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Keine weitere Bebauung in der ehemaligen Handwerkersiedlung

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Das Grundstück für ein Zweifamilienhaus im Traunwalchner Ortsteil Hölzl, hat der Bauwerber bereits abgesteckt. Der Stadtrat hat dem Vorhaben aber einen Strich durch die Rechnung gemacht und lehnt eine weitere Bebauung ab. Der Grundstücksbesitzer pocht jedoch auf sein Baurecht und will jetzt vor Gericht gehen. (Foto: Rasch)

Traunreut – Der Traunreuter Stadtrat schließt sich der Meinung des Bauausschusses an, dass im Ortsteil Hölzl in Traunwalchen keine weitere Bebauung stattfinden sollte. Die große Mehrheit vertrat die Ansicht, dass in dem sensiblen Bereich kein Haus mehr gebaut werden sollte und lehnte mit 23:3 Stimmen eine Änderung des Bebauungsplans zu Gunsten eines Zweifamilienhauses ab. Der Grundstücksbesitzer Klaus Moderegger pocht aber auf sein Baurecht und will jetzt dem Verwaltungsgericht die Entscheidung überlassen. »Ich werde unverzüglich meinen Anwalt kontaktieren, der sich dann mit dem Verwaltungsgericht in Verbindung setzen soll«, sagte Klaus Moderegger auf Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts.


Wie berichtet, möchte der Grundstücksbesitzer auf seinem Grundstück in Hölzl nahe einem seit 23 Jahren bestehenden Drei-Parteien-Wohnhaus, das sich in seinem Besitz befindet, ein weiteres, 12 mal 8 Meter großes Wohnhaus bauen. Nach seinen Aussagen werden durch die aktuelle Planung die Abstandsflächen großzügig eingehalten und der Blick auf Schloss Pertenstein werde weder für die Nachbarschaft noch von der Robert-Bosch-Straße aus geschmälert. Eine jetzt bestehende Hütte für Fahrräder würde durch einen modernen Unterstand an anderer Stelle ersetzt werden.

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Das Grundstück, auf dem das Haus geplant wäre, ist bereits ausgesteckt und die Planung sei bereits in trockenen Tüchern, sagte Moderegger. Ursprünglich hatte er vor, in nächster Zeit mit dem Bau zu beginnen. »Ob früher oder ein paar Monate später, spielt für mich aber keine Rolle«, so Moderegger. Er wolle jetzt eine genaue Begründung von der Stadt und dann soll das Verwaltungsgericht entscheiden. Der Stadtrat vertritt die Meinung, dass Hölzl aus ortsplanerischer Sicht kein Haus mehr verträgt und der Neubau zu sehr an die Hangkante zur Traun hin heranreichen würde. Der Traunwalchner Ortsheimatpfleger und 3. Bürgermeister der Stadt Traunreut, Johannes Danner, hatte von Anfang an vor einer weiteren Bebauung in der ehemaligen Handwerkersiedlung gewarnt. Eine weitere Bebauung würde seiner Auffassung nach den Charakter der Siedlung zerstören. Die Warnung des Ortsheimapflegers hatte auch den Bauausschuss auf den Plan gerufen, der zunächst den Antrag aufgrund einer positiven Stellungnahme der Stadtverwaltung einstimmig abgesegnet hatte. Nach einer Ortsbesichtigung ruderte der Bauausschuss aber zurück und änderte seine Meinung. Die Empfehlung an den Stadtrat, den Antrag abzulehnen, fiel mit 9:2 Stimmen ebenso deutlich aus, wie die Entscheidung des Stadtrats mit 23:3 Stimmen.

Angesichts der Tatsache, dass sich der Bauausschuss bei der ersten Behandlung des Antrags noch einstimmig für eine Bebauung ausgesprochen hatte, aber seine Meinung nach einer Ortsbesichtigung revidiert hatte, erinnerte Sepp Winkler (Bürgerliste) in der Stadtratssitzung daran, wie wichtig es sei, sich vor einer Entscheidung vor Ort ein Bild zu machen. »Man sollte sich nicht zu schön sein und eine Ortsbesichtigung vornehmen«, forderte Winkler. Auch er habe seine Meinung nach der Besichtigung geändert und sei zu der Entscheidung gelangt, dass ein weiteres Gebäude beim besten Willen hier nicht reinpasse.

Während Alexander Gruber (CSU) »hin- und hergerissen« war und zunächst die Diskussion abwarten wollte, bevor er sich entscheidet, vertrat sein Fraktionskollege Hans Kneffel eine klare Meinung: »Das ist schlicht und ergreifend zu beengt«, so Kneffel. Als Vertreter der Freien Wähler schloss sich Konrad Unterstein dieser Auffassung an: »Wir sehen eine Bebauung dort als nicht verträglich an«, sagte er. Auch Bürgermeister Hans-Peter Dangschat (CSU) lehnte den Antrag ab. Nach seinem Empfinden rücke die Bebauung zu sehr an den Hang heran. Er erinnerte auch daran, dass trotz eines grundsätzlich bestehenden Baurechts die Planungshoheit bei der Kommune liege. Das Grundstück ist im Flächennutzungsplan als Wohnfläche dargestellt und wäre nach Aussagen der Bauverwaltung das letzte Grundstück in Hölzl das eine Bebauung zulassen würde. Deshalb hatte die Verwaltung das Bauvorhaben auch empfohlen.

An der Jahnstraßedarf gebaut werden

Überstimmt wurde die Verwaltung auch bei einem Bauvorhaben an der Jahnstraße in Traunreut, das entgegen einer negativen Stellungnahme der Bauverwaltung mit 24:4 Stimmen befürwortet wurde. Auf dem rund 930 Quadratmeter großen Grundstück soll eine 340 Quadratmeter große Teilfläche heraus gemessen und mit einem Wohnhaus und einem Doppelcarport bebaut werden. Im Gegensatz zum Vorhaben in Hölzl, sieht die Verwaltung hier eine Bebauung kritisch. Es entstünde eine strenge Nachverdichtung unter der die Wohnqualität in diesem Bereich leiden könnte, sagte Stadtbaumeister Thomas Gätzschmann. »Ich halte eine Nachverdichtung für nicht verträglich und wage es zu bezweifeln, ob alles ausgenutzt werden sollte.«

Auch Michael Mollner (L!Z«) lehnte sich der Meinung des Stadtbaumeisters an: »Ich habe im Bauausschuss zwar noch dafür gestimmt, habe mittlerweile aber meine Zweifel und lehne das Bauvorhaben ab«, so Mollner. Roger Gorzel (Bürgerliste), Bürgermeister Hans-Peter Dangschat sowie Andreas Füssel (Afd) vertraten die Ansicht, dass ein weiteres Haus in der Baulücke vertretbar sei. »Die Jahnstraße ist ab dem Traunring bis hin zu dem betroffenen Grundstück eh schon dicht bebaut«, sagte Gorzel. Dangschat schloss sich der Meinung an und stimmte dafür, den Bebauungsplan zu ändern. »Auch ich halte eine Bebauung für verantwortbar und wir sollten dem Vorhaben zustimmen«, sagte Füssel.

ga


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