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Trauer in Pertenstein: Liselotte Orff ist tot

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Liselotte Orff starb im Alter von 82 Jahren.

Traunreut. Liselotte Orff, die Witwe des weltberühmten Komponisten und Traunreuter Ehrenbürgers Carl Orff, ist am frühen Morgen des gestrigen Mittwochs, im Unfallkrankenhaus in Murnau im Alter von 82 Jahren gestorben. Hans Lauber von Schloss Pertenstein, der bis zuletzt in Kontakt mit ihr war, erhielt diese traurige Nachricht gestern und informiere unsere Zeitung.


Hans Lauber und seine Frau Elisabeth hatten über rund 30 Jahre hinweg einen sehr intensiven Kontakt zu Liselotte Orff gepflegt, die sich – wie sie häufig und gern gesagt hat – hier fast wie zu Hause fühlte. So war sie die ganze Zeit über gewiss zwei bis drei Mal pro Jahr in Pertenstein zu Besuch gewesen.

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Der 5. April 1979 war der offizielle Beginn dieser langen Freundschaft gewesen. Damals waren Carl Orff, dessen Schulwerk-Mitarbeiterin Gunild Keetman und seine Gattin Liselotte in die Carl-Orff-Schule in Traunwalchen gekommen, anlässlich der offiziellen Namensverleihung. Orff hatte damit die langjährige Zusammenarbeit des Ortes mit seinem Institut am Mozarteum Salzburg dokumentiert, die in der Folgezeit international musikpädagogische Impulse setzte. Und die zwischen dem »Orff-Dorf« Traunwalchen, vor allem aber dem Schloss Pertenstein und Hans Lauber, eine sehr enge Freundschaft entstehen ließ.

Hans Lauber war Ideengeber gewesen. Um der drohenden Auflösung der Volksschule Traunwalchen entgegenzuwirken, war eine umfangreiche Zusammenarbeit mit dem Orff-Institut in Salzburg begonnen worden. Etliche Traunwalchner Lehrer, die in Salzburg das Orffsche Schulwerk studiert hatten, setzten es in Traunwalchen so nachhaltig in den Unterricht um, dass immer mehr Studenten aus Salzburg und Lehrer aus Deutschland und der halben übrigen Welt hierher kamen, um die Orffsche Musik in der Praxis zu erleben.

Um diese Entwicklung auch nach außen hin zu dokumentieren und somit die Schule in ihrem Bestand noch mehr zu festigen, kam Hans Lauber auf die Idee, die Schule doch nach Carl Orff zu benennen. Er rief Liselotte Orff an, die ihn gleich für den nächsten Tag nach Dießen einlud, wo es dann zum ersten Kontakt zwischen Lauber und Carl Orff selbst kam. Orff war dann sogleich einverstanden, die Namensnennung ging über die Bühne. Da er selber an diesem Tag krank war, vertrat ihn seine Frau – ihr erster Auftritt in Traunwalchen beziehungsweise Pertenstein, dem ungezählte weitere folgen sollten.

Liselotte Orff war 1930 in München auf die Welt gekommen. Während des Krieges wurde ihre Familie ausgebombt, wodurch sie nach Samerberg verschlagen wurde. Sie ging in Rosenheim zur Schule, lernte danach Gastronomie und war in der Folgezeit viel im Ausland unterwegs, wodurch sie sich umfassende Sprachenkenntnisse aneignete. Die Verbindung zu Carl Orff kam zustande, als dieser eine möglichst polyglotte Sekretärin suchte; Liselotte Orff erfuhr davon, bewarb sich, bekam die Stelle – und 1960 heiratete sie ihren »Chef«, was bereits dessen vierte Ehe war.

Nach Carl Orffs Tod im Jahr 1982 war es wieder Hans Lauber, der den Kontakt zu der Witwe aufnahm und sie zum ersten Mal als offizielle Vertreterin ihres Mannes »engagierte«, nämlich zur Überreichung der neu geschaffenen Orffmedaillen an Personen, die sich um Orffs Erbe verdient gemacht hatten. So überreichte Liselotte Orff erstmals 1983 eine Orffmedaille und tat dies dann bis zum vergangenen Jahr fast jährlich. Wie sehr es ihr in Pertenstein gefallen hat, zeigt auch die Tatsache, dass sie ihren 80. Geburtstag hier gefeiert hat. he