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Es war nicht nur die »Wirtshaus-Sehnsucht«

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Verhandlungen im Knien: Vorsitzender Dominik Abstreiter und Schirmherr Bürgermeister Martin Fenninger beraten sich über die nächsten Schritte; links zweiter Vorsitzender Thomas Pletschacher, rechts Kassier Simon Kraller. (Foto: H. Eder)

Wonneberg – Die Verhandlungen dauerten nur gut eine halbe Stunde, was die Bittsteller allerdings wohl als wesentlich länger empfunden haben dürften und zudem als reichlich schmerzhaft: Vorsitzender Dominik Abstreiter vom Arbeiter- und Burschenverein Weibhausen-Wonneberg und seine Mitstreiter mussten beim Patenbitten beim Burschenverein Surberg das Scheitelknien ganz schön lang ertragen, bis ein Entgelt für die Übernahme der Patenschaft ausgehandelt war.


Die Surberger übernahmen die Patenschaft für das Jubiläum der Weibhausen-Wonneberger samt Burschen-Gaufest, wenn sie gut hundert Liter Bier, ein Spanferkel und eine Runde Schnaps für alle Teilnehmer bekommen.

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Die Besucher im Gasthaus Lauter hatten ihre Freude an den zunächst zähen Verhandlungen. Der Surberger Burschenvereins-Vorsitzende Hermann Hunglinger fragte nach dem Grund des Besuchs aus Wonneberg. Möglicherweise seien die Weibhausen-Wonneberger Burschen ja nur von Wirtshaus-Sehnsucht getrieben, nachdem es daheim keines mehr gibt.

Das bestritt Vorsitzender Dominik Abstreiter mit Nachdruck. Vielmehr wolle sein Verein wieder mal ein Bierzelt veranstalten. Auftakt ist am Mittwoch, 5. August, mit dem Bieranstich und einem politischen Abend mit Ministerpräsident Markus Söder.

Am Donnerstag, 6. August, ist ein musikalischer Abend mit der Austropop-Coverband Auf a Wort, am Freitag, 7. August, folgt ein Wein- und Weißbierfest mit der Partyband Ä-Hax. Festabend mit Totengedenken und Festgottesdienst ist am Samstag, 8. August, danach spielt die Blaskapelle Jung-Otting auf. Am Festsonntag, 9. August, werden zum Burschen-Gaufest zahlreiche Burschenvereine und Dirndl-schaften erwartet. Den Ausklang am Sonntagnachmittag bestreiten die Bayern Rocker.

Und »man sagt, dass man zu so einem Fest einen Patenverein braucht«. Der Zwischenruf aus dem Saal – »Wenn s des dazahlen könnts!« ließ erahnen, dass eine Zusage wohl nur mit erheblichen Opfern komme. Auf Anfrage von Hermann Hunglinger meinte Abstreiter, ein Tragerl Bier und ein paar Handwürst' würde man schon springen lassen, und ließ diese auch gleich auf die Bühne bringen.

Aber: »Wir würden schon mit ein paar Leuten zum Fest kommen«, stellte Hunglinger fest; dafür sei das Angebot aber viel zu knausrig. Da er ein spontanes Entgegenkommen nicht erwartete, meinte er, jetzt wäre wohl »a wengerl Scheitlknien« angesagt. Und so blieb Abstreiter nichts anderes übrig. Hunglinger betonte, für eine Patenschaft seien schon größere Mengen an Getränken gewünscht. Schirmherr und Bürgermeister Martin Fenninger sagte einen weiteren Kasten Bier zu.

Aber das reichte nicht. So musste mit dem zweiten Vorsitzenden Thomas Pletschacher ein weiterer Wonneberger zum Scheitlknien antreten. Schließlich kam noch Max Warislohner auf die Bühne, von Abstreiter als »unser bester Verhandler« angekündigt. Er versprach den Surbergern auch gleich ein »kleines Spanferkerl«. Das wurde gern angenommen, aber ein Fass Bier wäre schon auch schön. Darauf waren die Burschen aus Wonneberg offenbar vorbereitet: Sie schleppten ein 60-Liter-Fass auf die Bühne. Doch auch das war immer noch zu wenig. So wurden nacheinander Kassier Simon Kraller und auch der Schirmherr auf die Bühne und ein zweites Scheitl gebeten. Abstreiter stand nach fast einer halben Stunde Leiden schon der kalte Schweiß auf der Stirn.

Die Verhandlungen zogen sich – boshafterweise verlängert durch etliche Musikstücke – noch eine Weile hin. Zwischendurch brachte das Wonneberger Kranzl-Dirndl Sandra Glaner eine Runde Schnaps auf die Bühne, um die Leiden zu lindern. Schließlich wurde dem grausamen Spiel mit noch ein paar weiteren Tragerln Bier des Schirmherrn ein Ende gemacht. Erleichtert erhoben sich die vier Wonneberger unter dem Beifall der Besucher von ihren Marterhölzern.

Abstreiter lobte die Surberger für die Übernahme der Patenschaft: »Des freut uns narrisch!«, sagte er und schlug vor, den Patenverein zur Bierprobe nach Stein mit einzuladen, dort mit ihm das Spanferkel zu vertilgen und sich einen schönen Abend mit Musik zu machen. Fenninger meinte: »Ihr müsst uns fest versprechen, dass ihr jeden Tag kommt, damit die Kosten für die Patenschaft wieder hereinkommen.« Hunglinger sagte, man nehme die Patenschaft gerne an und wünsche viele Besucher, gutes Wetter und Unfallfreiheit. he


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