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Bergader behauptet sich im Wettbewerb mit den ganz Großen

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Im Geschäftsjahr 2014 haben rund 530 Mitarbeiter in den Produktionsstätten in Waging und Bad Aibling gut 34 000 Tonnen Käse produziert. (Foto: Eder)

Waging am See – Der Wettbewerb ist gnadenlos, aber die Bergader Privatkäserei behauptet sich inmitten viel größerer Konkurrenz auf dem von wenigen Großkonzernen beherrschten Markt. Die hohe Qualitätder Käseprodukte und die schöpferische Kreativität im Erfinden neuer Sorten sichert erstaunliche Marktanteile und ein beständiges, moderates Wachstum. Was eine stete Zunahme der Belegschaft mit sich bringt, aber auch die Notwendigkeit, in absehbarer Zeit neu bauen zu müssen – wo und wie auch immer.


Bei einem Pressegespräch zogen die drei Führungskräfte des Unternehmens eine durchaus positive Bilanz des ersten Geschäftsjahrs nach Wegfall der Milchquote. Beatrice Kress, die geschäftsführende Gesellschafterin, Hans Burger, der Sprecher der Geschäftsführung, und Hans Krautenbacher, der Leiter der Milcherzeuger-Betreuung, stellten fest, dass trotz des Wegfalls der Milchquote die Milchanlieferung in Waging nicht zugenommen habe, eher rückläufig sei. Offenbar hatten die Bauern schon in den Jahren zuvor am Limit produziert.

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Milch wird als eigene Marke vertrieben

Bergader braucht zur Käseproduktion viel Milch, vor allem auch Rahm, den man nicht zukaufen, sondern der eigenen Milch entnehmen möchte. So bleibt zwangsläufig viel Milch übrig, die inzwischen nur noch teilweise auf dem sogenannten Spotmarkt vertrieben wird. Weil dort die Preise eher niedrig sind, hat sich Bergader dazu entschlossen, Milch auch selber zu vertreiben – als eigene Marke.

Damit kam die Rede schnell auf den Milchpreis. Beatrice Kress scheute sich nicht, die Milchwerke Berchtesgadener Land anzusprechen, deren hoher Milchpreis den Wagingern gern als Beispiel vorgehalten wird. Dazu stellte die Bergader-Chefin aber zum einen fest, dass auch der in Waging gezahlte Milchpreis zu den höchsten in Deutschland gehöre: 38 Cent für die Bergbauern-Milch, 31,15 Cent für konventionell erzeugte Milch – in einer Zeit, in der die meisten Molkereien gerade mal noch 25 Cent bezahlen. Und zum zweiten stellte sie fest, dass es im Gegensatz zu den Berchtesgadener Produkten bei der Käseproduktion nicht möglich sei, sich auf die Region zu beschränken.

Wie Hans Krautenbacher informierte, liege die Käseproduktion in Bayern beim Dreifachen dessen, was im Lande verzehrt wird. Deswegen habe ein Käse-Produzent nur eine Chance, wenn er seine Produkte in möglichst großen Bereichen verkaufen kann. Das sieht dann bei Bergader wie folgt aus: Von den im Jahr 2014 erzeugten gut 34 000 Tonnen werden 14 Prozent in Bayern abgesetzt, 54 Prozent in Deutschland und 32 Prozent in 50 verschiedenen Ländern weltweit.

Die Großen der Branche verzeichnen Umsätze im Bereich von zehn Milliarden Euro; da nimmt sich der Bergader-Umsatz von 230 Millionen Euro geradezu bescheiden aus. Umso eindrucksvoller sind bei diesen Größenverhältnissen die Anteile, die sich Bergader mit seinen Spezial-Produkten im Gesamtmarkt sichern konnte. Der Marktanteil der Blaukäse-Familie um den »Bavaria blu« lag zur Jahresmitte bei fast 30 Prozent. Damit ist Bergader Marktführer im SB-Segment Blaukäse in Deutschland.

Im Milchsektor werden weit über 80 Prozent von Eigenmarken der Handelsriesen bestimmt. Da liefern zwar die regionalen Molkereien den Käse, der wird dann aber sozusagen anonym unter dem Einheitsnamen des jeweiligen Konzerns angeboten. Nur der Eingeweihte kann dann z. B. unter der klein gedruckten Bezeichnung BY 13049 erkennen, dass das Produkt von Bergader stammt.

Nicht zuletzt, weil die zu erzielenden Preise höher sind, bemühen sich die Verantwortlichen in Waging, die Mengen, die im Bereich der Handelsmarken im anonymen Bereich verschwinden, zu reduzieren und dafür den Anteil der Bergader-Marke zu verstärken, was auch gut gelungen sei. All die Bemühungen von Bergader wurden mit einem steigenden Absatz im Bereich ihrer Original-Marken belohnt, von 2013 auf 2014 um stolze 17,9 Prozent.

Erweiterung notwendig

Bei guten Zuwächsen im Absatz stößt die Produktions-Kapazität mehr und mehr an Grenzen. Von daher denkt man schon eine Weile darüber nach, wie man erweitern könnte. Zwei Alternativen gibt es: Erweiterung auf der eigenen Fläche beziehungsweise in der Umgebung, wo einige Flächen bereits angekauft worden sind, oder ein Ausweichen auf die grüne Wiese. Wie Beatrice Kress betonte, sei nichts entschieden. Beide Alternativen aber seien inzwischen in einer »Feinplanung«, und möglicherweise werde schon im November eine Tendenz erkennbar.

Bei einer möglichen Aussiedlung geht es nicht um die Weichkäserei, die 2012 neu gebaut worden war: »Die soll noch etliche Jahrzehnte halten«, schmunzelt Hans Burger. Vielmehr geht es um die Blaukäserei, die schon seit 1971 in Betrieb ist und von daher schon etwas in die Jahre gekommen ist. he