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Die »Seekuh« frisst die Unterwasserpflanzen auf

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Das Mähboot, die »Seekuh«, entfernt die Unterwasserpflanzen des Chiemsees. Mit vier bis fünf Kilometer pro Stunde bewegt sich das Boot über das Wasser. (Foto: Artes)

Chieming. Schwimmweste anlegen und los geht's. Die »Seekuh« ist wieder auf dem Chiemsee unterwegs und befreit Uferstellen von Pflanzenbewuchs. Jetzt stellte das Wasserwirtschaftsamt die Seekuh in Chieming näher vor.


Seit 1980 ist das Mähboot auf dem Chiemsee unterwegs und frisst die Unterwasserpflanzen auf. Die Mähsaison dauert jedes Jahr von Juni bis etwa September, wie Walter Raith, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Traunstein, im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt berichtete. In den ersten drei Wochen der Mähsaison werden in einem Durchgang nur die wichtigsten Flächen nach Dringlichkeit und Notwendigkeit gemäht, das sind zum Beispiel Stellen, wo gebadet wird. Aber auch Bereiche, die für den Einsatz von Wasserwacht und Polizei notwendig sind, werden vom Gras befreit. Danach melden die Chiemseegemeinden dem Wasserwirtschaftsamt die bewachsenen Flächen in Ufernähe, die nachgemäht werden müssen. »Das ist ein großes Problem, weil sich die Gemeinden oft gleichzeitig melden«, so Raith weiter. Deswegen können nicht immer alle Wünsche der Gemeinden erfüllt werden. Die »Seekuh« arbeitet sich von Ort zu Ort voran. »Die Kollegen müssen sinnvoll arbeiten«, sagte Raith. Die Kosten für den Einsatz der »Seekuh« belaufen sich jährlich auf rund 70 000 Euro.

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Mit einer Geschwindigkeit von vier bis fünf Kilometern pro Stunde bewegt sich das Mähboot über den Chiemsee. Fährt das Boot eine Runde um den See, ergibt das eine Strecke von rund 60 Kilometern.

Der Mähbalken kann das Gras bis zu einer Tiefe von 1,40 Meter und auf einer Breite von 2,50 Meter entfernen. Über ein Förderband wird das Mähgut dann aufgenommen und fällt in die »Seekuh« hinein, wo es zwischengelagert wird, erklärte Raith. Damit auch nichts übersehen wird, mäht die »Seekuh« zuerst an einer Stelle. Dann fährt sie zu einem anderen Ort weiter und mäht dort, damit sich das Wasser an der ersten Stelle wieder beruhigen kann. Sie kehrt dann zum ersten Ort zurück und mäht dort noch einmal, bis alles entfernt ist. »Für die Entsorgung sind wir als Gemeinde dann zuständig«, erklärte Chiemings Bürgermeister Benno Graf.

Ständige Begleiter der »Seekuh« sind die beiden Arbeiter, Martin Enzinger und Horst Jackl, die seit mehr als zehn Jahren auf dem Mähboot im Einsatz sind. Das erfordert oft höchste Konzentration, bei gutem und bei schlechtem Wetter. Ist das Wetter schön, so müssen sie auf Segelboote und vor allem Schwimmer achtgeben, ist das Wetter schlecht, so bereiten ihnen Wellen Probleme und das Boot schaukelt hin und her. »Wir müssen immer auf das Wasser schauen«, berichtete Horst Jackl. Martin Enzinger ergänzte: »Wir können mit dem Mähboot bis zu einer Windstärke von vier oder fünf auf dem See unterwegs sein. Bei Sturm müssen wir aber schauen, dass wir an Land kommen.«

Derzeit erstellt das Wasserwirtschaftsamt Traunstein in Zusammenarbeit mit den Seeanliegergemeinden ein neues Mähkonzept, in dem die Mähflächen in einem Lageplan festgehalten werden und auch die zeitliche Abstimmung festgelegt wird. jar

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