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Zur größten Musikschule im Landkreis Traunstein entwickelt

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Alexander Krins in seinem Element: Das Streichorchester »Capella cantabile« spielte unter seiner Leitung den »Einzug der Königin von Saba« aus Solomon von Georg Friedrich Händel. (Fotos: Rasch)
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Ein Wiedersehen beim Festakt anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Sing- und Musikschule Traunwalchen im k1 gab es für die ehemaligen Musikschulleiter Hans Lauber (von links), Franz Jaksch und Markus Lentz mit dem derzeitigen Leiter Josef Mayer.

Traunreut – »Fein sein beinander bleibn«. Dieses alpenländische Volkslied stimmte die große Musikschulfamilie am Ende des Festakts anlässlich des Musikschul-Jubiläums spontan auf der k1-Bühne an. Aus der Volksmusik heraus ist die Sing- und Musikschule Traunwalchen vor 50 Jahren geboren und hat sich im Laufe der Jahre zur größten Musikschule im Landkreis Traunstein entwickelt. »Die Geschichte der Musikschule wurde von kreativen Lehrern und hoch engagierten Leitern und Eltern geschrieben«, sagte Musikschulleiter Josef Mayer.


Gleich zu Beginn stellte er die verlässliche Unterstützung des Landkreises Traunstein heraus und würdigte die Förderung durch die politischen Entscheidungsträger der Stadt Traunreut und den Zweckverband-Kommunen Nußdorf und Chieming. »Sie alle haben die Musikschule maßgeblich gelenkt und gefördert«, lobte Mayer. Stark beeindruckt sei er gewesen von der langen Tradition und der Vielfalt der verschiedenen Musikrichtungen, als er vor sechs Jahren die Leitung übernommen habe. Auf diesem gewaltigen Fundament stehe die Musikausbildung heute als gesellschaftliche Selbstverständlichkeit.

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Die Rolle der Musikschulen im Landkreis Traunstein sei nicht hoch genug einzuschätzen, sagte Landrat Siegfried Walch. Er würdigte die Arbeit der Sing- und Musikschule Traunwalchen, die seit 50 Jahren einen wesentlichen Beitrag zum kulturellen Leben leiste. »Ich bin froh und stolz, dass der Landkreis die acht Musikschulen im Landkreis mit 320 000 Euro fördert.« Entscheidend sei, dass viele junge Leute davon profitieren können, so Walch.

Traunreuts Bürgermeister Klaus Ritter und seine Kollegen aus Nußdorf und Chieming, Hans Gnadl und Benno Graf, stellten in ihren Grußworten die jahrelange Verbindung heraus. Die Verbindung mit Nußdorf und Chieming, die sich vor 37 bzw. 33 Jahren der Musikschule angeschlossen haben, sei auch ein wichtiger Weg, junge Leute zusammenzubringen, sagte Ritter. Benno Graf, dessen drei Töchter an der Musikschule waren, stellte unmissverständlich heraus, dass er den Musiklehrern für die geleistete Arbeit dankbar sei. Es sei nämlich nicht so einfach, Geigenschülern in den Anfängen zuzuhören. Hans Gnadl stellte kurz und knapp heraus, wie wichtig es sei, die Begeisterung und die Liebe für die Musik zu wecken, denn: »Menschen, die nicht singen und musizieren, de han von Haus aus zwieda.«

Den Grußworten schlossen sich auch Hans Bruckner, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Musikschulen im Landkreis Traunstein, sowie Markus Lentz als Mitglied des Erweiterten Vorstands des Verbands Bayerischer Sing- und Musikschulen an. Lentz, der von 2001 bis 2008 Leiter der Sing- und Musikschule Traunwalchen war und das sogenannte »Jeki«-Projekt (»Jedem Kind ein Instrument«) angestoßen hatte, dankte all denen, die im Laufe der Jahre die wichtigen Entscheidungen für den Fortbestand und die Weiterentwicklung der Musikschule getroffen haben.

