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Rinderzuchtverband will nach Wolkersdorf umsiedeln – Neubau in Planung

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Traunstein: Rinderzuchtverband will nach Wolkersdorf umziehen – Sanierung von Festplatz-Standort zu teuer
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Das Dach des Rinderstalls neben der Chiemgauhalle am Festplatz ist im Winter unter der Schneelast eingestürzt. Das Unglück hat der Rinderzuchtverband zum Anlass genommen, sich neu zu orientieren. Er will jetzt nicht mehr den alten Standort modernisieren, sondern einen neuen schaffen und umziehen. Auf einem Grundstück südlich von Wolkersdorf möchte er einen Neubau errichten. (Foto: Pültz)

Traunstein – Der Rinderzuchtverband (RZV) Traunstein will einen Standortwechsel vornehmen: Er möchte vom Festplatz an der Siegsdorfer Straße in der Stadt in den Außenbereich nach Wolkersdorf umsiedeln. In einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt hat Geschäftsführer Bernhard Reiter mitgeteilt, dass der RZV dazu ein rund 15.000 Quadratmeter großes, städtisches Grundstück kaufen wolle.


Nachdem das Dach des Rinderstalls neben der Chiemgauhalle, bedingt durch schwere Schneemassen im Winter, einstürzte, habe der Rinderzuchtverband seine Planung grundlegend geändert – und sie umgestellt auf einen Neubau an anderer Stelle auf eigenem Grund und Boden.

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Die 1896 gegründete Interessensvertretung der Landwirte im Chiemgau und dem Rupertiwinkl hat seine Heimat seit 1975 auf dem Festplatz an der Siegsdorfer Straße. Rund 10.000 Quadratmeter, die der Stadt Traunstein gehören, hat der RZV gepachtet. Auf Antrag des Rinderzuchtverbands hat die Stadt vor zwei Jahren das Erbbaurecht, das 2035 ausgelaufen wäre, bis 2060 verlängert.

Auf dem von der Stadt zur Verfügung gestellten Grund und Boden errichtete der RZV eine Markthalle – die Chiemgauhalle – und angrenzend einen Rinderstall. Die Landwirte aus der Region kommen regelmäßig nach Traunstein, um ihre Tiere zum Verkauf anzubieten.

Weil Halle und Stall Jahrzehnte nach ihrer Erbauung nicht mehr den modernen Ansprüchen genügten, setzte sich der Rinderzuchtverband schließlich eine umfassende Modernisierung des gesamten Betriebs zum Ziel. 2018, ein ganzes Jahr lang, feilte er an seinem Vorhaben. Die Pläne lagen fertig in der Schublade – und dann kam der Schnee. Das Dach des Stalls hielt den Massen nicht mehr stand. Und mit ihm stürzte dann auch das Projekt der Modernisierung ein.

Reiter sagt, dass eine Sanierung des Stalls sehr viel Geld kosten würde, weil der RZV einen hohen, teuren Aufwand betreiben müsste. Den alten Stall hat der RZV seinerzeit laut dem Geschäftsführer unter der Maßgabe gebaut, dass das Dach pro Quadratmeter eine Last von 157 Kilogramm aushalten müsse. Jetzt sei gefordert, dass die Eindeckung des Gebäudes 237 Kilogramm standhalten müsse. Und wenn man jetzt die Kosten für eine Sanierung des Stalls und eine Modernisierung der Markthalle zusammenrechnet, dann kommt man nach Angaben von Reiter auf eine Summe, die in einer Größenordnung liegt, die auch für einen Neubau angenommen werden muss.

Städtisches Grundstück ist für RZV »ideal«

Vor diesem Hintergrund habe der RZV seine Zielsetzung, so Reiter, verändert: Die Ausrichtung laute jetzt, einen Neubau zu errichten. Und der RZV wolle seinen Betrieb nun auch nicht mehr auf gepachtetem, sondern auf eigenem Grund organisieren.

Mit einer Reihe von Grundstückseigentümern habe der RZV verhandelt, so Reiter. Im Stadtgebiet habe sich der Rinderzuchtverband umgesehen – allein einmal habe er über die Grenzen von Traunstein hinaus- und in die angrenzende Gemeinde Nußdorf hineingeblickt. Der RZV sei schließlich auf ein Grundstück an der Gemeindestraße von Wolkersdorf zur Staatsstraße 2095 von Traunstein nach Seebruck aufmerksam geworden, das »ideal« für seine Bauwünsche sei: auf rund 15.000 Quadratmeter, die der Stadt Traunstein gehören.

