckrodt erzählt, befand sich das Taufbecken mit über einem halben Meter Durchmesser einmal im Besitz des berühmten Komponisten Richard Strauss (1864 bis 1949).

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Bekanntlich heiratete Richard Strauss im Jahr 1894 in der Burgkapelle St. Veit in Marquartstein Pauline de Ahna und hielt sich noch viele Jahre später in den Sommermonaten immer wieder hier auf. In einer Villa der heutigen Burgstraße, damals »Prügelweg« genannt, wohnten seine Schwiegereltern, wo auch Strauss‘ berühmte Opern »Salome« und »Feuersnot« sowie viele sinfonische Dichtungen und Kunstlieder entstanden.

Eine Tafel an der Mauer der ehemaligen Villa de Ahna weist bis heute auf den berühmten Komponisten hin. Hans von Mallinckrodt erinnert sich, dass er in seiner Internatszeit im Landschulheim Marquartstein (1946 bis 1952) immer wieder »voller Ehrfurcht« an der Bronzetafel vorbeigelaufen ist.

Als im Jahr 1908 Garmisch zum Hauptwohnsitz der Familie Strauss wurde, erhielt der berühmte Maestro zum Abschied eine alte bronzene Taufschale, in deren Mitte ein Bild des heiligen Andreas mit dem berühmten Andreaskreuz eingraviert ist und darüber die Buchstaben K S A, das heißt »Kyrie Sankt Andreae«.

Bisher ist nicht klar, wie und durch wen das Taufbecken damals von Marquartstein in den Besitz von Richard Strauss gelangte. Durch ein Vermächtnis des Komponisten gelangte die Schale danach testamentarisch nach Holland.

Wie von Mallinckrodt erzählt, hatte eine holländische Verwandte, Gräfin Ruth Schimmelpenninck, die im Krieg beim Roten Kreuz arbeitete, als Dank für ihren Einsatz das Taufbecken von einer holländischen Dame geschenkt bekommen. Ein Brief auf der Rückseite dieser Schale vermerkte, dass die Dame das Becken von Richard Strauss übereignet bekommen hatte.

Gräfin Ruth Schimmelpenninck aber schenkte das Taufbecken zur Hochzeit ihres Neffen Hans von Mallinckrodt und Beatrice im Jahr 1972. So kam das Taufbecken wieder zurück in den Chiemgau, »dort, wo es hingehört«, sagte die Tante, wie sich von Mallinckrodt erinnert.

Noch sind die Geheimnisse um das Taufbecken nicht gelüftet. Hans Daxer, der sich immer sehr für Richard Strauss interessierte und zu seiner Zeit als Bürgermeister sogar eine heute nicht mehr bestehende Richard-Strauss-Gesellschaft in Marquartstein gründete, hat noch nie etwas von dem geheimnisvollen Taufbecken gehört. Ebenso wenig wie Rudolf Thanner, langjähriger Vorstand des Pfarrgemeinderats und ge-nauer Kenner der Marquartsteiner Kirchengeschichte.

1908 gab es die heutige Pfarrkirche in Marquartstein noch nicht, der Ort gehörte zur Pfarrei Grassau. Stammt das Taufbecken aus der Burgkapelle St. Veit? Aber warum ist dann ein Andreaskreuz eingraviert? Hans von Mallinckrodt will von einem Sachverständigen prüfen lassen, aus welcher Zeit die Taufschale genau stammt und ob Marquartstein tatsächlich seine »erste Station« war. Vielleicht kann der eine oder andere Marquartsteiner Bürger auch zur Aufklärung beitragen. gi