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k1: Programm genau abwägen – Keine Veranstaltungen mit hohem Risikopotenzial

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Traunreut: Programm des k1 genau abgewägen – keine Veranstaltungen mit hohem Risikopotenzial
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Mit Hinweisschildern auf den Plakaten vertröstet das k1 seine Besucher. Im September soll es unter der Einhaltung von Auflagen wieder los gehen. (Foto: Rasch)

Traunreut – In finanziell schwierigen Zeiten wie diesen, muss auch die Stadt Traunreut den Gürtel enger schnallen. »Die Finanzlage der Stadt ist so schlecht, dass die laufenden Ausgaben ein Problem darstellen«, sagte Bürgermeister Hans-Peter Dangschat im Kulturausschuss. Deshalb müssten naturgemäß Einsparungen bei den sogenannten »freiwilligen Leistungen« vorgenommen werden.


Einer der größten Posten in Traunreut ist hier der Kulturbereich. Nach Auffassung der Kämmerei müsse daher das Programm des k1 genau abgewogen und auf Veranstaltungen verzichtet werden, die ein hohes Risikopotenzial bergen, was Ausfälle aufgrund von Pandemiebestimmungen oder sonstige finanzielle Verluste betreffe. Die Kämmerei warnt auch davor, Verträge mit Künstlern und Agenturen abzuschließen, die Regressforderungen für die Stadt verursachen könnten, wenn diese »nicht auf der Pandemie als höherer Gewalt basieren«, heißt es in einer Stellungnahme.

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Der Kulturausschuss lehnt sich der Empfehlung der Kämmerei an und beschloss einstimmig, dass das k1 im Rahmen der im laufenden Haushalt genehmigten finanziellen Mittel mit der Planung des Kulturprogramms zwar fortfahren dürfe, mit dem Mitteleinsatz aber sparsam umzugehen hat und finanzielle Risiken zu vermeiden seien. Diesem Beschluss ging ein Antrag der Leiterin des k1, Anke Hellmann, voraus.

Ab September soll der Kulturbetrieb im k1 unter geänderten Rahmenbedingungen wieder aufgenommen werden. »Das Team scharrt schon mit den Hufen. Wir wollen unser Haus wieder öffnen«, sagte Hellmann. Um das Gastspielprogramm vorbereiten zu können, müssten laut Hellmann aber nicht nur die aus den vorherigen Haushaltsjahren üblichen Finanzmittel zur Verfügung stehen, sondern auch die Planung, Durchführung und Bewerbung der Kulturveranstaltungen umgedacht und entsprechend reagiert werden. Das k1-Team sei derzeit dabei, ein Hygienekonzept für das Gastspiel- und Veranstaltungsprogramm zu erarbeiten. Mit den Agenturen und Künstlern stehe das k1 im ständigen Kontakt.

Nach der derzeitigen Lage sei anzunehmen, dass im Studiotheater wenig, bis keine Kulturveranstaltungen stattfinden können. Auch im Saal sei aufgrund des Mindestabstands mit weniger Plätzen zu rechnen. Maximal geht man von 130 Plätzen aus. Auftritte von Solokünstlern oder kleinen Künstlergruppen können durchgeführt werden, wobei das k1 nicht als Kleinkunstbühne gebaut worden sei, sondern als Alleinstellungsmerkmal im Landkreis eine Vielfalt an Veranstaltungen vor sich her trage. Wegfallen können aufgrund des aktuellen Sicherheitsstandards Veranstaltungen mit einem Publikum aus vorwiegend risikobehafteten Besuchern, wie zum Beispiel der Hoagart »Bei uns dahoam« – hier liege der Besucherschnitt bei 65 Jahren –, aber auch Tanzveranstaltungen  wie der Silvesterball.

