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Bebauungsplan »Tengling-Thalwies« wird ausgelegt

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Taching am See. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats beglückwünschte Bürgermeisterin Ursula Haas alle wiedergewählten Gemeinderäte zu ihrem Einzug in den neuen Gemeinderat.


Zur Aufstellung des Bebauungsplans »Tengling-Thalwies« erklärte Sabine Kraller vom Bauamt der Verwaltungsgemeinschaft die vorgetragenen Anregungen und Einwände aus der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung. Unter anderem verwies der Grundstücksnachbar auf den Baumbestand auf seinem Grundstück, auf eine geordnete Ableitung des anfallenden Niederschlagswassers und das erhöhte Verkehrsaufkommen.

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Die Bäume seien Privatrecht, so der Gemeinderat. Grundsätzlich dürften sie nur auf dem eigenen Grundstück wachsen. Der Nachbar könne einen vorschriftsgemäßen Abstand verlangen. Wurzeln eines Baumes, die vom Nachbargrundstück her eingedrungen sind, könne die Gemeinde an der Grenze abschneiden und entfernen, da dadurch ihr Grundstück beeinträchtigt werde. Das gleiche gelte für Zweige, die über die Grundstücksgrenze ragen. Im Rahmen der Erschließungsplanung seien rechtzeitig Gespräche mit den Nachbarn zu führen.

Zum Niederschlagswasser habe das Ingenieurbüro geplant, es über die Rückhalteweiher abzuleiten. Auch müsse eine wasserrechtliche Erlaubnis für die Ableitung des Regenwassers von den Fachstellen genehmigt werden. Unabhängig vom Baugebiet habe sich jeder Bauwerber vor abfließendem Wasser selbst zu schützen, es sei denn, das Gelände werde so verändert, dass es einem Bauwerber extra zugeleitet wird.

Einwände von 13 Anliegern

Zum Verkehrsaufkommen verwies der Anlieger auf die Einwände, die Rechtsanwalt Gerhard Maier im Auftrag von 13 Anliegern eingebracht habe. Maier brachte vor, dass der Entwurf seiner Ansicht nach nicht mit der Rechtslage in Einklang stehe und erhebliches Konfliktpotenzial berge. Die Straße sei für das zu erwartende Verkehrsaufkommen zu schmal, wodurch eine Gefährdung für die Anlieger und die auf der Straße spielenden Kinder zu befürchten sei. Probleme werde es auch während der Baustellenzeit und mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen geben. Er plädierte deshalb für eine Anbindung des Baugebietes über eine Erschließungsstraße zum Brunnweg hin.

Als zweiten Einwand hatte Maier auf das Gelände und die Grundwasser- und Niederschlagswasserproblematik hingewiesen. Es sei damit zu rechnen, dass über die Anwesen seiner Mandanten in erheblichem Umfang und massiv beschleunigt Niederschlagswasser abfließen werde, weil unter anderem die geplanten Rückhaltebecken als unzureichend anzusehen seien, zumal ihre Ableitung in den vorbeiführenden kleinen Graben und anschließend in dem kleinen Weiher vorgesehen sei, der bereits jetzt schon bei entsprechenden Niederschlägen überlastet sei. Zusätzlich wies Maier darauf hin, dass das geplante Baugebiet niedriger liege als die Kanalisation.

Als dritten Einwand wies Maier auf den »wassersensiblen Bereich« hin, in dem sich das geplante Baugebiet befinde. Es sei davon auszugehen, dass im gesamten Geltungsbereich des Bebauungsplanes »artesisch gespanntes, unter einem gewissen Druck stehendes Grundwasser« vorliege, das durch eine wasserundurchlässige Schicht nach oben hin abgedichtet sei. Aus diesem Grund dürften die geplanten Gebäude nicht unterkellert und nur flach gegründet werden, es dürften keine irgendwie gearteten Bohrungen vorgenommen werden.

In seinem vierten Einwand ging der Anwalt auf die Nachfrage nach günstigem Bauland durch einheimische Familien in Tengling ein. Laut Auskunft seiner Mandanten stehe bereits jetzt Bauland für Einheimische in der Gemeinde zur Verfügung, das nicht genutzt werde, weil offenbar kein ausreichender Bedarf gegeben sei. Es fehle somit die konkrete Nachfrage, sodass ein Bedarf auch nicht bestehe.

Einstimmig fasste der Gemeinderat dann den Abwägungsbeschluss. Auf die von Rechtsanwalt Maier angesprochenen Konflikte hin verwies die Gemeinde darauf, dass für die geplanten Häuser mehr Stellplätze festgesetzt seien, als eigentlich die Garagenstellplatzverordnung vorschreibe, damit die Straße nicht zugeparkt werde. Der direkten Ableitung von Fahrzeugbewegungen aus der Zahl der Stellplätze wurde daher widersprochen.

Für die Zufahrt gibt es zwei Varianten

Bezüglich der Zufahrt wurde angeführt, dass die Gemeinde die Wahl habe zwischen der Erschließung über die Ortsstraße in Thalwies oder über eine neue Anbindungsstraße. Die Ortsstraße könnte beispielsweise entsprechend ausgebaut werden. Konkrete Planungen seien erst möglich, wenn die Umsetzung des geplanten Baugebietes gesichert sei. Vor Verwirklichung des Baugebietes solle eine ordnungsgemäße Erschließung umgesetzt werden.

Dass ein Teil des Baugebietes innerhalb eines Wasserschutzgebietes verwirklicht werden solle, sei mit den Behörden abgesprochen. Ein Bodengutachten habe ergeben, dass eine Bebauung unter gewissen Voraussetzungen zugelassen werden könne (keine Unterkellerung und nur flache Gründung der Gebäude, keine Sickerschächte, keine Erdwärmepumpen und dergleichen). Diese Vorgaben seien in den Bebauungsplan aufgenommen worden – eine Unterkellerung für das gesamte Baugebiet sei ausgeschlossen, obwohl nur ein Teil des Baugebietes im Wasserschutzgebiet liege. Im Gegensatz dazu hätten Eigentümer eines in der Nähe des Wasserschutzgebietes liegenden Grundstücks einen Keller bauen dürfen – nach Kenntnis der Gemeinde ohne Probleme.

Weitere Einwände und Anregungen vom Kreisbauamt, von der Unteren Naturschutzbehörde, von der E.ON Bayern bezüglich der 20-KV-Hochspannungsleitung, die durch das Gebiet führt, und vor allem vom Zweckverband Wasserversorgung Achengruppe wegen des Trinkwasservorkommens wurden in den Billigungs- und Auslegungsbeschluss aufgenommen und werden beachtet. Als nächster Schritt wird nun die öffentliche Auslegung erfolgen. fr