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»Wir haben einiges erreicht, aber wir haben noch viel vor«

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Die Siegsdorferin Andrea Mühlthaler besucht regelmäßig die Schüler der Aankura-Schule, die ihr Verein nach den schweren Erdbeben in Nepal vor drei Jahren wieder aufgebaut hat.

Siegsdorf – Andrea Mühlthaler (35) hat vor vielen Jahren ihr Herz an Nepal verloren. »Das ist meine zweite Heimat geworden«, sagt die Siegsdorferin.


Sie liebt das bergige Land und die »unglaublich herzlichen Menschen«. Das schwere Erdbeben mit vielen Toten vor drei Jahren war für sie ein Schock. Ihr war klar: »Ich muss den Menschen dort helfen.« Deshalb gründete die Heilerziehungspflegerin den gemeinnützigen Verein »Namaste – Hilfe für Nepal«. Größtes und auch schwierigstes Projekt ist derzeit der Wiederaufbau einer Schule in dem Bergdorf Tatopani, das nur nach einem stundenlangen Fußmarsch zu erreichen ist.

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»Das hat mich unglaublich geprägt«

Begonnen hat alles vor zwölf Jahren. Die damals 23-Jährige geht für ein Jahr nach Nepal und arbeitet für eine Hilfsorganisation in einem Waisenhaus im Kathmandu Tal. »Das hat mich unglaublich geprägt. Ich wollte anfangs gar nicht wieder zurück«, erzählt Andrea Mühlthaler. Von da an reist die Siegsdorferin wiederholt nach Nepal, »um in kleinem Rahmen zu helfen«, wie sie sagt. Als die schweren Erdbeben 2015 Tausende Menschen obdachlos machen, ist der Heilerziehungspflegerin klar, dass ein Verein die einzige Möglichkeit ist, den Wiederaufbau in dem armen Land richtig zu unterstützen.

»In vielen Dörfern ist bis heute nichts passiert«, kritisiert Andrea Mühlthaler die Regierung in Nepal. In Sindhupalchowk beispielsweise standen vor den Erdbeben 1467 Häuser, danach waren es noch 14. »Der größte Wunsch der Dorfbewohner war nicht der Wiederaufbau ihrer eigenen Häuser, sondern die Errichtung einer Sanitätsstation«, erzählt Andrea Mühlthaler. Mit Hilfe des Vereins »Namaste« wurde in dem schwer erreichbaren Gebiet eine Krankenstation aufgebaut. Die medizinische Versorgung im ländlichen Nepal ist schwierig, ähnlich wie das Thema Bildung. »Die Kinder haben oft einen langen Weg zur Schule, was den Besuch einer Bildungseinrichtung ohnehin schwierig macht. Nach den Erdbeben lagen in den betroffenen Gebieten 90 Prozent aller Schulen in Trümmern«, sagt die Heilerziehungspflegerin, die im HPZ in Ruhpolding arbeitet. In dem Dorf Bhimeshwor hat der Verein die »Aankura English School« wieder aufgebaut, in die 600 Schüler gehen.

Derzeit engagiert sich »Namaste – Hilfe für Nepal« beim Wiederaufbau einer weiteren Schule, der »Shree Bhumiraj School« in Bokchen/Tatopani. Das Projekt gestaltet sich aber äußerst schwierig, wie Andrea Mühlthaler erzählt. Das Gelände liegt zehn Autostunden von Kathmandu entfernt an der Grenze zu Tibet. Da nach Bokchen keine Straße führt und das Dorf nur zu Fuß in etwa drei Stunden erreichbar ist, müssen die Baumaterialien mit Trägern in das Dorf gebracht werden. »Das ist teuer und aufwändig. Wir versuchen deshalb, möglichst viele Baumaterialien zu verwenden, die es vor Ort gibt«, sagt die 35-Jährige.

Neben diesen Unwägbarkeiten legt dem Verein auch die Regierung immer wieder Steine in den Weg. »Wir müssen oft Monate auf Genehmigungen warten, weil wir nicht schmieren.« Doch davon wollen sich Andrea Mühlthaler und ihre Mitstreiter – viele davon in Nepal selbst, was die Arbeit enorm erleichtert – nicht unterkriegen lassen.

Wenn die Schule in Bokchen fertig ist, dann soll die »Aankura English School« erweitert werden. Denn die Schule platzt aus allen Nähten, viele Kinder werden in Wellblechhütten unterrichtet. Auch diese Notunterkünfte hat der Verein finanziert, damit die Kinder zumindest ein Dach über dem Kopf haben. Denn es regnet oft heftig in den Bergen Nepals.

»Dafür muss Unterkunft gebaut werden«

Weitere Pläne hat Andrea Mühlthaler auch für die Krankenstation in Sindhupalchowk: Sie würde sich wünschen, dass dort künftig Ärzte und Krankenschwestern als Freiwillige vor Ort helfen. »Dafür muss aber eine Unterkunft gebaut werden«, sagt die Siegsdorferin. Denn die Gegend ist sehr abgelegen. Die Helfer bräuchten daher eine Möglichkeit, dort für längere Zeit zu wohnen. Das geht nur mit einer Bleibe. »Wir haben einiges erreicht, aber wir haben noch sehr, sehr viel vor«, betont die Siegsdorferin, die im März mit weiteren Namaste-Mitgliedern wieder nach Nepal fliegt, um Menschen zu helfen, »die viel, viel weniger haben als wir, aber trotzdem zufrieden sind«. Das beeindruckt Andrea Mühlthaler immer wieder aufs Neue. KR

Wer die Arbeit von Andrea Mühlthaler unterstützen möchte, kann dem Förderverein »Namaste – Hilfe für Nepal e.V.« beitreten oder den Verein mit einer Spende unterstützen: Kreissparkasse Traunstein – Trostberg, IBAN: DE55 710 52050 0040 4166 79, Stichwort »Namaste«.