Die aus dem Frühjahr/Sommerprogramm verschobenen Veranstaltungen müssen unter Umständen abgesagt werden, weil die Anzahl der verkauften Tickets die dann zulässige Besucherzahl überschreite. In solchen Fällen könnte eine Zweit- oder Dritt-Veranstaltung am gleichen Tag oder eine Terminverschiebung greifen. Diverse Agenturen oder Künstler hätten hierzu bereits ihre Bereitschaft signalisiert.

Sollten Kinderveranstaltungen aufgrund der gesetzlichen Schutzmaßnahmen nicht stattfinden können, prüfe das k1 die Möglichkeit, ersatzweise ein Kinderkino anzubieten. Das k1 schlägt auch vor, auf das bisherige Format des Kinderabonnements zu verzichten, zumal kein verbindliches Angebot an geeigneten Gastspielen zwischen September 2020 bis Juli 2021 sattfinden könne. Um den Familien auch in Zukunft günstig und flexibel eine Teilhabe an kultureller Bildung zu ermöglichen, sei es ratsam, die bisher gültigen Rabattierungen sowie die weiteren Vorteile (Wahlabonnement) von 10 auf 20 Prozent Preisermäßigung ab drei beziehungsweise fünf Tickets auch auf Kinderveranstaltungen zu übertragen.

Die Ticketpreise aufgrund der finanziellen Situation zu erhöhen, davon rät das k1 eindeutig ab. Teurere Tickets oder eine Abschaffung des Rabattsystems würden zu Kundenverlust führen und die Wege der kulturellen Teilnahme verschließen.

Weiter teilte Hellmann mit, dass die Nachfrage, den großen Saal zu mieten, schon jetzt sehr stark gestiegen sei. Dies biete dem k1 nicht nur die Chance Einnahmen zu generieren, sondern auch nachhaltig neue Kunden zu gewinnen. Der Saal biete auch die Möglichkeit, Treffen und größere Feiern stattfinden zu lassen, die sonst nicht oder nur unter pandemiebedingt wesentlich schlechteren Bedingungen möglich wären.

Nach Angaben des Bürgermeisters habe das k1 aufgrund der Pandemie im ersten Jahresquartal 2020 harte Einschnitte verkraften müssen. Viele Termine mussten auf 2021 verschoben werden. Über die Höhe des Defizits wurden keine Angaben gemacht. Auf Nachfrage von Christian Stoib (SPD), ob die Künstler ihre Honorare erhöht oder angepasst hätten, erklärte Hellmann, dass die Künstler damit eher vorsichtig umgehen: »Es kommt auf die Agentur oder auf den Künstler an«, so Hellmann.

Josef Winkler (Bürgerliste) schlug vor, aufgrund der derzeitigen Situation das k1 auf den Prüfstand zu stellen: »Wollen wir weiterhin auf gekaufte Kultur setzen, oder mehr auf ortsansässige Kulturschaffenden und Vereine?« Man sollte die gegenwärtige Lage zum Anlass nehmen, mit diesen Leuten zu reden, zu welchen Konditionen sie sich eine Anmietung im k1 vorstellen könnten, sagte Winkler. Außerdem forderte er eine detaillierte Aufstellung über die Veranstaltungen im k1, die sich finanziell tragen oder nicht tragen.

Als Anregung gab er Hellmann mit auf Weg, die »kulturlose« Zeit – ähnlich wie in Trostberg – mit einem Straßenkünstler (Outdor-Theater) oder dergleichen zu überbrücken. Die Zeit seit dem »Shutdown« am 13. März hat das k1-Team genutzt, um Renovierungs- und Verschönerungsmaßnahmen vorzunehmen. Auch die Rückabwicklung der Tickets musste vorgenommen werden. »Wir waren stets bestrebt, mit den Agenturen und Künstlern intensiven Kontakt zu halten«, sagte Hellmann. In den Gesprächen sei ihr deutlich vor Augen geführt worden, dass die Kulturszene in ihrer Existenz bedroht sei: »Die Veranstaltungsbranche liegt am Boden.« ga


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