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»Der Welt beweisen, dass es auch anders geht«

Bergen. Etwa 200 Zuhörer kamen zur Informationsveranstaltung über Chancen und Risiken der Olympia-Bewerbung für die Winterspiele 2022, die die Grüne Liste Bergen ausrichtete. Podiumsgäste waren die ehemalige Leistungssportlerin Evi Brunndobler-Mittermaier aus Bergen, Fernsehkommentator und ehemaliger Spitzensportler Herbert Fritzenwenger aus Ruhpolding und zwei Mitglieder des Bayerischen Landtages, Katharina Schulze, München und Gisela Sengl aus Sondermoning, beide von Bündnis 90/Die Grünen.

Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren (von links): Evi Brunndobler-Mittermaier, Moderator Stefan Schneider, MdL Katharina Schulze, MdL Gisela Sengl und Herbert Fritzenwenger.

Brunndobler-Mittermaier war für die Bewerbung. Man habe berechtigte Chancen und Oberbayern könne sich einmal der ganzen Welt präsentieren. In Deutschland habe es bisher nur einmal Olympische Winterspiele gegeben. Dafür war auch Fritzenwenger, der seine eigene Teilnahme ein unvergessliches Erlebnis nannte. 84 Prozent der Sportstätten wären schon da, es gebe wenig Eingriffe in die Natur, die Finanzierung sei überschaubar. »Spiele bei uns würden den Größenwahn vergangener Spiele gewaltig minimieren«, sagte er.

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Sengl: Werbeverträge sehr kritisch betrachtet

Katharina Schulze verurteilte die einseitige Information der Bürger nur über Pro-Begründungen. Letztlich müssten die Kommunen den Großteil der Kosten tragen, das IOC habe den Nutzen. Laut IOC-Verträgen würde das Defizit auf Austragungsorte anteilig verteilt. »Wer kommt für die Nachfolgekosten auf?«, fragte sie und bemängelte, das IOC gebe zu wenig Einblick in die Verträge. Statt der Winterspiele sollten mehr Turnhallen gebaut werden, in Schulen solle es mehr Sportunterricht geben.

Entschieden dagegen war auch Gisela Sengl. »Ich bin grundsätzlich nicht gegen Olympische Spiele, sondern gegen die Handhabung und Arroganz des IOC, das weniger den Sport als das Kommerzielle wie Werbe- und Sponsorenverträge für vorrangig sieht«. Sehr skeptisch betrachte sie Werbeverträge mit Coca-Cola und Mc Donalds – beides keine Favoriten für gesunde Ernährung.

Fritzenwenger verurteilte die pauschale Kritik am IOC und gab zu bedenken, dass dem IOC 205 Nationen angehören und vom IOC auch Geld erhalten. Der Nachwuchs- und Breitensport würde davon profitieren, aber auch der Spitzensport – Höchstleistungen deutscher Athleten lösten Euphorie bei der Jugend aus.

Unterschiedliche Meinungen gab es, ob der Tourismus profitieren würde. Hier hieß es, kurzfristig ja, langfristig nein. Auch gab es Stellungnahmen aus dem Publikum. Etliche Redner meinten, die bisherigen Winterspiele hätten außer für das IOC nicht den erwarteten finanziellen Ertrag gebracht. Einige fragten: »Gibt es 2022 überhaupt noch Schnee?«, und auch die Moral wurde angesprochen. Man höre immer wieder von Korruption, Diskriminierung und Doping.

Dritter Bürgermeister Josef Schweiger sagte, Vancouver 2010 habe mit einem Defizit von 713 000 Euro abgeschlossen. Die Sportgemeinden Inzell, Ruhpolding und Reit im Winkel hätten die höchsten Defizite Jahr für Jahr in den Haushalten. Josef Hohlweger aus Ruhpolding fragte nach der Art der Aufwendungen für die Bewerbung in Höhe von 29 Millionen Euro. Eine klare Aussage dazu gab es nicht. »Für 14 Tage Sport so viel Geld investieren, halte ich für bedenklich«, sagte er, und bedauerte, dass Inklusion für das IOC kein Thema sei.

Elisabeth Heimbucher aus Chieming fragte nach einem Zusammenhang zwischen Winterolympiade und Ausbau der A 8. Schulze meinte, dies könnte durchaus möglich sein. Angesprochen wurde auch der Raubbau an der Natur in Sotschi und Katar. Fritzenwenger sagte abschließend: »Wenn Oberbayern die Winterspiele 2022 erhält, können wir der Welt beweisen, dass es auch anders geht.« OH