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Bajuwaren-Funde aus Waging werden in München katalogisiert

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Zahlreiche wunderschöne Fibeln aus Bronze fanden sich in den bajuwarischen Frauengräbern, die in Waging offengelegt wurden. Diese Fibeln sind Sicherheitsnadeln beziehungsweise Gewandverschlüsse mit schmückendem Charakter. (Fotos: H. Eder)

Waging am See – Zu Tausenden lagern die Funde aus den rund 300 in Waging entdeckten Bajuwaren-Gräbern in der Archäologischen Staatssammlung in München. Dort werden sie derzeit gesichtet und katalogisiert. Die wertvollsten und seltenen Fundstücke sollten eigentlich wieder zurück nach Waging kommen – ist hier doch eigens dafür einst ein Museum gebaut worden. Allerdings sollte das Museum im Zuge dieser Rückführung auch etwas attraktiver gestaltet werden. Das würde Geld kosten – und da ist der Waginger Gemeinderat, wie die bisherigen Diskussionen zeigten, recht zurückhaltend.


300 erschlossene Gräber in Waging

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Denn Waging nimmt mit seinen insgesamt fast 300 erschlossenen Gräbern in der landesweiten Bajuwarenforschung einen wichtigen Platz ein. Mehrere Tausend Schmuckstücke, Waffen und Gegenstände des täglichen Gebrauchs sind hier gefunden worden. Die Bajuwaren, die etwa zwischen 500 und 700 in und um den Waginger See gesiedelt hatten, haben der Nachwelt ja wenig gesicherte Informationen hinterlassen, da sie keine Schrift kannten. So sind die Wissenschaftler vielfach auf Spekulationen angewiesen. Das einzige, was von den Bajuwaren geblieben ist, sind die Schätze, die man ihnen in die Gräber mitgegeben hat.

All diese teilweise wirklich wunderschönen und gut erhaltenen Fibeln, Glasgegenstände, Perlen und Spinnwirtel, die Schwerter, Pfeilspitzen, Schildbuckel und Äxte befinden sich derzeit in der Archäologischen Staatssammlung in München. Franz Patzelt, der Waginger Ortsheimatpfleger, hat die Schätze aus dem Waginger Gräberfeld vor einiger Zeit besucht und sich über den Stand der Dinge erkundigt.

Dabei konnte er feststellen, dass das Team der Wissenschaftler und Restaurateure, die sich derzeit mit den Waginger Bajuwaren-Fundstücken befassen, davon sehr angetan sind. An ihrer Spitze Dr. Brigitte Haas-Gebhard, die Abteilungsleiterin Mittelalter und Neuzeit an der Archäologischen Staatssammlung München. Sie ist beeindruckt von der Schönheit und der Menge der in Waging gefundenen Grabbeigaben. Deren Reichtum ist vor allem der Tatsache zu verdanken, dass die Gräber in Waging – in der Mehrheit 1987/88 auf der Fläche des neuen Friedhofs ausgegraben – nicht ausgeraubt, sondern weitgehend unbeschädigt erhalten sind. Dies ist vor allem erstaunlich im Vergleich zum nahegelegenen, noch um einiges größeren Bajuwaren-Gräberfeld von Petting, dessen Bestattungen zu 70 Prozent um die Beigaben beraubt worden sind. Dort wurden 750 Gräber aufgedeckt.

Was die Zukunft des Waginger Bajuwarenmuseums, die Inhalte, den äußeren Rahmen, die personelle Ausstattung anbetrifft, läuft derzeit in Waging eine Art Denkprozess im Gemeinderat. Und weil die bisherigen Ausstellungsgegenstände alle in München, das Museum somit leer und deshalb auch geschlossen ist, wird von München aus überlegt, wie man schnellstmöglich im Bajuwarenmuseum zumindest eine kleine Ausstellung von besonders schönen Stücken wieder installieren kann, bevor Endgültiges entschieden wird.

Das wäre beispielsweise, wie sich Brigitte Haas-Gebhard das gut vorstellen könnte, eine Art Schatzkammer mit drei schönen Vitrinen und den notwendigen Beschreibungen und Erklärungen dazu, die vorerst im Museum aufgebaut werden könnten, Vitrinen aus dem Bestand der Archäologischen Staatssammlung, die dann die besonders wertvollen Bajuwaren-Funde enthalten. Dann könnte, so meint auch die Waginger Kulturreferentin Hedwig Witzleben, das Museum auch wieder öffnen, ohne dass die Waginger Funde in ihrer Gesamtheit da sind. Denn, so findet sie, »jeder geschlossene Monat ist schmerzhaft«.

Gemeinderat will ungern Geld ausgeben

Und in dem Zusammenhang gibt es eine gute Nachricht für den Gemeinderat. Dieser würde, wie man bei den bisherigen Diskussionen im Rat zur Genüge gehört hat, ungern viel Geld für das Bajuwarenmuseum ausgeben. Diese erste Aktion mit einigen Vitrinen mit hochinteressantem Inhalt wäre für die Gemeinde kostenlos. Und wenn erst einmal ein Vertrag unterschrieben würde, der der Gemeinde vorliegt, dann würde für die aktuelle Erfassung und genaue Katalogisierung kein Cent zu zahlen sein: Die Gemeinde müsste lediglich die Funde dem Staat, sprich der Archäologischen Staatssammlung, überlassen. Derzeit sind Staat und Gemeinde gemeinsame Besitzer – wenn das so bliebe, die Gemeinde für die Kosten der aktuellen Aktion zu 50 Prozent aufkommen müsste. he