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Ruhpoldinger Bären freudig im Heimatmuseum begrüßt

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Ruhpoldinger Bären freudig begrüßt –  Raubtier steht ab sofort im Heimatmuseum
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Freuten sich über die gelungene Einführung des neuen Besucher-Magnets (von links): Bürgermeister Claus Pichler, Museumsberaterin Dr. Henriette Holz, Doris Wünsche-Schmucker und Dr. Michael Apel vom Museum Mensch und Natur in München. (Foto: Schick)

Ruhpolding – Die Ruhpoldinger haben ihren Bären wieder: Sichtlich erfreut über die nach langen Verhandlungen geglückte Heimkehr von Meister Petz, der 1835 als letzter Braunbär Bayerns im Schwarzachen-Gebiet erlegt wurde, eröffnete Bürgermeister Claus Pichler die eigens eingerichtete Ausstellung im Bärenraum des Bartholomäus-Schmucker-Heimatmuseums.


Der offizielle Startschuss zur Besichtigung, man könnte sie scherzhaft auch als »Bärnissage« bezeichnen, fand überaus großes Interesse unter den geladenen Gästen, die sich als illustre Schar aus Lokalpolitik, Kultur- und Handwerksvertretern, Gönnern und Förderern zusammensetzte. Das Gemeindeoberhaupt dankte eingangs der Initiatorin Doris Wünsche-Schmucker, die alle denkbaren Hebel in Bewegung gesetzt hatte (wir berichteten), um das imposante Exponat wieder ins »Stammhaus« des herzoglichen Jagdschlosses zu holen.

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Hier war der Bär in den Achtzigern schon mal für kurze Zeit ausgestellt, bevor ihn die Zoologische Staatssammlung als rechtliche Eigentümerin zurückgefordert hatte. Für die Tochter von Altlandrat Leonhard Schmucker ein Glückstag in doppelter Hinsicht, zumal ihr Geburtstag mit der Eröffnung zusammenfiel.

Landrat-Stellvertreterin Resi Schmidhuber äußerte die Überzeugung, dass attraktive Exemplare wie der Ruhpoldinger Bär unbedingt in die Region gehören. Ausgestopft und hinter Glas sehe sie ihn als Bäuerin sowieso lieber als in freier Natur.

Dr. Michael Apel, Leiter des Museums Mensch und Natur in der Landeshauptstadt, ging auf die veränderte Wahrnehmung und den heutigen Umgang des Menschen mit der Natur ein. Er verglich das Szenario um den eingewanderten Problembären Bruno, der letztlich anonym zur Strecke gebracht wurde, was endlose Debatten hervorrief und dem zuständigen Minister samt Mitarbeitern sogar Mörderbeschimpfungen einbrachte, mit der Zeit von 1835. Damals empfand man Raubtiere als Nahrungskonkurrenten und somit als Schädlinge. Sie zu töten war daher nicht nur legitim, sondern im Sinne des eigenen Überlebens bisweilen notwendig, so der Gastredner aus München.

»Deshalb wurden die Schützen als Helden gefeiert und ihre Namen nicht verheimlicht, um sie nicht wie heute vor Anfeindungen schützen zu müssen,« stellte Dr. Apel klar. Im Übrigen komme man nicht um eine vernünftige Diskussion umhin, was wir bereit sind, an Einschränkungen und Gefahren zu akzeptieren, um großen Beutegreifern wie Bär und Wolf bei uns wieder eine Heimat zu schaffen.

Diesem Thema werde sich, wie Museumsberaterin Dr. Henriette Holz ausführte, der zweite, anschließende Raum widmen, dessen Ausarbeitung derzeit Fortschritte macht. Er soll ab nächstem Jahr für Besucher zugänglich sein.

Nach dem offiziellen Teil lud die Gemeinde zu einer bayerischen Brotzeit ein, die zu angeregten Gesprächen genutzt wurde, angenehm untermalt vom Ruhpoldinger Harfenduo Evi Sandner und Gunhild Hofbauer. ls