»Für uns ist es hilfreich, wenn wir möglichst keine Bebauung neben uns haben«, sagt der RZV-Geschäftsführer. Die von der Rindervermarktung ausgehenden Belästigungen seien zwar »minimal«. Doch wenn jemand Tiere halte, dann könne es immer Probleme mit der Nachbarschaft geben. Das städtische Grundstück in Wolkersdorf liege etwa 250 Meter von den Häusern entfernt – was ein »gehöriger« und damit ausreichender Abstand zur Wohnbebauung sei. Ein Erdwall biete zusätzlich Schutz.

Der RZV möchte auf dem Grundstück südlich von Wolkersdorf – wie Reiter erste grobe Vorstellungen beschreibt – eine Stallung samt Versteigerunsbereich bauen. Außerdem wolle der Verband nach Möglichkeit ein Bürogebäude für die Verwaltung sowie ein Geräte- und Strohlager schaffen. An Investitionen stehen laut Reiter »ein paar Millionen Euro« im Raum.

Der Geschäftsführer hofft, dass der RZV das Grundstück von der Stadt bekommt, dass er 2020 die Genehmigung erhält – und dass er 2021 den Neubau errichten kann. In diesem Jahr feiert der RZV dann sein 125-jähriges Bestehen.

Die Diskussion in den städtischen Gremien ist angelaufen. Der Planungsausschuss befasste sich bereits mit dem Thema, der Stadtrat erörtert die Angelegenheit demnächst. Sollte der RZV das Grundstück von der Stadt nicht erhalten, dann müsste er laut Reiter »wahrscheinlich« den Standort auf dem Festplatz »wieder aufbauen«. Nicht auszuschließen sei jedoch, dass der Rinderzuchtverband auch nach einem anderen Grundstück Ausschau hält – wo immer dieser Grund und Boden dann auch liegt.

Am Projekt scheiden sich die Geister

Die Pläne des Rinderzuchtverbands, ein städtisches Grundstück zu kaufen, sind im Planungsausschuss auf ein geteiltes Echo gestoßen. Das Gremium konnte sich mehrheitlich vorstellen, den Verband aus dem Pachtvertrag für den Grund und Boden auf dem Festplatz in Traunstein zu entlassen, der noch bis 2060 läuft, nicht aber, dass die Stadt die 15.000 Quadratmeter in Wolkersdorf verkauft und Baurecht schafft.

»Der Rinderzuchtverband soll da bleiben, wo er ist«, sagte Walburga Mörtl-Körner (Bündnis 90/Die Grünen). Sie sprach sich gegen eine Zersiedelung der Landschaft aus und bemerkte, dass der Verband auch auf seinem bisherigen Standort auf dem Festplatz »alles machen kann«. Die Fraktion der Grünen könne sich aber vorstellen, dass die Stadt den Grund und Boden auf dem Festplatz, den sie bislang an den RZV verpachtet hat, jetzt an ihn verkauft.

Dr. Christian Hümmer (CSU) hielt die Planung des Rinderzuchtverbands für »verfehlt«. Denn eine Ansiedelung in Wolkersdorf würde der Entwicklung Vorschub leisten, dass das Gewerbe in Traunstein sich auf immer mehr kleine Gebiete verteilt. Ein neuer Flecken Gewerbe würde entstehen.

Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD) sagte hingegen, dass der Rinderzuchtverband an seinem jetzigen Standort keine Entwicklungsmöglichkeit besitze. Sie sah die Gefahr, dass er – wenn er das Grundstück von der Stadt südlich von Wolkersdorf nicht bekommt – aus Traunstein möglicherweise absiedelt und in eine andere Kommune geht.

Ein »klares Bekenntnis« zum RZV legte Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD) ab. Er wolle ihn in der Stadt halten. Der Verband sei in einer Notlage. Kegel sah in einer Aufhebung des Pachtvertrages den Vorteil, dass die Stadt dann an den Grund und Boden vor 2060 herankomme.

Peter Forster (SPD) sagte, dass der RZV einen Neubau errichten wolle – was an seinem bisherigen Standort »nicht geht«. Das Grundstück in Wolkersdorf sei der »richtige Platz«.

Hümmer meinte, dass eine Gegnerschaft in Wolkersdorf vorprogrammiert sei. Kegel entgegnete ihm: »Gegenteilige Stimmen müssen wir aushalten.« Heutzutage gebe es kaum noch ein Projekt, das nicht auf Widerstand stoße.

Die Entscheidung trifft nun der Stadtrat: Er behandelt die Angelegenheit am Donnerstag um 15 Uhr im Großen Sitzungssaal im Rathaus; Beginn: 15 Uhr.