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Urteil des Verwaltungsgerichtshofs macht es möglich: Schuhgeschäfte dürfen öffnen

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Ingrid Popp war die erste Kundin die Inge Orsolic im Schuhgeschäft Praxenthaler bediente. Foto: A. Hauser

Traunstein – Das kam überraschend: Kaum ein Schuhgeschäft in Traunstein hatte die Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs mitbekommen. Das Gericht hatte am Donnerstag bekanntgegeben, dass Schuhgeschäfte in Bayern auch ab einer Inzidenz von über 100 wieder öffnen dürfen. Die Begründung: Schuhgeschäfte seien wichtig für die tägliche Versorgung der Bevölkerung und müssen daher gleich bewertet werden wie Buchhandlungen, Bau- und Gartenmärkte sowie Blumenläden.


Für die Traunsteiner Schuhgeschäfte kam das völlig unerwartet. So boten die meisten Schuhgeschäfte noch am Donnerstagvormittag nur »click&collect« an. Bei der »Schuhwelt Wagner« an der Ludwigsstraße allerdings standen die Türen offen. Über eine Kollegin hatte Schuhverkäuferin Sabrina Brandmaier von der Entscheidung des Gerichts erfahren. Zwar wäre sie sowieso nach Traunstein in die Filiale gekommen, um die Bestellungen für den Online-Verkauf vorzubereiten, doch dass sie den Schuhladen wieder ganz aufsperren darf, freute sie umso mehr. Sie sei froh, dass sie nach Wochen wieder ihrem Job als Schuhverkäuferin so richtig nachgehen könne. Es seien ganz komische Zeiten, sagt sie. »Jetzt darf es mal ein Ende nehmen.«

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Dagegen völlig überrascht waren die Verkäuferinnen Inge Orsolic und Carmen Waskiewicz vom Schuh Praxenthaler am Stadtplatz. Beide wussten nichts von den Öffnungen und waren daher ziemlich sprachlos. Sofort entfernten sie den kleinen Tresen vor ihrer Tür, an dem man die bestellten Schuhe abholen konnte. »Wir sind richtig froh. Die ganze Frühjahrsware ist schon da«, so Inge Orsolic. Im vergangenen Jahr sei man auf der ganzen Ware sitzen geblieben. Der April sei für das Schuhgeschäft immer der umsatzstärkste Monat und den will die Verkäuferin jetzt auch richtig nutzen, erzählt sie. Als die Türen auch im Schuh Praxenthaler für Kunden geöffnet waren, nutzte sofort Ingrid Popp die unerwartete Gelegenheit. Die Stammkundin freute sich sehr, endlich wieder richtig nach Schuhen »schauen« zu können und beraten zu werden.

Auch beim »Studio für Fuß und Figur« Pohlig war man überrascht und hatte nichts von den nun erlaubten Öffnungen mitbekommen. »Normalerweise informiere ich mich täglich, aber davon habe ich nichts mitbekommen«, sagt eine Verkäuferin. »Aber wir freuen uns riesig. Dann machen wir die Tore eben wieder auf.« Man sei startklar und müsse nur das Personal aus der Kurzarbeit zurückholen.

»Das ganze ist ein großes Tohuwabohu«, sagt Jürgen Pieperhoff vom Stadtmarketing Traunstein. Das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs habe allerdings Bestand. Jetzt müsse die Staatsregierung und das zuständige Ministerium mit einer Verordnung nachziehen und unter anderem klären, wie groß der Anteil an Schuhen in einem Geschäft sein muss, dass es wieder öffnen darf, betont Pieperhoff. aha

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