weather-image
21°

Drei Pfarreien wachsen zusammen

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Weihbischof Wolfgang Bischof zelebrierte den Gottesdienst zusammen mit den Priestern des Pfarrverbands. (Foto: Mix)

Traunreut – Der Pfarrverband Traunreut wurde offiziell errichtet. Weihbischof Wolfgang Bischof nahm die Erhebung vor (wir berichteten kurz). Beim Pontifikal-Gottesdienst in der Traunreuter Kirche wurde das Errichtungsdekret verlesen, mit dem die drei Pfarreien Mariä Geburt in Traunwalchen, Zum Heiligsten Erlöser in Traunreut und St. Georg in St. Georgen zu einem Pfarrverband zusammengeführt wurden. Hauptamtliche und Vertreter der Pfarrgemeinderäte betonten, sie alle wollten mithelfen, die drei Pfarreien zusammenzuführen. Es wurde aber auch nicht verschwiegen, dass dies durchaus nicht immer einfach sei.


Weihbischof Wolfgang Bischof erläuterte in seiner Predigt, dass die Christen bei den Unterschieden, die es natürlich überall gebe, eine gemeinsame Mitte hätten, auf die alle schauten. »Diese Mitte ist Jesus Christus«, so der Bischof. Enttäuschungen seien beim Zusammenschluss bisher selbstständiger Pfarreien sicherlich nicht auszuschließen, es müsse auch nicht unbedingt ein Liebesbündnis sein. Schließlich sei die Bildung von Pfarrverbänden aus der aktuellen Situation heraus notwendig geworden. Aber »Glaube kann auch in der Verbundenheit der Unterschiedlichkeit gelebt werden«, erklärte der Weihbischof.

Anzeige

Als sichtbares Zeichen des neuen Pfarrverbandes standen vor dem Altar drei Kerzen, die künftig in den drei Kirchen aufgestellt werden. Darauf ist zum einen das Logo des Pfarrverbandes zu sehen, die drei Kirchtürme in unterschiedlichen Farben für die jeweilige Pfarrei. Das Kreuz auf den Kerzen ist in Form eines Lebensbaumes dargestellt. Pastoralreferentin Dr. Melanie Lüking erläuterte: »Der Baum ist mit seinen Wurzeln fest im Boden verankert. Es werden Veränderungen auf uns zukommen, aber es ist wichtig, dass wir unsere Wurzeln weiterhin in Gott haben.« Wie ein Baum so brauche auch ein neuer Pfarrverband Zeit, um zu wachsen und zu gedeihen.

Identität bleibt erhalten

Stadtpfarrer und Pfarrverbandsleiter Thomas Tauchert betonte, dass die Identität der einzelnen Pfarreien erhalten bleibe und Gleichberechtigung herrschen solle. Man werde sicher nicht alle alten Strukturen erhalten können, aber: »Wir wollen nicht abschaffen, sondern gemeinsam überlegen, wie wir es in Zukunft am besten machen.« Einiges sei schon entstanden, viel Arbeit stehe aber noch bevor, bis die Pfarreien wirklich zusammengewachsen sind. »Wir sind erst am Anfang, sind dabei, uns kennen und schätzen zu lernen, uns zu respektieren«, betonte Thomas Tauchert.

Der Gottesdienst und der anschließende Stehempfang wurden von allen drei Pfarreien organisiert und gestaltet. Die Lesungen und Fürbitten wurden von Vertretern aus St. Georgen, Traunreut und Traunwalchen vorgetragen. Eine große Schar Ministranten aus allen Teilen des Pfarrverbandes nahm am Gottesdienst teil, ebenso sämtliche Priester, Diakone, Pastoralreferenten und Fahnenabordnungen von Vereinen aus allen drei Stadtteilen. Lediglich die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes lag allein beim Traunreuter Kirchenchor unter Leitung von Franz Mitterreiter.

Beim Stehempfang nach dem Gottesdienst stellten die Vorsitzenden der drei Pfarrgemeinderäte ihre Vorstellungen von der künftigen Zusammenarbeit dar. Irmi Zehetmaier (St. Georgen) betonte, es sei eine große Herausforderung, die gewachsenen Strukturen in dieser alten Pfarrei mit der jungen aus Traunreut zusammenzuführen. Sie hoffe auf »Wertschätzung« der über Generationen gewachsenen Traditionen in der Pfarrei und dass diese bewahrt werden. »Wir wissen um die Notwendigkeit der Veränderung und die Chancen dieser neuen Verbindung«, so Zehetmaier, »und wir wünschen uns ein gleichberechtigtes Miteinander.« Frieda Gallinger sprach für den Traunwalchner Pfarrgemeinderat und betonte ebenfalls: »Wir wollen ungern auf eingesessene Traditionen verzichten.« Und: »Ich wünsche mir, dass wir offen und tolerant miteinander umgehen.« Nun seien vor allem die Ehrenamtlichen gefragt, auf die vielerlei Aufgaben zukommen. Alex Dopler aus Traunreut erläuterte, dass in der jungen Geschichte der katholischen Pfarrei in Traunreut bereits viele Ideen und »lebendige Bausteine« entstanden seien. »Wir sind eine junge, lebendige, dynamische, vielseitige Pfarrei«, so Dopler. »Ich sehe in dieser Verbindung die Chance einer ganz besonderen Mischung aus Tradition und Moderne.«

»Wir müssen eine Mitmachkirche werden«

Der evangelische Pfarrer Stefan Hradetzky stimmte den Worten des Weihbischofs bei der Predigt zu: »Ich kann mich voll identifizieren mit einer Kirche, in der Jesus im Mittelpunkt steht.« Der Wandel sei in beiden Kirchen, der katholischen wie der evangelischen, unausweichlich, die Gläubigen könnten und sollten Teil der Veränderung sein. Hradetzky: »Wir müssen eine Mitmachkirche werden und die Aufgaben auf mehr Schultern verteilen.«

Bürgermeister Klaus Ritter forderte, über den Tellerrand zu schauen. Er verglich den neuen Pfarrverband mit der gemeindlichen Gebietsreform von 1978. Damals habe es zunächst auch Widerstand und Unverständnis gegeben, »es hat gedauert, bis die Akzeptanz dafür da war«. Die Stadt habe aber Kraft aus dem Zusammenschluss gewonnen und heute könne man stolz sein auf das bunte Leben und die Vielfalt in Traunreut. »Ich wünsche mir, dass die Kirche gestärkt aus diesem Prozess hervorgeht, so wie die Stadt auch.« mix