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»Die Bauern brauchen einen höheren Milchpreis«

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Keine guten Zeiten für Milchbauern: Seit einigen Monaten fallen die Milchpreise. Derzeit bekommen die Bauern hier in der Region zwischen 36,2 und 39,5 Cent pro Liter Milch – Tendenz fallend.

Die Bauern sind sauer. Denn der Milchpreis ist in den vergangenen Monaten wieder unter 40 Cent pro Liter gefallen. »Die Schere zwischen den Milcherzeugerpreisen und den Erzeugungskosten öffnet sich damit wieder stärker und beschert den Milchviehhaltern enorme Wertschöpfungsverluste, die Arbeitsplätze gerade im ländlichen Raum gefährden«, schimpft Romuald Schaber, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM). Gründe für den niedrigeren Milchpreis sind zum einen der Exportstopp nach Russland und zum anderen, dass die Bauern in Deutschland insgesamt mehr Milch produziert haben.


»Die Kosten steigen ständig«

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Er könne den Ärger der Milchbauern gut verstehen, sagt Bernhard Pointner, der Geschäftsführer der Milchwerke Berchtesgadener Land. »Denn die Bauern brauchen einen höheren Milchpreis! Die Kosten in der Landwirtschaft steigen ständig.« Trotzdem hätte auch die Pidinger Molkerei den Milchpreis von 40,5 Cent auf 39,5 Cent pro Liter senken müssen. »Wir wollen einen möglichst hohen Milchpreis halten, andere Großkonzerne im Norden zahlen bald nur noch 33 Cent pro Liter Milch. Unser Problem ist aber: Wir sind nicht allein auf der Welt und müssen konkurrenzfähig bleiben.« Der Vorteil sei, »dass wir viele Premiumprodukte haben, bei denen die Kunden bereit sind, mehr auszugeben. Wir machen in der Regel auch bei keinen Aktionsgeschichten mit und lassen uns vom Handel weniger unter Druck setzen.« Es gebe allerdings auch andere Bereiche – zum Beispiel Milchlieferungen für Hotels in Italien, für große Gastronomiebetriebe oder Krankenhäuser – da stehe man in direkter Konkurrenz mit anderen Anbietern. »Wenn wir da nicht mithalten können, dann fallen wir raus«, sagt Bernhard Pointner. Das sei mit ein Grund, warum auch die Milchwerke Berchtesgadener Land den Milchpreis gesenkt hätten. »Ein Cent Milchpreis weniger sind für unser Unternehmen 2,5 Millionen Euro Ersparnis.«

Insgesamt liefern 1700 Bauern ihre Milch nach Piding, aus den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land sind es rund 1000 Landwirte. »Täglich werden 700 000 Liter Milch verarbeitet«, sagt Bernhard Pointner. »Wir können nicht zusehen, wie uns Wettbewerber mit günstigeren Preisen aus dem Markt drängen.« Und weiter: »Langfristig gesehen gibt es beim Milchpreis nur einen Weg – und der geht nach oben«. Denn die Weltbevölkerung wachse und die Fläche zur Agrarnutzung gehe zurück. »Wer, wenn nicht unsere Landwirte, soll die Weltbevölkerung ernähren?«, fragt Pointner. Doch wie es in den nächsten Monaten oder im nächsten Jahr mit dem Milchpreis aussieht, da wage er keine Prognose. Besonders der Wegfall der Quote im Frühjahr 2015 sei ein großer Unsicherheitsfaktor.

»Mir macht der Wegfall Angst«, sagt Paul Obermeier, der Vorsitzende der Milcherzeugergemeinschaft Traunstein/Laufen. Die Bauern könnten dann EU-weit unbegrenzt Milch produzieren. Er kritisiert vor allem die großen Discounter, die bei einem Überangebot an Milch sofort die Preise drücken. Paul Obermeier glaubt aber nicht, dass der Verbraucher es so wichtig findet, ob die Butter jetzt 1,50 Euro oder 1,60 Euro kostet. Um gut wirtschaften zu können, bräuchten die Bauern in jedem Fall über 40 Cent pro Liter Milch, betont der Landwirt, der selbst 100 Milchkühe im Stall stehen hat. »Sonst rentiert es sich irgendwann nicht mehr.«

»Habe keine großen Hoffnungen«

Sepp Hubert, dem BDM-Vorsitzenden des Landkreises Traunstein, macht vor allem die Entwicklung der vergangenen Wochen Sorge: »Bei Meggle gab es bereits Preisverhandlungen. Im September zahlten sie 37,8 Cent, im Oktober 36,3 Cent, im November sind es 35,2 Cent und im Dezember 34,8 Cent pro Liter Milch. Die Tendenz geht also brutal nach unten.« Ende Oktober stünden nun Preisverhandlungen bei Bergader an, »auch da habe ich keine großen Hoffnungen.« Bislang zahlt die Molkerei aus Waging am See noch 39 Cent pro Liter Milch. Wie das ab November aussieht, hätten wir gerne von Beatrice Kress erfahren. Doch die Geschäftsführerin war am Donnerstag nicht zu erreichen. Klara Reiter