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Wird das Neubaugebiet »Stocket« mit Fernwärme versorgt?

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Traunreut: Wird Neubaugebiet »Stocket« mit Fernwärme versorgt?
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Anlässlich der laufenden Machbarkeitsstudie »Wärmenetz 4.0« soll jetzt untersucht werden, unter welchen Bedingungen das Neubaugebiet »Stocket« mit Fernwärme versorgt werden könnte. Auf dem Grundstück am westlichen Stadtrand von Traunreut soll Bauland für über 100 Wohneinheiten ausgewiesen werden. (Foto: Rasch)

Traunreut – Nach dem Willen der Bürgerliste sollen sämtliche Gebäude des Neubaugebiets »Stocket« in Traunreut an die städtische Fernwärmeversorgung angeschlossen werden.


Dadurch würden sich nach Auffassung der Bürgerlisten-Fraktion, die dazu in der Stadtverwaltung einen Antrag eingereicht hatte, die Baukosten der Bauwerber verringern, da auf eine eigene Heizungsanlage verzichtet werden könnte. Außerdem könnten durch die umweltfreundliche Energieversorgung auch CO2-Emissionen vermieden werden. In der Sitzung des Werkausschusses wurde der Antrag behandelt.

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Die Stadtwerke verwiesen in diesem Zusammenhang auf die geförderte Machbarkeitsstudie »Wärmenetz 4.0«, die derzeit von einem Institut für Energietechnik für die Stadt Traunreut erstellt wird, um die Traunreuter Bürger auch künftig versorgungssicher und preiswert mit Wärme beliefern und aktuelle Entwicklungen im Wärmemarkt erkennen und nutzen zu können.

In diversen Szenarien werden dabei unter anderem die technische Realisierbarkeit, Wirtschaftlichkeit oder Klimaverträglichkeit untersucht. Eines der grundsätzlichen Ziele dieser Studie ist die Identifizierung potenzieller Neukundengebiete und damit auch das Neubaugebiet »Stocket.« Nach Angaben der Stadtwerke sei ein Anschluss der dort geplanten drei Wohnblöcke an das Fernwärmenetz ohnehin geplant. Im Zuge der Erstellung des Fernwärmeanschlusses der neuen Kindertagesstätte »Schneckenhaus« seien deshalb bereits Fernwärmeleitungen bis zur geplanten Einfahrt in das Neubaugebiet verlegt worden. Aktuell werde von dem Institut in der Machbarkeitsstudie untersucht, unter welchen Aspekten die Erschließung des Gesamtareals, also auch die Einzelbebauung, insgesamt wirtschaftlich dargestellt werden könnte.

Nach Auffassung der Stadtwerke sei eine Fernwärmeversorgung in Neubaugebieten aus wirtschaftlichen Gründen grundsätzlich schwierig, da die erforderliche Leitungsverlegung auf eine nur noch geringe Energieabnahme treffe. Dennoch lasse man untersuchen, ob die Ausprägung eines Inselnetzes mit geringerem Temperaturniveau andere Verlege-Techniken und Rohrmaterialien ermögliche. Ebenso werde geprüft, welche Mindest-Anschlussquote erforderlich wäre und inwieweit dem Käufer ein Anschluss- und Benutzungszwang auferlegt werden müsste.

Laut Werkleiter Frank Wachsmuth werden die Mitarbeiter des Instituts in den kommenden Wochen Klärungsgespräche mit der Stadtverwaltung und den Stadtwerken führen. Erste Ergebnisse der Untersuchung speziell zum Baugebiet »Stocket« könnte das Institut in einer der kommenden Stadtratssitzungen präsentieren. Je nach Intensität der Untersuchungen gehen die Stadtwerke derzeit von März oder April aus.

Gabriele Liebetruth (Bürgerliste) wies darauf hin, dass die im April 2019 in Auftrag gegebene Studie ihres Wissens bereits abgeschlossen sein müsste. »Eigentlich sollte die Studie doch Ende Februar beendet sein.« Nach Angaben von Wachsmuth sei bereits im vergangenen Oktober erkennbar gewesen, dass die aufwändige Studie nicht fertig werde. Deshalb habe man eine Verlängerung beantragt. Die Verlängerung habe jedoch keine Auswirkung auf die staatliche Förderung.

Johann Jobst (CSU) wollte wissen, ob in dem neuen Baugebiet auch eine Erdgasversorgung möglich wäre. Auch Bürgermeister Klaus Ritter (FW) regte an, die Möglichkeit eines Erdgasanschlusses zu untersuchen. Sollte sich in der Studie herausstellen, dass Erdgas eine Alternative wäre, werde man mit dem Versorgungsunternehmen, der Erdgas Südbayern, auch das Gespräch suchen, sagte Wachsmuth. Für Ernst Ziegler (SPD) hat die Fernwärmeversorgung vor der Erdgasversorgung Vorrang. Er warnte vor Alternativen: »Durch die Gesetzgebung kommt da noch einiges auf uns zu.« Martin Czepan (Grüne) forderte, CO2 so gut es geht zu vermeiden. Keine fossilen Brennstoffe zu verwenden, wäre in seinen Augen der richtige Weg.

Der Vorschlag der Stadtwerke, die Untersuchung, unter welchen Bedingungen das Neubaugebiet »Stocket« mit Fernwärme versorgt werden kann, durch das Institut für Energietechnik fortzusetzen und die Ergebnisse zeitnah in einer der kommenden Stadtratssitzungen präsentieren zu lassen, wurde einstimmig dem Stadtrat empfohlen. ga


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