Bildtext einblenden
Nach öffentlich geäußerten Befürchtungen der Bürgerinitiative »Unser Bergener Wasser« über die künftige Sicherstellung der gemeindlichen Trinkwasserversorgung nahmen jetzt die Geschäftsführer der Adelholzener Alpenquellen Stellung: Stefan Hoechter (rechts) und Peter Lachenmeir im Bergener Moos, wo der Mineralbrunnen mehrere Brunnen für die Produktion unterhält. (Foto: Adelholzener Alpenquellen)

»Wir nehmen die Sorgen der Bevölkerung ernst«: Adelholzener nimmt Stellung zu Befürchtungen um die Bergener Trinkwasserversorgung

Siegsdorf/Bergen – Zu Jahresbeginn hat die Firma Adelholzener Alpenquellen in Siegsdorf mit dem »Zukunftskonzept 2040« ihre Expansionspläne für die kommenden Jahre vorgestellt. Unabhängig sollen auch die regulär im Jahr 2025 auslaufenden Wasserrechte zur Entnahme von Grundwasser verlängert werden. Aus Sorge um die künftig gesicherte Trinkwasserversorgung der Gemeinde Bergen hat sich im Juni die Bürgerinitiative (BI) »Unser Bergener Wasser« gegründet (wir berichteten). Sie befürchtet, die Wasserentnahme durch die Adelholzener Alpenquellen könnte dazu führen, »dass die Grundwasserstände in der Region noch schneller sinken, als sie es klimawandelbedingt sowieso schon tun«, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Die BI fordert deshalb, einen Hydrogeologen zu beauftragen, die Antragsunterlagen der Alpenquellen und die Grundwasserneubildung im Quellgebiet der Gemeinde überprüfen zu lassen.


Im Rahmen eines Pressegesprächs haben die beiden Geschäftsführer der Adelholzener Alpenquellen, Stefan Hoechter und Peter Lachenmeir, zu dem Sachverhalt jetzt Stellung genommen. »Wir legen großen Wert auf Transparenz unserer Geschäftspolitik. Deshalb haben wir auf Wunsch der Gemeinden Bergen und Siegsdorf im Januar auch unsere langfristigen Entwicklungspläne als Konzept vorgestellt«, hob Stefan Hoechter hervor. Dies erleichtere für alle Beteiligten die Planungssicherheit. Ein moderates Wachstumsziel von ein bis drei Prozent jährlich sei »für ein gesundes Unternehmen unerlässlich«.

Als sozial verantwortliches und werteorientiertes Unternehmen, »nehmen wir die Sorgen und Befürchtungen der Bevölkerung ernst«, ergänzte Lachenmeir. Im Rahmen eines Infoflyers, der als Postwurfsendung an die Haushalte im Bereich Bergen, Siegsdorf, Vachendorf, Grabenstätt und Staudach-Egerndach verteilt wird, wolle das Unternehmen »mit Fakten und Argumenten die Diskussion versachlichen«. Ebenso informiere eine eigens eingerichtete Homepage und eine Anlaufstelle für weitere Auskünfte über den Sachverhalt. Zusätzlich habe man bereits ein Gesprächsangebot an die Bürgerinitiative gerichtet.

Beschränkte Erlaubnis

Hoechter und Lachenmeir betonten, dass auch im Rahmen der neu beantragten Wasserrechte »die heute genehmigte Entnahmemenge unverändert gleich bleiben soll«. Das Wasserrecht werde im Rahmen einer »Beschränkten Erlaubnis« erteilt und sei jederzeit widerrufbar, sollten nachteilige Veränderungen beim Wasservorkommen festgestellt oder Auflagen nicht eingehalten werden. Aktuell würden für die Produktion des Mineralbrunnens im Jahresdurchschnitt 900.000 bis eine Million Kubikmeter Wasser entnommen. Dies sei zwei Drittel der zulässigen Höchstmenge.

Nach Aussage beider Geschäftsführer würden die Ergebnisse eines intensiven Grundwassermonitorings und ökologischer Begleituntersuchungen beweisen, »dass keine negativen Beeinträchtigungen durch die Wasserförderungen entstanden« seien. Auch künftig sollen an den Grundwassermessstellen kontinuierlich Messungen der Wasserstände und Druckpotenziale vorgenommen werden. Die konstante Überwachung des Grundwassers erfolge durch eine unabhängige Gesellschaft für angewandte Geo- und Ingenieurswissenschaften und amtlich vereidigte Sachverständige in Abstimmung mit den Fachbehörden.

Wie Hoechter und Lachenmeir weiter erläuterten, sei aus ihrer Sicht durch die Entnahme des Mineralwassers für Adelholzener einerseits und des Trinkwassers für die Gemeinde Bergen andererseits aus unterschiedlich tiefen Grundwasserschichten beziehungsweise -stockwerken »kein Konflikt oder eine Abhängigkeit zwischen diesen beiden Nutzungen gegeben«. Beide Schichten seien durch eine mächtige, wasserundurchlässige Seetonschicht voneinander getrennt. Während Adelholzener sein Mineralwasser aus mehreren Brunnen mit rund 140 Meter Tiefe im Bergener Moos fördere, gewinne die Gemeinde Bergen ihr Trinkwasser größtenteils aus oberflächennahen Grundwasserschichten über die Ägidiusquelle im Weißachental.

Die beiden Geschäftsführer ergänzten im Gespräch weiter, dass Adelholzener auch Teile der Gemeinde Bergen mit Trinkwasser versorge. Dies betreffe etwa größere Bereiche von Bernhaupten und entlang der Kreisstraße in Richtung Alzinger Berg. Ebenso sprängen die Adelholzener Alpenquellen seit 1979 für die Notwasserversorgung von Bergen ein. »Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur«, sagte Hoechter.

»Brauchen sichere Erkenntnisse«: Bergen will möglicherweise eigenen Gutachter beauftragen

Im Rahmen des geplanten wasserrechtlichen Verfahrens für die Vertragsverlängerung der Adelholzener Alpenquellen kann die Gemeinde Bergen als Träger öffentlicher Belange eine Stellungnahme abgeben. Wie Bürgermeister Stefan Schneider gegenüber unserer Zeitung erklärte, überlegt die Gemeinde derzeit, einen eigenen unabhängigen Gutachter für eine ergänzende Fragestellung und Fachexpertise einzuschalten. Die Sorgen von Bergener Bürgern über die Sicherheit der gemeindlichen Trinkwasserversorgung und der Versorgung privater Brunnen im Weißachental seien ebenso Ernst zu nehmen wie die berechtigten Unternehmensinteressen der Adelholzener Alpenquellen. Wichtig sei aus seiner Sicht, so Schneider, die Klärung der Frage, ob die unterschiedlichen Grundwasserstöcke, aus denen die Gemeinde Bergen ihr Trinkwasser und Adelholzener das Mineralwasser für die Produktion beziehen, tatsächlich völlig unabhängig voneinander sind. Gerade im Zug der Klimaveränderung und möglicherweise veränderter Niederschläge. Aufschlussreich könnten diesbezüglich »ein Monitoring-System und Pegelmessungen über alle Grundwasserstöcke hinweg« im Bereich Weißachental und speziell bei der Ägidiusquelle sein. Ebenso zu klären sei, inwiefern bei Veränderungen der Trinkwassersituation für die Gemeinde »rechtliche Sofortreaktionen mit Widerrufsrecht« für die erteilten Wasserrechte möglich seien. »Wir brauchen sichere Erkenntnisse«, so Schneider.

eff

Mehr aus Siegsdorf