Blick in die Geschichte der Traunwalchner Musikschule

Am 3. März 1965 war der offizielle Beginn der Arbeit der Sing- und Musikschule Traunwalchen unter der Leitung von Hans Lauber. Von den damals 260 Schulkindern der Volksschule Traunwalchen traten 127 der Singschule bei und 72 junge Leute beteiligten sich am Instrumentalunterricht. Angeboten wurden die Fächer Schulchor, Hausmusik, Akkordeon, Flöte, Melodika, Gitarre, Zither und Hackbrett. Im Gründungsjahr formierten sich auch die Chorfreunde Traunwalchen. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Musikschule kontinuierlich weiter. Die ersten Veranstaltungen in der Turnhalle mit Vorhang und Technik wurden bühnenreif inszeniert. Damals wie heute waren die Musikschule und heutige Carl-Orff-Grundschule eng miteinander verbunden. Die Genehmigung des Bayerischen Kultusministeriums für eine Einführung von Orff-Musik-Modellklassen beruhte auf dem erfolgreichen Hinwirken der Musikschule in den lehrplanmäßigen Unterricht. Franz Jaksch, damals mit 18 Jahren Deutschlands jüngster Musikschulleiter, stellte den Kontakt zum Orff-Institut in Salzburg her, der schließlich zur Namensgebung »Carl-Orff-Volksschule Traunwalchen« und zum historischen Besuch des Komponisten in Traunwalchen führte. Im Mai 1978 übernahm die Stadt Traunreut die Trägerschaft der Musikschule, gleichzeitig wurde die Zweigstelle Nußdorf ins Leben gerufen und vier Jahre später eine weitere Zweckvereinbarung mit der Gemeinde Chieming geschlossen.

In den darauffolgenden Jahren wurde das Instrumentalangebot erweitert, internationale Gäste besuchten die Musikschule, die gemeinsam mit der Carl-Orff-Volksschule großartige Projekte auf die Beine stellte, wie die »Carmina Burana« des Traunwalchner Ehrenbürgers Carl Orff. 2001 übernahm Markus Lentz die Leitung der Musikschule, eine »Neue Musikschulwoche« wurde eingeführt und anlässlich des 7. Internationalen Orff-Symposiums in Traunwalchen führten die Musikschüler und Grundschüler das Gemeinschaftsprojekt »Follow the Drinking Guard« auf. Auch das herausragende Abschneiden beim Wettbewerb »Jugend musiziert« zeugt von einem hohen Niveau: Die Musikschüler erspielten sich auch auf Bundesebene erste bis dritte Preise. Seit 2009 leitet Josef Mayer die Musikschule und erweiterte die Grundfächer um kreativen Tanz und Rhythmik und ein gemischtes Zupfensemble. Aktuell unterrichten 26 Lehrer 835 Schüler in 14 Unterrichtsorten (sechs Schulen und acht Kindergärten).

Darbietungen von der Volksmusik bis zum Swing

Der rund zweistündige Festakt, charmant moderiert von den Musikschülern Denice Pittner und Oliver Wroblowski, war geprägt von Grußworten der Ehrengäste. Aber was wäre ein Musikschul-Jubiläum ohne Musik! Dafür sorgten die Hauptdarsteller zwischen den Reden in beeindruckender Manier und mit hoher Qualität. Die Gäste, darunter auch viele ehemalige Schüler, Lehrer und die früheren Leiter Hans Lauber, Franz Jaksch und Markus Lentz, kamen in den Genuss der gesamten Bandbreite, von der Volksmusik über Klassik, Musiktheater bis hin zum Swing. Das Bläserensemble unter der Leitung von Manfred Berger hatte sich auf der Empore postiert und eröffnete den musikalischen Reigen mit der feierlichen Fanfare »Also sprach Zarathustra« von Richard Strauß. Mit Tänzen aus der Renaissance ließ das Gitarren- & Blockflötenensemble unter der Leitung von Brigitte Brüderl und Klaus und Liese Danner aufhorchen, die »Saitenpfeiffer« (Leitung Lisbeth Genghammer) spielten den traditionellen Volkstanz »Siebenschritt« und das Streichorchester »Capella cantabile« unter Alexander Krins, überzeugte mit dem »Einzug der Königin von Saba« aus Solomon von Georg Friedrich Händel. Zwischen dem Oblivion des weltbekannten Bandoneon-Spielers und Komponisten Astor Piazolla, gespielt vom Weltmusikensemble (Leitung Sigrid Gerlach-Waltenberger), sorgte das Musiktheater Ensemble unter Barbara Danner mit einer beeindruckenden Choreografie zu »Bust your windows« von Jazmine Sullivan für Abwechslung.

Einen swingenden Schlusspunkt mit »St. Thomas« von Sonny Rollings setzte die Bigband der Musikschule um ihren Leiter Josef Mayer. Zum großen Finale wurde die große Musikschulfamilie – Schüler, Lehrer, Leiter und Vertreter des Fördervereins und der Kommunen – auf die Bühne gebeten und mit kleinen Aufmerksamkeiten  und  einem kräftigen Schlussapplaus verabschiedet. ga